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  • The Colour… Pink

    Kaugummis sind rosa, Zuckerwatte ist rosa, Ausnüchterungszellen sind rosa und in den USA sind sogar Kündigungsschreiben rosa. Ist etwas süss und steckt es voller Zucker? Soll es möglichst beruhigend, verführerisch oder harmlos wirken? An Mädels verkauft werden oder überhaupt einfach „Kauf‘ mich“ schreien? Dann ist Rosa bzw. Pink die Farbe der Wahl.

    Ja, Wurmrosa – gibt’s tatsächlich auch! Der Regenwurm mag viele ekeln, aber 2011 war er sogar Tier des Jahres (Bild: Heidi & Hans-Jürgen Koch / Pro Natura)

    Rosa hat einiges zu bieten: Über 50 verschiedene Rosatöne zählt die Sozialwissenschaftlerin Eva Heller in ihrem Farblexikon auf, darunter so bezaubernde Nuancen wie Marzipanrosa, Perlmuttrosa und Wumrosa…

     

    Rosa? Ausnehmend männlich!

    Mit Rosa assoziieren wir heute vieles, aber ganz bestimmt nicht starke Kerle. Dabei galt Rosa lange als ausgesprochen männliche Farbe und war im Rokoko (1715 – ca. 1789) ebenso wie im elisabethanischen England (1558-1603) zeitweise der letzte Schrei in der Männermode. Vielleicht ist damals sogar William Shakespeare rosa gewandet herumscharwenzelt – so es ihn denn tatsächlich gegeben hat, was ja manche anzweifeln.

    Auch danach blieb Rosa in der Mode präsent: Lange Zeit wurde der männliche Nachwuchs rosa gekleidet! Rot wurde mit Leidenschaft, Blut, aktivem Eros und Kampf in Bezug gesetzt. Abgeschwächt durch die Reinheit von Weiss war das „kleine Rot“ der richtige Farbton für Männer in Kleinformat.

    Deshalb werden bis heute gewisse Zeitungen auf rosa Papier gedruckt – die „Financial Times“ etwa, aber auch der italienische „La Gazetta dello Sport“. Beide richten sich an eine überwiegend männliche Leserschaft.

    In einer Handelszeitschrift von 1918 steht zum Thema Kinderkleidung:

    „Rosa ist eine entschlossenere, stärkere Farbe und ist daher passender für den Buben, während Blau, das zarter und anmutiger ist, hübscher an Mädchen ist.“

    Blau hat in der christlichen Kultur eine lange Tradition als Farbe der Jungfrau Maria, weshalb das „kleine Blau“ (Blau + Weiss) gerne für Mädchenkleider verwendet wurde. Erst als nach dem ersten Weltkrieg dank neuer Färbetechniken der Blaumann, Matrosen- und Arbeiterkleidung auf der Bildfläche erschienen, wurde Blau zunehmend „männlicher“.

    Vielfältige (Be-)Deutung

    Die deutsche Farbbezeichnung ist vom lateinischen Blumennamen „rosa“ (Edelrose) abgeleitet, ihre Übernahme als generische Benennung der Farbe erfolgte im frühen 18. Jahrhundert.

    Das heute auch hierzulande weit verbreitete „Pink“ hingegen wurde erst in den 1980er Jahren eingedeutscht. Während es im Englischen ebenfalls eine breite Palette an Rosatönen abdeckt, steht das deutsche Pink hauptsächlich für ein kräftiges, grelles, violett-stichiges Rosa, das traditionell keinerlei weibliche Eigenschaften hat. Experten nennen diesen Farbton „Magenta“. Das unerfahrene Augge würde die Farbe als Mischung aus Pink und Violett beschreiben, allerdings ist Magenta aus keiner anderen Farbe mischbar und ist das reinste Rot überhaupt!

    Pink – das neue Orange

    Bis 1980 wurden Plastikartikel vor allem in Orange hergestellt. Als niemand mehr auf diesen optischen Reiz reagierte, betrat Pink die Bühne des Marketings – seither gilt die Farbe als Inbegriff des Billigen, schreibt Eval Heller in ihrem Farblexikon. Auch unseriöse Werbung und schrille Modeaccessoires kommen gerne in Pink daher…

    Amüsantes sprachhistorisches Detail: Bevor „Pink“ sich im Englischen als Farbbezeichnung etablierte, wurde das Wort in der Londoner Unterwelt für etwas deutlich weniger rosiges verwendet: Das Erstechen eines Widersachers mit einer scharfen Klinge!

    “He pink’d his Dubblet and run him through”

    steht erklärend in einem Street-Slang-Wörterbuch aus dem 17. Jahrhundert für “Bettler, Ladendiebe, Strassenräuber und alle anderen Arten von Betrügern und Bösewichten“. Umschrieben wurde damit ein tödlicher Angriff durch das gefütterte Wams des Opfers…

     

    Think Pink und die weissen Mäuse

    Die Welt erscheint Dir düster und grau? Dann wirst Du „think pink“ zu hören bekommen – denk‘ Dir die Dinge einfach schöner. Damit wäre dann auch die Brücke zur deutschen „rosa Brille“ geschlagen (wie im Post über Optimismus, welches übrigens den Anstoss gab zur Beschäftigung mit dieser Farbe).

    Kinder bevorzugen Torten mit rosa Zuckerguss. Bei Erwachsenen ist es genau umgekehrt: sie bevorzugen weissen Zuckerguss : ) Bildquelle: http://otol.eu/torten-rezepte-rosa.html

    Und was hat es mit den weissen Mäusen auf sich? Well, ist ein Engländer im Delirium, erscheinen ihm höchstwahrscheinlich rosa Elefanten („to see pink elephants“). Das geht offenbar auch den Franzosen so („voir des éléphants roses“), während bei deutschsprachigen Patienten davon ausgegangen werden darf, dass weisse Mäuse die Halluzinationen des Kranken bevölkern.

     

    Wahrnehmung von Farbtönen geschlechtsabhängig

    Die unterschiedliche Wahrnehmung hat sowohl biologische als auch kulturelle Ursachen. Gemäss Studien von Israel Abramov (City University of New York) nehmen Männer gemischte Farben ein wenig bläulicher wahr als Frauen, die damit die Welt in wärmeren Farben sehen. Eine mögliche Erklärung dafür basiert auf der Tatsache, dass im Sehzentrum besonders viele Andockstellen für das männliche Sexualhormon Testosteron liegen. Soviel zu den biologischen Tatsachen.

    Rosa Winkel – Übersicht Erkennungszeichen in Konzentrationslagern. Bad Arolsen, International Tracing Agency.

    Doch da gibt es eben auch die kulturelle Prägung. Rosa etablierte sich zumindest in Deutschland schon vor dem Zweiten Weltkrieg so weit als Mädchenfarbe, dass als „weibisch“ geschmähte Homosexuelle in den Konzentrationslagern den sogenannten „Rosa Winkel“ als Erkennungszeichen tragen mussten.

    Dieses Symbol, ein auf der Spitze stehendes rosa Dreieck, wurde im Vorfeld der Schwulenbewegung Mitte der 1960er Jahre in Europa übernommen. In den USA ist Violett die klassische Farbe der Homosexuellen. Und auch die Suffragetten in England wählten Violett als Symbol für ihre Anliegen (die Farben Grün, Weiss und Violett standen für Hoffnung, Ehre und Anspruch auf Stimmrecht).

     

    Fleischeslust oder himmlische Ekstase?

    Auch kunstgeschichtlich durchlebte Rosa spannende Zeiten. Der „Durchbruch“ gelang dem Farbton offenbar in der frühen Renaissance und zwar aufgrund eines Freskos, welches der italienische Maler Fra Angelico in der Mitte des 15. Jahrhunderts im Kloster San Marco in Florenz malte. „Die Verkündigung“ zeigt den Moment, in dem die Jungfrau Maria vom Erzengel Gabriel erfährt, dass sie die Mutter Jesu Christi werden soll.

    Pretty in pink – der italienische Maler Fra Angelico löst mit seinem rosa gekleideten Erzengel eine Revolution aus (Bild: Freskenzyklus im Dominikanerkloster San Marco in Florenz, Szene: Verkündigung mit Hl. Dominikus, ca. 1437-1446)

    Ganz abgesehen von den äusserst modern anmutenden polychromatischen Flügeln, die Fra Angelico dem Erzengel verpasste, war vor allem auch die Verwendung von Rosa als Kleiderfarbe bahnbrechend. Traditionell wurde Rosa nämlich bis anno dazumal fast ausschliesslich zur Darstellung von Hauttönen verwendet.

    Indem Fra Angelico den Erzengel in üppige Rosatöne hüllte, machte er diesen zu einem fleischlichen Wesen, durchbrach die Grenze zwischen Heiligem Geist und vergänglichem Fleisch. Behauptet jedenfalls der Kunstkritiker Kelly Grovier , der weiter ausführt, dass Rosa damit zum Drehpunkt zwischen Himmel und Erde wurde und der Himmel menschliche Züge annahm…

    In den nachfolgenden Jahrhunderten nutzten Kunstschaffende die Farbe Rosa immer wieder als codierten Hinweis auf verwischte Grenzen. Ist auf einem mittelalterlichen Bild etwa ein rosafarbenes Haus zu sehen, so war den damaligen Betrachtern sofort klar: „In diesem Haus hat ein Wunder stattgefunden“.

