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  • Zum Fest der Liebe

    Weihnachten, das Fest der Liebe, verbringen wir für gewöhnlich im Schosse der Familie und bei diesem Anlass soll alles so richtig fröhlich sein und es soll auch jeder ein rechtes Geschenk bekommen und zwar eines, das Freude macht, gopferteli nochmal.

    Wie Du mir, so ich Dir

    Allen guten Absichten zum Trotz endet die Jagd nach dem richtigen Präsent aber nur allzu oft mit einem Verlegenheitsgeschenk. Und das wiederum führt dann schnurstracks zu einem höchst unmotiverten und deswegen tendenziell destruktiven Päckli-Tüschlis. Denn der andere ist ja nun in der Pflicht, sich spätestens im nächsten Jahr mit einer entsprechend „begeisterten“ Gegenbeschenkung zu revanchieren. Während sich die Marketingfachleute die Hände reiben und Mutter Erde leer schluckt, kann der Konsumrausch familienintern durchaus zu einer ausgewachsenen Verwandschaftskrise mit stahlharten Fraktionen führen: Spätestens dann, wenn die selbstgemachten Pralinés zusammen mit einer hinterhältig hübsch verpackten Tube Hämorrhoiden-Crème überreicht werden (welche selbstverständlich sofort vor der versammelten Verwandtschaft ausgepackt werden muss!) oder Onkel Toni, der gerne auf jugendlich macht und seit Jahren Toupet trägt, einen mit maliziösem Lächeln überreichten Föhn geschenkt bekommt.

    Jaja, das mit dem Schenken ist ziemlich tricky… Schade, denn im Kern der Sache geht es doch um den Wunsch, dem Beschenkten ein glückliches Strahlen ins Gesicht zu zaubern, Freude zu bereiten und unsere Liebe zu zeigen.

    Die fünf Sprachen der Liebe

    The Five Love LanguagesMoment mal – unsere Liebe zeigen? Kann doch nicht so schwierig sein, oder?! Und wenn es der andere nicht kapiert, ist er/sie eben selber schuld. Der Paartherapeut Gary Chapman sieht das allerdings anders. Er geht davon aus, dass es fünf Sprachen der Liebe gibt – und dass jeder von uns eine bevorzugte „Muttersprache“ hat. Was das bedeutet? Wer Liebe in seiner persönlichen Muttersprache zeigt, kann nicht immer darauf zählen, dass es beim andern auch so ankommt! Deswegen lohnt es sich, seine diesbezüglichen Sprachkenntnisse zu erweitern. Folgende Varianten stehen gemäss Chapman zur Auswahl:

    1.  Lob und Anerkennung
    2. Zweisamkeit – Zeit nur für Dich
    3. Geschenke, die von Herzen kommen (Aha… schwöre sofort allen halbherzigen Beschenkungsversuchen und Pflichtgeschenken ab!)
    4. Hilfsbereitschaft
    5. Zärtlichkeit

    Vielleicht weisst Du ja ganz genau, was Dir das Gefühl von Liebe vermittelt. Vielleicht hast Du Dir aber auch noch gar nie Gedanken darüber gemacht, welches in der Liebe Deine Muttersprache ist. Darüber nachdenken oder beim anderen nachfragen, könnte der Weihnachtsbescherung allerdings eine ganz neue Dimension verleihen.

    Glück ist Beziehung

    Anstatt das x-te Badesalz zu überreichen, könnten wir uns stattdessen Zeit nehmen, uns auf einer tieferen menschlichen Ebenen miteinander verbinden und Beziehung leben (anstatt husch husch über Facebook zwei nichtssagende Zeilen zu versenden). Die internationale Glücksforschung hat nämlich schon längst bewiesen, dass soziale Bindung für unser Wohlbefinden elementar ist. Wer ein starkes Netzwerk hat, echte Beziehungen und Freundschaften pflegt, ist nicht nur glücklicher sondern auch sozialer! Und damit wären wir dann vielleicht auch dem Frieden einen Schritt näher.

    In diesem Sinne wünschen wir Dir von Herzen ein bezauberndes, liebevolles Weihnachtsfest und ein segensreiches 2016.