    Auch im 21. Jahrhundert sorgt Pink nach wie vor für Aufmerksamkeit, steht neben Liebe und Romantik eben auch für Anderes, Verqueres, Schrilles, Schräges, für Revolution und Widerstand oder ganz einfach auch dafür, dass die Kasse klingelt…

     

    Gender Marketing: Wenn die Kasse rosa klingelt

    Ab 1920 bis in die 1950er-Jahre wurde Rosa zwar schon stark weiblich assoziiert, aber nicht annähernd so streng und allgemeingültig wie heute, erklärt die Historikerin Jo Paoletti. Diese fundamentale Kehrtwende unterstreicht, dass unsere Wahrnehmung von Farben manipulierbar ist – und dass die kulturelle Konnotation einen laaangen Arm hat.

    Seit die Industrie das „gender marketing“ entdeckt hat, setzt sie doppelt so viel Spielzeug und Kleidung ab. Hassen Jungs Rosa nur deshalb, weil die kommerzielle Gehirnwäsche ihnen einredet, dieser Farbton sei unmännlich? Lieben die Mädels Pink, weil sie sich dadurch dem weiblichen Geschlecht zugehöriger fühlen?

     

    Ewige Hassliebe

    Während Marketing-Strategen mit Rosa offensichtlich so einiges anfangen können, landete Rosa in einer Befragung zu den unbeliebtesten Farben der Sozialwissenschaftlerin Eva Heller nach Braun (20%) auf Platz 2 (17%, Quelle: Farblexikon s. unten).

    Ging es um die Lieblingsfarbe, nannten nur 2% aller Befragten Rosa. Blau schwang als Lieblingsfarbe mit 45% obenaus und liess Grün auf Platz 2 (mit 15% der Stimmen) weit hinter sich.

    Warum das so ist? Die Konnotation mit Homosexualität könnte mit ein Grund sein, warum gerade heranwachsende Jungs sich oft so heftig von dieser Farbe distanzieren: Sie, die so sehr darum ringen, ihren Platz in der Männerwelt zu finden, möchten um keinen Preis den Verdacht erregen, ein (rosa) Weichei zu sein.

     

    = = =

     

    Oma in Neonpink

    Zum Abschluss noch eine Prise Heiterkeit:

    Meine Schwester war unlängst in einem Kaufhaus, wo sie von einer alten Dame angesprochen wurde, die gerade eine Jacke von SuperDry in Neonpink (!) begutachtete.

    Ob sie diese Farbe tragen könne, wollte die rüstige Seniorin von meiner Schwester wissen. Diese erklärte lachend: „Ich finde, in Ihrem Alter sollten Sie genau das anziehen, worauf Sie Lust haben!“

    Was die alte Dame entzückt und etwas verschämt mit folgendem Bekenntnis quittierte: „Ja, wissen Sie, ich bin eben schon über 90 Jahre alt…“

     

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    Links & Quellenangaben

  • Flea, fly, Fliesen! Meet Salome Kuratli

    Das Schöne am sommerlichen Ferien(s)pass: Immer wieder bringt jemand spannende Impulse mit ein! 2018 war die Architektin und Künstlerin Salome Kuratli (Atelier akurat.li) mit von der Partie und bot einen Workshop zum Thema „Relief“ an. Unter den alten Eichen beim See entstand ein sommerliches Freiluft-Atelier, das konzentrierte Kreativität und fröhliche Singspiele à la „Flea, fly, flow“ förderte. Das tönt lässig und war es auch : ) Und die Ton-Fliesen, die dabei entstanden, lassen sich ebenfalls sehen!

    P.S.: Der nächste Ferienspass findet vom 18.-28. Juli 2019 statt. Anmeldungen sind ab sofort möglich.

    Impressionen vom Fliesen-Workshop. Für die Reliefs kamen zum Einsatz: 10kg Ton, ein selbst gebauter Ofen, eine zünftige Prise Spass, viele grosse & kleine Hände, Phantasie sowie Schürhaken, diverse Naturmaterialien, Bierdeckel etc. I Fougerette, Sommer 2018

     

    1. Salome, Du verknüpfst in Deiner Arbeit Architektur, Landschaft und Raumentwicklung – wie ist es zu dieser Kombination gekommen?

    Liebe Monika, zuerst einmal vielen herzlichen Dank für dein Interesse und die tolle Zeit auf Fou mit Ferien(s)pass! Wunderschöne, produktive Sommerferien waren das!

    Auf Deine Frage hin will ich es so sagen: Ich bin gerne draussen und auch gerne unterwegs. Ich betrachte, was mich umgibt und mache mir Gedanken zu den erlebten Orten. Es beschäftigt mich, wie es wohl zu einer anderen Zeit dort war, oder auch, was hier noch werden könnte.

    Später entwickle ich meine Projekte aus diesen Beobachtungen von Veränderungsprozessen. Ob es Architektur, Landschaft oder Raumentwicklung ist, kommt auf den Ort und die Fragestellung an. Nur am Bildschirm zu entwerfen und alle Entscheidungen am Computer zu fällen, das ist wie in einem geschlossenen System zu arbeiten. Es stimmt für mich nicht und inspiriert mich auch nicht genügend für meine Arbeit an zukünftigen Räumen.

    Unabhängig von der Aufgabenstellung, ist mein stetes Anliegen, dass alle Sinne miteinbezogen sind.

    In meiner Branche, der Architektur, wird es leider als besonders chic gehandelt, wenn die Welt komplett an der Glasoberfläche des Bildschirms begriffen und auf diesem Weg auch neu geschaffen wird. Das heisst dann City 4.0 und wir werden aufgefordert sein, unsern Computer immer dabeizuhaben, damit wir in jenen Räumen funktionieren und überleben können. Das ist eine etwas traurige Aussicht.

    Was ich möchte, sind vielgestaltige und wandelfähige und erlebnisreiche Räume für uns, die uns immer wieder aufs Neue inspirieren. In der Architektur, im Landschaftsraum wie auch in der Raumentwicklung gilt es eine entsprechende offene Entwicklungskultur zu pflegen.

    Das spannendste am Raum muss sein, dass er auch in Zukunft immer Verhandlungssache bleibt – so wie das auch mit unserer Identität sein sollte.

    Dieser Gedankenstrang sprengt allerdings den Rahmen der gestellten Frage…

     

    2. Wie kombinierst Du diese drei Bereiche?

    Die Kombination ist eine Sichtweise, die von einer Vielfalt an Blickwinkel geprägt ist.

    Übrigens ist genau dies der Vorteil vom Arbeiten mit Computern. Man kann extrem rasch von einer Detailansicht zur Vogelperspektive wechseln. Man kann sehr viel in sehr wenig Zeit entdecken. Die Illusion, durch virtuelle Raummodelle zu gehen, ist eben auch sehr erlebnisreich; unbestritten. Auch immer neue Techniken und Programme lassen sich entdecken, welche die Kreativität herausfordern und somit auch neue Produktionswege erschliessen. Mit dieser riesigen Vielfalt an Möglichkeiten experimentiere ich sehr gerne. Ich bin nur nicht Fan von geschlossenen Produktionskreisläufen aus der IT, weil ein auf Effizienz getrimmter Produktionsweg nicht per se Nachhaltigkeit enthält.

    Ganz spannend finde ich deshalb das junge Feld der digitalen Nachhaltigkeit und die Fragen, wie es für die nächsten Generationen aussieht.

     

    3. Was fasziniert Dich denn an Reliefs?

    Das Relief ist ein Bild, welches mit Geschichte aufgeladen ist. In den Untiefen und Schattierungen mit plastischer Qualität lässt sich Vergangenes wie eine Landschaft lesen. Zudem hat das Relief etwas Greifbares, was ertastet werden kann. Das gefällt mir ausserordentlich.

    Wie der und die einzelne es liest, ist offen. Oft erzählt ein Relief durch seine Machart von der Geschichte seiner Produktionszeit. Hier im Schloss kann man sehr schöne Details und Hinweise entdecken. Wir haben gemeinsam gerätselt und wir malten uns aus, wie die Produktionsstätte industrialisiert war, um bestimmte Fliesen hervorzubringen.

     

    4. Hast Du auch schon grosse Arbeiten realisiert?

    Wellenband am Lochergut, Zürich. Bild: poolarch.ch

    Das grösste Relief, welches ich selbst je bearbeiten durfte, ist das Fassadenband vom Geschäftszentrum Lochergut in Beton. Ein Element ist 7 Meter lang und 8 Tonnen schwer. 2005 war ich als Praktikantin bei Pool Architekten und bekam die Aufgabe, diese Betonelemente zu entwickeln. Meine Zeichnungen wurden in CNC-Maschinenpfade umgewandelt und die Detailpläne direkt im Betonwerk für die Produktion benutzt. Das Spannende an der Gestaltung war, jenen Rhythmus von Stegen und Kerben auszuarbeiten. Die minimale Untiefe der Kerbe in der Mitte des Betonelements, entspricht dem Minimum, was die Materialstärke des Schalungsbaus erlaubte. Ein durch das Sonnenlicht erzeugtes, optisch dezentes Wellenband an der Fassade ist das Resultat.

    Tischplatte mit Relief von Salome Kuratli. Bild: akurat.li

    Später, 2009, forschte ich ein ganzes Jahr an einer Wand- und Tischplattenproduktion; wobei ich auch immer die Zusammenarbeit mit anderen Disziplinen suchte. Das Thema Relief in unterschiedlichen Materialien nach ausgesuchten Bildern zu produzieren, war so faszinierend, dass ich damals meine Produktionsplattform akurat.li gründete. Je nach Auftragslage, tüftle ich weiter daran, Orte mit Geschichten zu bespielen.

    Das müssen nicht immer Reliefs sein. Die Themen der Raumentwicklung, Wahrnehmung und Orientierung, von physisch, kulturell und digital gewachsenen Räumen spielen auch in meinen andern Projekten eine wichtige Rolle

     

    6. Auf Fougerette hast Du Reliefkacheln aus Ton gebrannt. Wie kam es dazu und welches waren die besonderen technischen Herausforderungen?

    Der Abenteuerplatz am See unter den altehrwürdigen Eichen war sehr inspirierend und auch tagsüber angenehm schattig. Der Ort wurde rasch zu meinem Fou-Freiluftatelier. Ich hatte 10kg Ton mit nach Fougerette gebracht, um endlich wieder mal experimentieren zu können.

    Ebenfalls dort am See liegt die Feuerstelle. Erst war sie noch von Brennnesseln umrankt sowie wild, gestapeltes Nagelholz lag rum und mittendrin ein Berg Asche mit noch mehr Nägeln. Es galt also zuerst den Platz zu erobern, wobei wir ordentlich aufräumten. Insbesondere hatte der Chris Lust, da zu feuern und dann auch zu graben.

    „It wasn’t me…!“ – Chris im Grabungsfieber

    Engländer können eine unglaubliche Begeisterung entfalten, im Dreck zu graben. Chris war es denn auch, der sich intensiv um den Ofenbau des „original blood moon fou kiln“ in brütend heisser Hitze kümmerte (in derselben Woche war auch die Mondfinsternis 2018!). Für den Brand der Reliefkacheln sollte es gemäss Internet möglich sein, den Ton in weisser und schwarzer Färbung hinzubekommen. Die Farbe sei durch den gewissen Verbrennungsprozess mit und ohne Sauerstoffzufuhr, zu erreichen… Diese Herausforderung nahmen wir an, und letztlich brauchten wir nur noch die edlen Ton-Platten zu erstellen, wofür wir den Workshop einberiefen.

     

    7. Wie war das mit dem Fliesen-Workshop?

    Für einen Nachmittag haben wir alle Ferien(s)passagiere eingeladen zum Tonen von einem Relief. Es war die Aufgabe jedes und jeder einzelnen, einen eigenen Ansatz für ein Relief zu finden. Wir besprachen, welche Hinweise sich im Schloss entdecken liessen, doch sollte jeder sich auch draussen umsehen. Ein vergnüglicher Nachmittag ergab sich daraus und für kurz verwandelte sich das Schloss mit Park in ein wuselndes Ateliercamp.

    Danach mussten die Fliesen noch trocknen, weshalb wir sie zwischenzeitlich im super heissen Fou-Gewächshaus zwischenlagerten. Darauf folgten die Brennvorgänge. Technisch war die schwarze Färbung unsere Herausforderung. Der Chris-Ofen lief praktisch automatisch und diente gleichzeitig als Grill für das Blood-Moon-Dinner. An der Form der Kaminrohre kann man ablesen, dass wir zwei Mal das Experiment durchgeführt haben.

    Und dann YEAH, flea, fly, fou!! Endlich kam der grosse Moment als wir den Schatz heben konnten; mit weissen und schwarz eingefärbten Fliesen!

    Auf einzelnen sind sogar die Spuren vom Heu, das zur Verpackung diente, zu sehen. Die Bilder erzählen mehr! Wow, wir waren fast komplett erfolgreich!

     

    Da geht was!

    8. Chris, you helped Salome for her workshop building the kiln. What inspired you to participate in thisproject and build the kiln?

    My experience in ceramic technology is limited and comes mainly from watching TV. I started to make clay models (mostly mermaids and dolphins, occasionally witches) with my daughters at the GZ Leimbach years ago when it was still located on the edge of the wild forest. Sabine of GZ Leimbach runs outdoor Raku burning sessions which remain legendary; I have never actually seen one occur in practice but I understand that she uses both wood and clay.

    The design of the kiln we built at Fougerette has much to do with the british TV series “Time Team”. There, amongst others, old men in knobbly jumpers speak with a Somerset accent while digging up evidence of pottery on Roman or iron age sites. From time-to-time, artisans appear and attempt to manufacture replicas of the artefacts using the technology of the era.

    Archaeologists work exclusively in pits and trenches so it was a sure bet that any pottery kiln of mine would be at least partly subterranean. We re-acted the TV series faithfully and can confirm the kiln was of Swiss-Roman origin; a high-status villa and rave complex was inferred from tiny fragments of glazed roofing tile and ceremonial glow sticks.

    The project “ignited” at the Brocki, that is, when I found Salome in her summer dress with both arms (up to her elbows) inside lengths of sooty black stove pipe; not unlike the Tin Man from the „Wizard of Oz“ but somewhat dirtier. It was really great to see her so “inflamed” with enthusiasm when she found a cache of valuable chimney parts at the local Emmas joint.

    It was a wonder how much scrap metal can be transported on a bicycle in the summer heat…

     

    9. Letzte Frage an Salome: Was war Dein Traumberuf als Kind?

    Am liebsten wollte ich Snowboarderin werden, weil sie so schöne Spuren in den Schnee zeichnet.

     

    Liebe Salome, da schon Dezember, passt dieser Wunsch perfekt zur Jahreszeit… Vielen Dank fürs Interview und den wunderbaren Workshop! Herzlichen Dank auch an alle TeilnehmerInnen, die den Ton mit solcher Hingabe zu diesen wunderbaren Kacheln geformt haben – und last but not least an Chris (seit der Mechatronik-Woche 2014 regelmässiger Gast auf Fougerette), der Salome so tatkräftig unterstützt hat!

     

    Bildergalerie

  • Alchemie – eine Annäherung

    Alchemie – das Wort klingt geheimnisvoll und verströmt mehr als einen Hauch von Mittelalter… Was genau aber verbirgt sich dahinter? Als alter Zweig der Naturphilosophie bezeichnet Alchemie ab dem 1./2. Jahrhundert die Lehre von den Eigenschaften der Stoffe und ihren Reaktionen.

     

    Blüte der arabischen Gelehrsamkeit

    Camille Flammarion, L’Atmosphère: Météorologie Populaire (Paris, 1888), pp. 163. (kolorierter Holzschnitt, Wikipedia commons)

    Im frühmittelalterlichen Europa waren etliche Künste wie etwa das Färben, die Malerei, die Glaserzeugung, das Goldschmieden und die Metallurgie bekannt. Ab dem 12. Jahrhundert wanderte dann aus der muslimischen Welt die Alchemie in das lateinische Abendland ein und löste einen wahren Boom aus. Sizilien und besonders Spanien wurden zu wichtigen Zentren der Verbreitung der arabischen Gelehrsamkeit.

    Das Wort selbst hat seinen Ursprung im Arabischen »al kimia«, welches seinerseits vermutlich auf das griechische chymia (Metallguss) oder chymos (Flüssigkeit) zurückzuführen ist. Im Kern geht es der Alchemie darum, flüchtige und unbeständige Materialien in beständige, wertvollere Substanzen zu verwandeln.

    Dieser äusserlich nachvollziehbaren Veredelung wurde in der Alchemie als mittelalterlicher Wissenschaft ein innerlicher Prozess der Läuterung und geistigen Erhöhung zur Seite gestellt. So wurden die Prozesse des Laboratoriums mit Übungen in religiöser Demut verknüpft und alchemistische Prozesse schlossen sowohl Gebete als auch die Kommunikation mit Engeln oder anderen himmlischen Wesen ein.

    Sagenhafter „Stein der Weisen“

    Ein unverständliche Worte murmelnder Mann mit langem Bart, der sich in einem höhlenartigen Labor über diverse Glaskolben beugt, in denen es geheimnisvoll blubbert… Diese Vorstellung hat unser Bild der Alchemie entscheidend geprägt.

    Tatsächlich war es ihr Anspruch, Ausgangsmetalle in kostbares Gold umwandeln und das menschliche Leben unbegrenzt verlängern zu können, der die Alchemie in Verruf brachte. Denn die Suche nach dem sogenannten „Stein der Weisen“ bot zahlreiche zwielichtige Gestalten mit nicht immer lauteren Absichten eine Plattform.