    Deine
    Nicola, Mathilda und Monika

    PS:

     

  • Jahresprogramm 2016

    P1140583Der Winter hält Einzug… Damit die vorfreudige Planung auf ein wunderbares 2016 dennoch ihren Lauf nehmen kann, präsentieren wir Dir hiermit das neue Jahresprogramm! Vorab die Eckdaten, detaillierte Infos findest Du im nachstehenden PDF:

    • Auftakt: Schloss-Treff im Hive in Zürich! Am Sonntag, 24. Januar 2016 ab 15.30 Uhr. Davor findet für Interessierte ein Round Table zum Thema „Schlossgarten – wie weiter?“ statt (14.00-15.30 Uhr). Bitte Teilnahme anmelden, der Link für die Anmeldung ist http://doodle.com/poll/q4i28vyi4vrbxbkv.
    • Frühling: Fougerette ist offen vom 25. April bis 8. Mai (entspricht den Schulferien Stadt ZH).
    • Pfingsten: Vom 13. bis 16. Mai findet ein Intensiv-Seminar für Gewaltfreie Kommunikation statt.
    • Sommer: Offen vom 19. Juli bis 19. August (entspricht den Schulferien Stadt ZH).
    • Ferienspass:  Nach der erfolgreichen Testphase bieten wir vom 23. bis 31. Juli 2016 erneut eine Ferienspass-Woche an.
    • Herbst: Offen vom 10. bis 20. Oktober 2016 (entspricht den Schulferien Stadt ZH).

    DOWNLOAD

    Das detaillierte Programm inklusive Administrativ-Kram, Kontakt für Fragen & Co. findest Du hier:
    >> Jahresprogramm_Fou de Fougerette_2016 (PDF, 5.6 MB)

  • Ein Dach für Tom

    Freunde aus Münchenbuchsee haben für Tom eine Website auf die Beine gestellt und unterstützen ihn tatkräftig dabei, den Traum vom eigenen Grund und Boden zu erfüllen. Du kannst Dich an dem Spendenprojekt „Ein Dach für Tom“ ebenfalls beteiligen und ihm auf diesem Weg für seine stets grossherzig angebotenen Crash-Kurse im Baumfällen, heiteres Hasen-Fangis oder ein liebevoll zubereitetes Kafi oder ein Glacé-Coupe zu danken! Ziel der Projektgruppe ist es, Tom für Erwerb, Notarkosten und erste Reparaturen mit CHF 10‘000 zu unterstützen. Bestimmt käme in Rekordzeit eine beachtliche Summe zusammen, wenn jeder Volontär pro Erinnerung an Tom einen Franken spenden würde : ) Wir drücken die Daumen! http://eindachfuertom.ch

  • Meet Michi Kistler

    Der Umweltberater Michi Kistler hat im Rahmen der Ferien(s)pass-Woche 2015 den Workshop Konsumfluch(t) angeboten. Die TeilnehmerInnen erforschten dabei gemeinsam, wie sie ihr Leben nachhaltiger gestalten können und Du darfst jetzt gleich auch von ein paar wertvollen Tipps vom Fachmann profitieren.

    Portrait Michi Kistler

    Michi, wie definierst Du für Dich persönlich Nachhaltigkeit?

    Ein langfristiges Gleichgewicht von Ökologie, Sozialwesen und Wirtschaftlichkeit. Für mich persönlich erweitere ich dies mit Transparenz, körperlicher, geistiger, psychischer und spiritueller Gesundheit und kulturellem gesellschaftlichem Nutzen. Das wäre dann ganzheitlich.

    Wie wird man überhaupt Nachhaltigkeitsberater? War das schon immer Dein Traumberuf?

    Ungerechtigkeit, Ausbeutung von Mensch, Tier und Natur machten mich schon als Teenager wütend und traurig. Weil mich der sorgfältige Umgang mit Pflanzen, Tieren und Menschen beschäftigte, war ich bereits auf diverse Umwelt- und Fairness-Themen sensibilisiert. Im Lehrgang Umweltberatung und -Kommunikation des WWF Bildungszentrums habe ich mir dann das nötige wissenschaftliche Rüstzeug für meinen jetzigen Beruf geholt.

    Für wen bzw. wann ist eine Nachhaltigkeitsberatung sinnvoll?

    Sinnvoll ist eine Beratung immer dann, wenn ein Umbau ansteht, Isolationsmassnahmen ergriffen oder ein Heizungsersatz beschafft werden soll, denn ein guter Nachhaltigkeitsberater kennt sich auch mit Fördergeldern und Steuereinsparungen aus. Eine Nachhaltigkeitsberatung ist auch dann sinnvoll, wenn jemand wissen möchte, wie das eigene Verhalten zu einer umweltfreundlichen und gerechteren Welt beitragen kann. Alle Menschen, die in einer Konsumgesellschaften leben, haben Sparpotential – auch bei mir selbst sehe ich da noch viele Möglichkeiten! Da jeder Mensch andere Prioriäten setzt, sind meine Umweltberatungen modular aufgebaut.

    Was kostet so eine Beratung? Und wie viel kann ein 4-Personen-Haushalt dadurch sparen?

    Eine ganz einfache Beratung gibt es ab CHF 450. Bei einer erfolgreichen Beratung wird dieser Betrag rasch wieder eingespart: Der durchschnittliche Stromverbrauch eines 