    Wie Hans-Werner Schütt in seiner „Geschichte der Alchemie“ festhält, war die die Alchemie aber auch im Mittelalter nur am Rande eine okkulte Welt. Mit der heutigen esoterischer Verbrämung hatte sie wenig bis gar nichts am Hut; die Alchemie war eine experimentelle Wissenschaft.

     

    Fortschritt und neue Erkenntnisse

    1085 schrieb der Alchemist Gerhard von Cremona in Toledo mit Das Buch der Alaune und Salze das erste Chemiebuch Europas und Roger Bacon (1210–1292) führte das Experiment als wichtigste Arbeitsmethode der Alchemie ein:

    „Sine experientia nihil sufficienter sciri potest“
    – ohne Experiment kann nichts ausreichend gewusst werden

    1669 entdeckte der deutsche Apotheker Hennig Brand auf der Suche nach dem Stein der Weisen beim Destillieren von Urin und Glühen des Rückstandes das chemische Element Phosphor. Rund 50 Jähre später (1808) gelang dem Alchemisten und Chemiker Johann Friedrich Böttger zusammen mit Ehrenfried Walther von Tschirnhaus die Entdeckung des (europäischen) Porzellans.

    Wohl beruhte die Alchemie auf den Denkprinzipien der antiken Metaphysik, die uns heute sehr verworren erscheinen mögen, doch aus ihr gingen im Laufe des 17. und 18. Jahrhunderts die moderne Chemie und die Pharmakologie hervor. Befeuert von der Aufklärung und ihrem Interesse an kausalen Zusammenhängen verlagerte sich dabei der Blickwinkel vom experimentellen „Was passiert?“auf die Frage „Wie passiert es?“.

    Paracelsus – Rebell & Vater der medizinischen Alchemie

    Paracelsus. Bildnachweis: A.H. [Public domain], via Wikimedia Commons
    Zur Blütezeit der Alchemie im Spätmittelalter und der Renaissance lebte und wirkte auch der in Einsiedeln geborene Arzt Paracelsus (1493-1541).

    Paracelsus grenzte scharf ab zwischen der „alchemia transmutatoria“ und der „alchemia medica“. Er sah die Aufgabe der Alchemie nicht in der Herstellung von Gold, sondern in der Herstellung von Arzneimitteln. Entsprechend nimmt in seinem Werk die „ars spagyrica“ oder Scheidekunst, mit deren Hilfe eine Quintessenz zu isolieren sei, eine zentrale Stellung ein (dazu nachstehend mehr).

    Eine neue Medizin

    Nichts weniger als das schwebte Paracelsus vor. Er trachtete danach, akademisches Wissen mit praxisbezogenen Erfahrungen sowie den althergebrachten Hausmitteln des Landvolkes zu verknüpfen. Wegen dieses unkonventionellen Vorhabens schlug Paracelsus vielerorts ein eisiger Wind entgegen…

    1527 wurde Paracelsus als Stadtarzt & Dozent der Medizin nach Basel berufen. Als erster Hochschullehrer überhaupt hielt er dort auch Vorlesungen in deutscher Sprache. Wegen seiner polemische Verdammung der überkommenen medizinischen Autoritäten (bis hin zur Bücherverbrennung!) und seiner „Neuen Medizin“ musste er nach knapp einem Jahr aus Basel flüchten.

    Was kaum überrascht, denn unbekümmert hatte Paracelsus mit seinen Thesen so ziemlich allen Kollegen in den Brei gespuckt: Die Ärzte waren damals Akademiker, die selten am Krankenbett standen, während die Bader d.h. Chirurgen zwar eine praxisbasierte Heilkunde ausübten, dies jedoch ohne theoretische Grundlagen taten. Die Apotheker wiederum lebten gut von den antiken Kräuterrezepturen eines Galens und Avicennas, welche die Ärzte nach wie vor verschrieben.

     

    Spagyrik:
    Alchemistische Heilmittel fürs 21. Jahrhundert

    Seit Paracelsus wird der Forschungszweig der medizinischen Alchemie als Spagyrik bezeichnet. Spagryik – aus dem Griechischen spao/span „trennen“ und ageirein „sammeln, vereinigen“ – ist eine grundsätzliche Arbeitsweise. Sie beschreibt den Vorgang der Auftrennung (Analyse) eines Stoffes in seine Grundbestandteile, deren Reinigung und anschliessende Neuverbindung zu einem Stoff höherer Ordnung (S. 56 Lexikon).

    Spagyrische Arzneien bleiben auch im 21. Jahrhundert aktuell und werden gerne gekauft, denn: sie wirken. Trotzdem wird ihre Wirksamkeit mit dem Hinweis auf fehlende naturwissenschaftliche Nachweise immer wieder mal bestritten. Tatsächlich ist die ganzheitliche und kontext-abhängige Sicht der Spagyrik für die moderne Arzneimittelkunde eine Herausforderung. Warum? Weil die Pharmakologie danach trachtet, die Wirkung einzelner Substanzen kontext-unabhängig d.h. isoliert im Labor nachzuweisen.

    Genau das aber widerspricht dem Kern der modernen alchemistischen Medizin: Sie setzt Heilmittel stets in Bezug zum lebendigen Indivduum und berücksichtigt die Wechselwirkung(en) der Wirkstoffe. Solange die isolierte Betrachtung im Labor als wissenschaftliche Maxime Gültigkeit hat, solange bleibt der geforderte „wissenschaftliche“ Nachweis schwierig und zwar ganz einfach deshalb, weil die Versuchsanlage von Anfang an nicht zielführend ist – es nicht sein kann.

    Einzigartige Kristallisationsmuster, die einen faszinierenden Einblick in die Lebenskräfte der Quintessenzen bieten. Bildquelle: Aurora Pharma 

    Der hohe Grad an Spezialisierung in den Naturwissenschaften wird von Systemtheoretikern schon länger kritisiert, weil dabei der Blick fürs grosse Ganze verloren gehe. Daraus erklärt sich vielleicht auch das Revival alter „ganzheitlicher“ Wissenschaften wie der Alchemie, die als alternative Modelle zu neuen wissenschaftlichen Ansätzen inspirieren?

    Schweizer Alchemist mit eigenem Verfahren

    Ein eigenwilliger Denker und Forscher war der Schweizer Alchemist Josef Lüthi (1935-2004) der ein eigenes spagyrisches Verfahren entwickelte bzw. patentieren liess (spag. Lüthi) und die Aurora Pharma gründete.

    Lüthi hatte offenbar einen besonderen Zugang zu der allegorischen Sprache der Alchemie und entwickelte daraus eigene Bilder und Visionen, die dann vor allem in der Herstellung der Edelstein-Essenzen mündete. Pflanzen und Metalle hatte davor z.B. auch schon Paracelsus verarbeitet, von den Edelsteinen ist in der Literatur und Historie kaum etwas bekannt und Josef Lüthi hat hier ganz klar Pionierarbeit geleistet.

    Lüthi setzte sich zeitlebens intensiv damit auseinander, wie der Herstellungsvorgang so optimiert werden kann, dass am Ende eine Tinktur entsteht, welche die höchsten Heilkräfte einer Ausgangssubstanz beinhaltet. In seinen Forschungen stützte sich der in Wohlen geborene Alchemist auf die Lehren seines Mentors Dr. Albert Richard Riedel, besser bekannt als Frater Albertus, und vertiefte sich in die Werke von Paracelsus, Dr. med. Zimpel, oder Jakob Böhme.

    200 Schritte bis zur Krönung

    Das ultimative Ziel des zeitaufwendigen, spagyrischen Herstellungsprozesses ist die sogenannte „chymische Hochzeit“. Lüthi drang bei seinen Forschungen bis zum Kern des spagyrischen Wissens vor und fand nach über 30 Jahren Forschung einen Weg, eine echte, chymische Hochzeit herzustellen. Gemäss Angaben der Aurora Pharma ist er der Einzige, dem dies bisher gelang.

    Bei der chymischen Hochzeit werden die vorher getrennten Bestandteile des Rohstoffs d.h. die „Seele“ (ätherische Öle), der „Geist“ (vergärte Rückstände der Wasserdampfdestillation) und der „Körper“ (veraschte Pflanzenbestandteile) zu einer völlig neuen Substanz zusammengefügt. Nach dem Verfahren von Lüthi gehen diesem besonderen Ereignis rund 200 Schritte voraus; der genaue Herstellungsprozess ist hier beschrieben.

    Deshalb war es ein durchaus feierlicher Moment, als wir dieser besonderen „Hochzeit“ beiwohnen bzw. sie vollziehen durften ; )

     

    Die Quintessenz?

    THE FIFTH ELEMENT Jetzt ist klar, warum der Streifen so hiess, oder?! Bildquelle

    Quintessenz im Sinne von „auf den Punkt gebrachte Erkenntnis“ – dieses Wort verwenden wir immer wieder mal, doch die wenigsten dürften wissen, dass es alchemistische Wurzeln hat.

    In der Alchemie bezeichnet die Quintessenz das Ergebnis der chymischen Hochzeit. Inhaltlich geht sie auf die Vier-Elemente-Lehre des Aristoteles (384 bis 322 v. Chr.) zurück. Neben Erde, Wasser, Luft und Feuer ist sie das fünfte Element – hello Milla Jovovich! – welches himmlischer Natur ist.

    Als Ergebnis des Herstellungsprozesses ist die Quintessenz (lat. quinta essentia „fünfte Wesenheit“) weitaus mehr als die Summe ihrer TeileSie ist das himmlische Element, eine veredelte Version des ursprünglichen Rohstoffs, der nun seine höchsten Heilkräfte entfaltet.

    Die Quintessenz ist der innerste Wesenskern aller Stoffe, dem eine konservierende und/oder heilende Kraft eigen ist.

     

    Keine 08/15-Herstellung

    Neben Aurora Pharma produzieren auch Hersteller wie Ceres, Dr. Hauschka, Heidak, Weleda, Spagyros oder Wala ihre Heilmittel nach aufwendigen Verfahren, in die viel Zeit und Handarbeit gesteckt werden.

    Oft gibt dabei die Natur den Takt an. Stimmt der Zeitpunkt, werden die Blüten oder Wildkräuter von den Mitarbeitenden auch mal morgens um 04.00 Uhr geerntet oder spätabends im Kerzenschein behutsam und in absoluter Stille von Hand geschnitten.

    Für Zyniker und kritische Geister hört sich das alles vielleicht nach Schaumschlägerei an. Andere werden in solchen Verfahren durchaus einen Mehrwert erkennen. Wenn alle Materie Schwingung ist, hat auch alles einen Rhythmus, alles seine Zeit. Oder mit Hesse gesprochen: seinen Eigen-Sinn.

    „Einzig der Eigensinn ist es, der nach von Menschen gegebenen Gesetzen nicht fragt. Wer eigensinnig ist, gehorcht einem anderen Gesetz, einem einzigen, unbedingt heiligen, dem Gesetz in sich selbst, dem ,Sinn‘ des ,Eigenen‘.“

    Hermann Hesse (1877-1962)

    Der grundlegendste menschliche Rhythmus ist die Atmung, welche sich auf einer Makro-Ebene als Ebbe und Flut widerholt und seinen Widerhall sogar im im Universum findet. Sogar die Ikone Frankreichs, der Eiffelturm, dehnt sich in den Gezeiten der Jahreswechsel aus und zieht sich wieder zusammen: Rund 10-15cm länger wird er bei sommerlichen Temperaturen im Vergleich zu frostigem Wetter!

     

    Arzneimittel mit „Seele“

    Sofortige Bedürfnisbefriedigung und möglichst umfassende Kontrolle – diese gesellschaftlichen Ansprüche sind Realität. Medikamente sollen jederzeit verfügbar sein, die Wirkung umgehend eintreten. Denn: Wir müssen ja schnell weitermachen, haben viel zu tun in unserem rasend beschäftigten Leben.

    Wie bequem also, dass konventionelle Pillen von der Pharma-Industrie im Handumdrehen standardisiert und in grossen Mengen hergestellt werden können, sobald die chemische Rezeptur einmal steht. Die dafür benötigten Rohstoffe werden künstlich hergestellt und lassen sich jederzeit in der gewünschten Menge und in wissenschaftlich „gleichbleibender“ Qualität (re-)produzieren.

    Im Gegensatz dazu ist die Spagyrik – was Menge und Qualität der benötigten Rohstoffe betrifft – von den Launen der Natur abhängig. Anstelle dem technologisch getriebenen Machbarkeitswahn zu verfallen, werden hier die Grenzen der Natur implizit anerkannt:

    • Der Umgang mit den natürlichen Ressourcen ist wertschätzend.
    • Das mehrstufige spagyrische Veredelungsverfahren zielt darauf ab, die „Lebenskraft“ der Rohstoffe zu erhalten bzw. deren Wirkung bestmöglich zu steigern.
    • Zusätzlich zur Symptombekämpfung d.h. raschen Schmerzlinderung steht bei spagyrischen Präparaten immer auch die Aktivierung der Selbstheilungskräfte im Fokus.
    • Die Behandlung sieht den Menschen als Individuum.
    • Die Wirkung des Arzneimittels ergibt sich u.a. aus dem Wechselspiel zwischen Wirkstoffen und dem lebendigen Organismus des erkrankten Menschen (was sich eben im Labor nicht bzw. kaum reproduzieren lässt).

    Die moderne Wissenschaft ist aufgrund der ihr zugrunde liegenden Wertvorstellungen und der von ihr bevorzugten Versuchsanordnungen ist solchen Argumenten nur sehr verhalten zugänglich. Aber vielleicht bringen sie in Dir etwas zum Klingen?

    „Man sieht nur mit dem Herzen gut.“
    aus: „Der kleine Prinz“,
    Antoine de St. Exupéry (1900-1944)

    Wer das nächste Mal in der Drogerie oder Apotheke steht, wird sich hoffentlich in Erinnerung rufen können, warum solche pflanzliche Präparate ihren Preis haben und worin der qualitative Unterschied besteht.

     

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    Falls Du bis hierher durchgehalten hast:

    Dieses Post ist (wie alle anderen auf diesem Blog verfügbaren Beiträge) aus Interesse am Thema entstanden also kein Advertorial und auch kein Versuch, Dich von irgendwas zu überzeugen : ) Da unser Permakultur-Projekt Which?Garden einen Heilkräutergarten umfasst, haben wir uns gerne bei einigen spannenden Unternehmen umgesehen. So kam es, dass wir im Rahmen eines Besuchs der Aurora Pharma auf dieser ganz besonderen „Hochzeit“ tanzen und mehr über die medizinische Alchemie erfahren durften. Das in Affoltern am Albis ansässige Unternehmen stellt seine spagyrischen Urtinkturen aus Pflanzen, Mineralien und Metallen nach alchemistischen Prinzipien her. Wir bedanken uns herzlich bei Herrn Dr. Renato Kaiser und seinem Team, insbesondere Herrn Benjamin Maeles und Herrn Samuel Zumbühl, für den freundlichen Empfang und die spannende Führung.

     

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    Quellen/weiterführende Links & Literatur:

    Blog-Post „Grüne Antibiotika“

    Geschichte der Alchemie, Hans-Werner Schütt, ISBN 9783406466380

    Lexikon der Alchemie, Claus Priesner und Karin Figala (Hrsg.)

    https://anthroblog.anthroweb.info/2012/alchemie-paracelsus-und-die-deutsche-naturphilosophie/

    https://de.wikipedia.org/wiki/Spagyrik

    https://de.wikipedia.org/wiki/Geschichte_der_Chemie

    Essay von Hermann Hesse über „Eigensinn“ als Hörbuch auf Youtube

     

  • Save the Date: GfK-Seminar 2019

    2018 war die GfK-Illustration noch blau, diesmal bereits schön bunt. Danke, Mathilda!

    Die gewaltfreie Kommunikation (GfK) nach Marshall B. Rosenberg begleitet uns im Schloss seit einigen Jahren. GfK ebnet den Weg zu einem friedlichen Miteinander, indem wir erlernte Verhaltensweisen erkennen und bewusst verändern lernen.

    Das nächste Seminar für Gewaltfreie Kommunikation mit Nicole Ganser von Streitfrei findet über Pfingsten 2019 statt (Anreise am Freitag, 7. Juni, Abreise am Montag, 10. Juni).

    Mit von der Partie: Die Tanz- und Bewegungstherapeutin Michèle Pête. Sie arbeitet intensiv mit GfK, übernimmt die Seminar-Assistenz und bringt Impulse aus ihrem eigenen Fachgebiet mit ein.

    Verlieren kannst Du nichts, dafür umso mehr gewinnen. Also pack‘ den Wolf ein und lass’Dein Giraffenherz sprechen! Die Giraffe ist das Landtier mit dem grössten Herzen und symbolisiert in der GfK eine offene, wertschätzende Haltung.

     

    ANMELDUNG

    Unverbindliche Anmeldungen werden ab sofort entgegen genommen, der Flyer mit detaillierten Infos folgt in baldigster Bälde : ) Wir freuen uns auf Dein Interesse!

    Monika
    contact@fougerette.org

    Michèle Pête, Tanz- und Bewegungstherapeutin IAC, Seminar-Assistenz

     

  • SPREAD THE HAPPINESS

    Die Weihnachtszeit soll Wärme und Freude verbreiten? Dazu kannst Du etwas beitragen! Zum Beispiel mit dem belückenden Adventskalender der Action for Happiness-Bewegung. Oder mit einem Random Act of Kindness d.h. einer guten Tat, die irgendeiner unbekannten Person in den Schoss fallen wird, ohne dass Du eine Gegenleistung erwartest.

    Bildquelle: Action for Happiness, Happiness Facts, http://www.actionforhappiness.org/

    Das treffende Motto solch‘ zufälliger guter Taten lautet:

    Make someone’s day today!

    Glück ist kein Zufall

    Entscheidend ist dabei das Wort „make„. Glück hat seinen Ursprung in unseren Taten, sagt der Dalai Lama.

    Tatsächlich hängt unser persönliches Glücksempfinden zu 40% von unseren Handlungen, Beziehungen und bewussten Entscheidungen ab. Die Gene bzw. unsere Erziehung sind für 50% der Unterschiede im Glücksgefühl verantwortlich. Am wenigstens Einfluss haben – für viele vielleicht überraschend – unsere Lebensumstände d.h. Faktoren wie Einkommen, Besitztümer oder Wohnsituation.

    Vielleicht spornt Dich ja diese Erkenntnis dazu an, dieses Jahr weniger konsumorientiert zu schenken und anstatt gross einzukaufen lieber in Beziehungen und gute Taten zu investieren?

    Du hast es jedenfalls zum Grossteil selbst in der Hand, wenn Du bereit bist, etwas dafür zu tun! Diese Erkenntnis ist keineswegs neu, wie das Sprichwort „Sei Deines eigenen Glückes Schmied“ belegt. Und ganz ehrlich: Verbringst Du Deine Zeit lieber mit miesepetrigen Stinkstiefeln oder mit Menschen, die eine positive Ausstrahlung haben.`Eben!

     

    Beispiele gefällig?

    Inspirierende Beispiele für gute Taten gibt’s zuhauf:

    • Lächle jemandem aufmunternd zu, der gerade etwas mürrisch an Dir vorbeischlurft.
    • Füttere die abgelaufene Parkuhr Deines Parknachbars mit einem Fränkler, einfach so.
    • Biete Deinen Sitzplatz dem alten Herrn an, der gerade ins Tram gestiegen ist.
    • Lass‘ jemandem den Vortritt, auch wenn Du vielleicht zuerst da warst.

    Viele weitere Ideen hat die Random Acts of Kindness Foundation hier zusammengetragen, oder schau Dir diese 101 Ideen an. Und wer mehr übers Glück erfahren will, dem sei der Dokumentarfilm Happy ans Herz gelegt.

     

    Adventskalender 2018

    Zum Abschluss hier noch der offiziell von Fou de Fougerette empfohlene Adventskalender zum Download:

    Glücksfall: Der etwas andere Adventskalender.

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

    #foudefougerette
    #transitioncastle

  • Rosa Brillen bringen’s doch

     

    Wer durch die sprichwörtliche rosa Brille blickt, sieht „rosige Zeiten“ auf sich zukommen und schafft eine positive Erwartungshaltung in Bezug auf die eigene Zukunft. Eine clevere Strategie, um sich selbst bei Laune zu halten! Unverbesserliche Optimisten müssen sich jedoch oft vorwerfen lassen, ihre Vorstellungen seien unrealistisch und damit letztlich kontraproduktiv. Nur… stimmt das wirklich?

     

    Optimisten sind glücklicher

    Die Neurowissenschaftlerin Tali Sharot vertritt in ihrem Buch Das optimistische Gehirn die These, dass der sogenannte optimism bias d.h. der unrealistische Optimismus entscheidend zu unserem Glücklichsein beiträgt.

    Warum? Weil unser Geist alle Hebel in Bewegung setzt, um Prognosen möglichst Realität werden zu lassen. Optimistische Annahmen machen uns deshalb automatisch körperlich und geistig fitter und sorgen dafür, dass wir eine grössere Motivation entwickeln, zu handeln und produktiv zu sein. Das erklärt wohl auch das Phänomen der „selbsterfüllenden Prophezeiung“ oder auch, warum positives Visualisieren durchaus Wirkung entfalten kann – unser Hirn macht keinen Unterschied zwischen echten und vorgestellten Bildern!

    Die Tendenz, alles durch die rosa Brille zu sehen, begleitet Menschen ein Leben lang und ist unabhängig von Alter, Geschlecht, ethnischer Zugehörigkeit, sozialem und wirtschaftlichem Status.

    Rund 80% der Bevölkerung sind unrealistisch optimistisch veranlagt.

    Jetzt sei doch mal realistisch!

    Die grosse Mehrheit von uns neigt also quietschfidel dazu, die Wahrscheinlichkeit positiver Ereignisse in ihrem Leben zu überschätzen und ihr persönliches Risiko für negative Ereignisse für unterdurchschnittlich zu halten. Die Statistik widerlegt diese fromme Hoffnung, doch solange wir (noch) daran glauben, sind wir tatsächlich glücklicher.

    Offenbar sind nur leicht depressiv Menschen in der Lage, die Zukunft realistisch einzuschätzen und die Dinge so zu sehen, wie sie wirklich sind. Ihr „depressiver Realismus“ lässt die Betroffenen ziemlich exakte Zukunftsprognosen treffen. In einer Depression hingegen verlieren Menschen komplett den Zugang zu ihren positiven Gefühlen und Erwartungen und werden unfähig, sich eine Zukunft zu konstruieren, erklärt der US-amerikanische Existenzialpsychologe Rollo Mayes.

     

    Wer sich selber beruhigen kann, hat mehr Erfolg

    Früher oder später kriegen aber auch unverbesserliche Optimisten vom Leben eins auf den Deckel – und hier wird’s spannend. Denn während einige rasch wieder aufrappeln, stürzen andere in eine tiefe Krise, wenn etwas schief läuft…

    Das hängt damit zusammen, dass positives Denken wenig hilft, wenn nicht die eigentlichen Ursachen ungünstiger Überzeugungen beseitigt werden: Wer einen Misserfolg gut wegstecken und weiterhin optimistisch in die Zukunft schauen kann, ist in der Lage, die für das Problemlösen und Handeln wichtigen Emotionen wiederherzustellen (positiver Affekt). Ist diese Fähigkeit wenig ausgeprägt, fällt es dem Betreffenden schwer, sich selbst zu beruhigen. Er verharrt dann in der negativen Stimmung, versperrt sich dadurch den Zugang zu seinen Ressourcen, gerät in ein Leistungsdefizit und zieht daraus den Schluss: Ich kann das nicht.

    Pessimistische Überzeugungen sind somit meist die Folge (nicht die Ursache!) von Misserfolg. Herausgefunden hat dies Prof. Julius Kuhl, dessen Persönlichkeits-System-Interaktions (PSI)-Theorie deshalb so bahnbrechend ist, weil sie aufzeigt, wie wir über die Gefühlsregulation die Funktionsweise unseres Gehirns beeinflussen können. Denn sowohl die Aktivierung der vier psychischen Systeme als auch der Informationsaustausch zwischen ihnen ist von Stimmungen und Gefühlen d.h. von Affekten abhängig.

    „Eine wirksame Selbststeuerung ermöglicht uns Selbstbestimmung und Autonomie.“
    Prof. Julius Kuhl

    Im Idealfall lernen Menschen möglichst schon in ihrer Kindheit mit ihren Gefühlen umzugehen. Der Vorteil? Wenn es uns gelingt, unsere Gefühle zu steuern, wir unsere Wut oder Angst beruhigen oder unsere Mutlosigkeit überwinden oder den Verlust positiver Gefühle aushalten können, dann haben wir auch jederzeit Zugriff auf dasjenige psychische System, das wir gerade brauchen.

    (Mit Deinen Gefühlen und Bedürfnissen in Kontakt treten kannst Du 2019 auch auf Fougerette – der nächste GfK-Kurs wird demnächst augeschrieben!)

     

    Wissen schützt vor Optimismus nicht

    Bild: burst.shopify.com via Pexels

    Doch zurück zu den unverbesserlichen Optimisten. 1993 wurden in einem Versuch Jurastudentinnen und -studenten befragt, die demnächst heiraten wollten. Sie alle konnten die durchschnittliche Wahrscheinlichkeit einer Scheidung ziemlich genau einschätzen. Bezüglich der Erwartungen an ihre eigene Ehe waren sie hingegen sehr optimistisch – sowohl was die Wahrscheinlichkeit einer Trennung als auch die negativen Folgen einer Scheidung betraf.

    Daraufhin liessen die Psychologin Lynn Baker und ihr Kollege Robert Emery sie einen Kurs in Familien- und Scheidungsrecht absolvieren und befragten sie erneut. Das Ergebnis?

    Trotz erhöhtem Bewusstsein für die Folgen einer Trennung und obwohl sie nun über zuverlässige und detaillierte Informationen verfügten, hielten die Studierenden noch immer an ihrer idealistischen Annahme fest! Genau darum heiraten Menschen auch nach einer schmerzhaften Trennung erneut: Weil ihr unrealistischer Optimismus ihnen einflüstert, dass es diesmal besser, nun ja… eben anders sein wird.

     

    Der Gipfel? Drei Tage Vorfreude!

    Ein weiterer Grund, der für eine optimistische Lebenshaltung spricht: Manchmal ist es besser, etwas Gutes zu erwarten, als es tatsächlich zu erleben. Die meisten Menschen  ziehen es sogar vor, auf etwas Schönes zu warten! Die optimale Balance zwischen Vorfreude und Impulsivität bietet offenbar eine 3-tägige Wartefrist : )

    Wobei: (Ab-)warten ist nicht immer die richtige Antwort, denn wenn wir etwas Unangenehmes erwarten, dann wirkt sich auch auf unser Befinden aus…

    Der Killer? 10 Jahre Furcht…

    Elektroschock – jetzt gleich oder in 10 Jahren? Bild: Screenshot/pavlok.com (2014)

    Wie viel wärst Du zu zahlen bereit, um einen 120-Volt-Elektroschock abzuwenden?

    • Jetzt sofort
    • In 3 Stunden
    • In 24 Stunden
    • In 3 Tagen
    • In 1 Jahr
    • In 10 Jahren

    Lieber früher als später

    Das faszinierende Ergebnis der obigen Umfrage: Die Studierenden waren bereit, fast doppelt so viel dafür zu bezahlen, um den Elektroschock in zehn Jahren zu vermeiden! Gemäss klassischen Wirtschaftstheorien ist dieses Verhalten absolut irrational, weil der Schmerz durch einen 120-Volt-Elektroschock heute wie auch in zehn Jahren auf einer Skala von 1-100 gleichbleibend bei ungefahr 40 liegt.

    Was dabei ausser acht gelassen wird, ist die emotionale und seelische Belastung, die durch zehn Jahre der Erwartung des Elektroschocks entsteht. Damit wird auch nachvollziehbar, warum die Studierenden instinktiv bereit waren, für die Vermeidung dieser Belastung mehr zu bezahlen als für nur drei Stunden „bibbern“: Ihr Verhalten ist durchaus rational.

    Es spricht also einiges dafür, sich bei unangenehmen Ereignissen dafür zu entscheiden, sie möglichst schnell hinter sich zu bringen. Nur so lässt sich die Furcht vermeiden, die uns bei der Aussicht auf Schmerzen garantiert packen wird… ; )

     

    Hier erfährst Du direkt von Tali Sharot mehr über den „optimism bias“ (English only):

     

    Quellenangaben & weiterführende Links:

  • La treuffe, c’est top!

    Noch kein Jahr ist es her, dass unser Permakulturprojekt Which?Garden gestartet ist. Und schon dürfen wir reiche Ernte vermelden: Ein einziges Beet hat über 70kg Kartoffeln produziert! Das alles mit minimalem Aufwand, denn wir haben die Kartoffeln lediglich auf dem Boden ausgestreut und mit einer dichten Schicht Heu bedeckt. Somit musste auch bei der Ernte nicht lange gegraben und gestochert werden.

    Kartoffeln – im regionalen Dialekt „les treuffes“ – waren einstmals das Rückgrat der traditionellen Küche im Morvan, welche sich durch einfache, aber schmackhafte Gerichte auszeichnet. Seit 1993 wird der Kartoffel mit der Fête de la Treuffe sogar ein eigenes Fest gerichtet, welches jeweils Ende August in Poil stattfindet.

    Wegen der eher mageren Böden waren es vor allem Hofprodukte die in der „cuisine morvandielle“ zum Einsatz kamen: Geflügel, Eier, hausgemachtes Brot, Milch, treuffes (Kartoffeln), Schwein daneben auch Gemüse vom Hofgarten sowie Früchte, Beeren, Nüsse und Esskastanien.

     

    (Mit-)Macher willkommen

    Du hast auch Lust, beim Ernten/Gärtnern mitzutun? Vom 24.-29. Oktober 2018 findet der letzte Garteneinsatz dieses Jahres statt. Wir freuen uns über interessierte Hände, die mit anpacken, denn es gilt die Saison 2019 vorzubereiten!

    Anmelden kannst Du Dich gleich hier rechts in der Agenda oder Du schreibst uns auf contact@fougerette.org. Eher zurückhaltend oder detektivisch Veranlagte können Which?Gardens Spur vorerst auch einfach mal auf Facebook (ver-)folgen…

     

    How about some Which?Garden potatoes? Our shop is open Wed-Sun from 10-12h, feel free to stop by!

    Rezept für eine Original Morvan-„Rösti“

    Ein „crâpiau“ ist sowas wie eine Rösti d.h. ein dicker, salziger Pfannkuchen aus Kartoffeln und oft auch Speck, der als Hauptgericht oder Beilage zu Fisch oder Geflügel serviert wird.

    Zutaten

    – 1kg de treuffes (Kartoffeln)
    – 50g Mehl
    – 3 ganze Eier
    – 100g geriebener Gruyère-Käse
    – 20cl Crème fraîche (dickflüssig)
    – eine halbe Zitrone
    – Salz
    – Pfeffer
    – Geriebener Muskat
    – Butter

    Vorbereitung

    • Kartoffeln schälen und auf ein Haushaltspapier reiben (nicht waschen!)
    • In einer Schüssel Mehl, Eier, Käse, Crème fraîche und Zitronensaft vermengen, dann nach Belieben salzen und würzen.
    • Sobald eine glatte, homogene Masse entstanden ist, die Kartoffeln beigeben und etwas ruhen lassen; falls nötig ein Zuviel an Flüssigkeit abgiessen.

    Zubereitung

    • Butter in einer Bratpfanne schmelzen und genügend Masse für einen ca. 1cm dicken „crâpaud“ in die Pfanne geben.
    • Auf beiden Seiten goldbraun braten, je nach Durchmesser der Pfanne können 2-3 crâpiaux gleichzeitig gebraten werden.
    • Die fertigen crâpiaux für 15-20 Min. im auf 200° vorgeheizten Ofen fertig backen.
    • Sehr heiss servieren, zu Fleisch oder Fisch.

    Bon appétit!

    Quelle

     

  • Die Macht der Gewohnheit

    Wendy Wood, Professor for Psychology and Business, Image credit: https://dornsife.usc.edu/wendywood

    Endlich mehr Sport treiben? Weniger Süsses essen? Ordentlicher werden? Den meisten Menschen fehlt ein intuitives Verständnis dafür, wie sie schlechte Gewohnheiten bzw. ihr Verhalten verändern können. Dabei ist es genau diese Fähigkeit, die willensstarke Menschen, vom Rest der Menschheit unterscheidet.

    Die amerikanische Psychologie-Professorin Wendy Wood erforscht unter anderem, warum es einigenMenschen besser gelingt als anderen, ihr Verhalten zu verändern.

    Woods Fazit:

     

    „Willensstarke Menschen sind gut darin, sich eine hilfreiche Umgebung auszusuchen.“

    Hilfreich ist eine Umgebung dann, wenn sie die Person dabei unterstützt, das angestrebte (Verhaltens-)Ziel zu erreichen. Ein konkretes Beispiel gefällig? Wenn willensstarke Menschen eine knifflige Aufgabe lösen sollen, entscheiden sie sich für den Arbeitstisch. Der Rest der Menschheit versucht es lieber auf dem Sofa lümmelnd und hofft, dass es auch so irgendwie klappen wird…

     

    Motivation nicht entscheidend

    Wood untersuchte 2011 die Laufgewohnheiten von Menschen. Das erstaunliche Ergebnis der Studie: Diejenigen, die regelmäßig joggten, waren genau gleich stark motiviert wie jene, die sich kaum dazu durchringen konnten!

    Ein Fehlergebnis? Nein, denn es gab einen Unterschied (bloss war der entscheidende Faktor nicht wie vermutet die Motivation):  Diejenigen, die tatsächlich joggen gingen, reagierten viel stärker, wenn man sie an ihre Laufroutine erinnerte, weil sie geeignete „Auslöser“ in ihre Umgebung integriert hatten – die Joggingschuhe standen z.B. direkt neben der Tür.

     

    Der Trick? Gute Organisation!

    In einem anderen Experiment bot Wood Versuchspersonen jeweils zwei Bücher an, mit deren Hilfe diese ihr Verhalten ändern sollten.

    Das erste Buch handelte davon, wie man seine Umgebung besser gestaltet. Das zweite handelte davon, wie man sich Ziele setzt und erreicht. Und siehe da: Die meisten suchten sich das zweite Buch aus. Dabei ist es die Fähigkeit, sich eine hilfreiche Umgebung zu schaffen, die über Erfolg oder Misserfolg entscheidet.

    Der Mythos des „Man muss es nur wollen“ hält sich hartnäckig. Zudem überschätzen viele ihre Willenskraft (und unterschätzen gleichzeitig die Macht der Gewohnheit…). Wood widerspricht entschieden:

    „Menschen, die ihre Ziele erreichen, sind nicht willensstärker, sondern besser organisiert.

    Vielen Menschen ist überhaupt nicht bewusst, wie wenig ihr Verhalten durch ihren Willen gesteuert wird. Durchschnittlich 43% unseres Alltags besteht aus Gewohnheiten d.h. Handlungen, die wir ausführen, ohne darüber nachzudenken und ein bewusstes Ziel damit zu verfolgen.

    Ein Leben auf Autopilot also? Zumindest zur Hälfte. Und genau deshalb sollte man sich Gedanken darüber machen, nach welchen Vorgaben dieser programmiert ist bzw. auf welche Umgebungsreize er anspringt.

     

    Neue Umgebung = neue Gewohnheiten

    Wer sein Verhalten ändern oder eine schlechte Gewohnheit dauerhaft loswerden will, sollte geeignete Erinnerungshilfen in seinen Tagesablauf integrieren, die dazu beitragen, die guten Vorsätze auch in die Tat umzusetzen. Genau nach diesem Prinzip arbeitet ZRM®; während unserem ZRM®-Seminar vom 21.-23. Juli 2018 erarbeitest Du Deine ganz persönlichen „Auslöser“ in einer anregend grünen Umgebung.

    Die Reise ins Burgund lohnt sich, weil eine neue Umgebung uns offenbar besonders empfänglich macht für neue Verdrahtungen in unserem Hirn. Aber vielleicht strebst Du ja gleich lieber einen Wohnungswechsel an? Am einfachsten fallen uns Verhaltensänderungen gemäss Wood nämlich nach einem Umzug…

     

    Quelle: Interview mit Wendy Wood in „Brand Eins“ 

  • Schloss-Treff vom 28.1.2018

    Der wild entSCHLOSSene Gipfeltreff fand diesmal am Sonntag, 28. Januar 2018 statt.

    Wann: 14:30-18:30 Uhr
    WoHive in Zürich

    Auch an der diesjährigen Januarloch-Stopfete gibt’s gute Gesellschaft und es darf in schönen Erinnerungen geschwelgt werden : ) Darüber hinaus bieten wir diesmal auch Infos aus erster Hand zu unseren Projekten und Angeboten – von Permakultur über Slow Food bis hin zu Naturkosmetik mit Mon Salon Vert und den zwei Seminaren GfK und ZRM.

    Selbstredend darfst Du selbst ebenfalls aktiv mitmachen, denn wir haben vor, Dich zur Frage: „Was erwartest Du von einem #TransitionCastle?“ auszuquetschen ; -)

    Alle Vereinsmitglieder, Ehemaligen und wild EntSCHLOSSenen sind herzlich eingeladen zu einem anregenden Sonntagsplausch mit einem Buffet voller intellektueller und kulinarischer Häppchen.

    Danke für Deine >> Anmeldung HIER <<
    Wir freuen uns auf Dich(Euch)!!!

  • Cry Baby Cry

    Das Wetter ist heute echt zum Heulen… Beim Blick aus dem Bürofenster fällt mir dieser populärwissenschaftlichen Pseudo-Test ein, bei dem man sich als H2O-Molekül für eine „Form“ von Wasser entscheiden soll…

    Sehr viele Befragte wählen das Meer, manche wollen lieber ein munter plätschernden Bach oder eben eine Regenwolke sein. Was mein Cousin vor 20 Jahren auf diese Frage antworte, weiss ich noch, wie wenn es gestern gewesen wäre: „Eine Träne“. Zuerst war ich ziemlich irritiert. Mit der Begründung „… weil sie Ausdruck eines Gefühls ist“ hat er mich dann abe schwer beeindruckt.

     

    Warum weinen wir?

    Jawohl: In diesem Beitrag geht es ums Weinen. Und eigentlich liegt es auf der Hand, dass Gefühle und Tränen eng zusammenhängen. Evolutionsbiologisch ist Weinen sozusagen der Preis, den der Mensch für seine Sensbilibität, sein Bewusstsein und seine Intelligenz zahlt.

    Das Weinen scheint sich unter dem Strich als Anpassungsmechanismus entwickelt zu haben, der es ermöglicht, die negativen Nebeneffekte körperlicher Stressreaktionen aufzufangen.

     

    „Unsere ungehemmte, primitive Reaktion auf starke Gefühle besteht darin, körperlich aktiv zu werden. Das Wort „Emotion“ stammt von „movere“ (Lat. für bewegen)“

     

    Physiologie des Weinens

    Weinen ist ein natürlicher Prozess, der den Körper wieder ins Gleichgewicht bringt. Weinen ist kein überflüssiges Nebenprodukt im Rahmen emotionaler Belastung, sondern ein wichtiger Teil des Stress-Entspannungs-Kreislaufs. Gemäss Dr. Frey ist Weinen vergleichbar mit anderen körperlichen Prozessen, die dazu dienen, Abfallprodukte aus dem Körper auszuscheiden (ausatmen, schwitzen, urinieren etc.) – ein etwas ungewohnter, aber durchaus interessanter Gedanke.

     

    Träne ist nicht gleich Träne

    Der Biochemiker Dr. William Frey vom Ramsey Medical Center in Minneapolis (USA) hat die chemische Zusammensetzung menschlicher Tränen untersucht. Er bezahlte Freiwillige dafür, einen traurigen Film anzuschauen und ihre Tränen (sofern die Probanden weinen mussten) in einem Teströhrchen aufzufangen.

    Diese Art von Tränen nannte er „gefühlsinduziert“ d.h. von Gefühlen ausgelöst. Zum Vergleich sammelte er anschliessend auch „reizstoffinduzierte“ Tränen, die z.B. beim Zwiebelhacken ausgelöst wurden. Und siehe da: Seine Labor-Analysen ergaben, dass sich die beiden Arten von Tränen chemisch unterscheiden!

    Gefühlstränen sind „gehaltvoller“

    Sowohl Gefühlstränen als auch Reiztränen bestehen zu 98% aus Wasser. Durch Gefühle ausgelöste Tränen enthalten im Gegensatz zu Reiztränen höhere Konzentrationen von Stresshormonen wie Adrenocorticotropin, Prolaktin oder Leu-Enkephalin (wirkt schmerzhemmend) sowie mehr Mangan. Das Spurenelement Mangan spielt bei der Regulierung unserer Gemütsverfassung eine Rolle, allerdings nur in kleinster Menge! Chronisch depressive Menschen weisen oft zu hohe Mangan-Werte aus.

    Wenn wir uns so richtig ausweinen, schüttet der Körper jede Menge Stresshormone, Proteine und Mangan aus – und deswegen fühlen wir uns danach tatsächlich besser. Falsche Krokodilstränen bringen diesbezüglich hingegen rein gar nichts, denn erstens ist ihre biochemische Zusammensetzung anders und zweitens haben sie deutlich weniger „Wirkung“, weil andere Menschen den Unterscheid meist schnell erkennen (Quelle).

    Wenn Kinder weinen

    Gerade Kinder nutzen gemäss der Entwicklungspsychologin Aletha J. Solter das Weinen als Entspannungs-Mechanismus, mit dem sie sich selbst von Angst einflössenden oder frustrierenden Erfahrungen heilen, die sie kurz zuvor gemacht haben.

    Solters vertritt die Auffassung, dass weinende oder schreiende Kinder niemals ignoriert werden, sondern mit liebevoller Zuwendung angenommen werden sollten, weist aber auch ausdrücklich darauf hin, dass beileibe nicht jeder Tränenausbruch ein Zeichen für ein unbefriedigtes Bedürfnis sein müsse.

     

    Wer weint, ist glücklicher!

    Bild: Flickr/Robert Donovan

    Es hat also ausgesprochen wohltuende bis heilsame Wirkung, wenn wir uns ein paar Tränen zugestehen! Beim Weinen bauen wir Spannung ab, Blutdruck und Pulsfrequenz sinken. Weinen stärkt zudem die physische und psychische Gesundheit und verbessert offenbar auch unsere Konzentrations- und Lernfähigkeit.

    Als weiteres Plus könnte sich in nicht allzu ferner Roboter-Zukunft die Tatsache erweisen, dass Deine Tränen Dich als Menschen aus Fleisch und Blut ausweisen ; )

    88.8% der Befragten gaben in einer Studie der South Florida University an, sich nach dem Weinen besser zu fühlen. Menschen, die bald nach traumatischen Erfahrungen die Möglichkeit hatten, ihre Gefühle auszudrücken und über das Erlebte zu weinen, erholen sich besser, sind emotional gesünder und haben später weniger Probleme in ihren Beziehungen.

    Aktuelle Studien weisen allerdings darauf hin, dass es darauf ankommt a) aus welchem Grund wir weinen und b) ob wir alleine sind oder nicht. In Anwesenheit von zwei oder mehr Personen fühlten sich die meisten Mesnchen, die weinen mussten, eher schlechter.

     

    Bist Du ehrlich oder einfach nur schwach?

    Was die Akzeptanz von Tränen betrifft, so spielt – wenig überraschend – das Geschlecht eine Rolle.

    Neuerdings gilt es als Zeichen von Stärke, wenn Männer weinen. Frauen weinen ebenfalls, doch sie bezahlen einen Preis dafür: Eine entsprechende Studie der Penn State Universität kam zum Schluss, dass die Tränen von Männern von den Probanden als Zeichen von Ehrlichkeit gedeutet wurden, während Weinen bei Frauen als Zeichen von Schwäche beurteilt wurde. Bei beiden Geschlechtern waren leicht tränenfeuchte Augen akzeptabler als offenes Weinen.

     

    Also denne, lasst uns heulen : ) 

    Vor Wut, vor Glück, vor Trauer, vor Mitgefühl… Tränen bei sich und anderen zulassen, sich weinenden Menschen liebevoll zuwenden – dafür sollten die Krankenkassen eigentlich einen Gesundheitsbonus ausschütten!

     

    PS: Eigentlich sollten wohl abschliessend die Beatles mit „Cry Baby Cry“  zu Wort kommen, aber diese tolle Cover-Version von Massive Attacks Klassiker „Teardrop“ der norwegischen Sängerin Aurora passt ja auch : )

     

     


    Quellen zum obigen Beitrag: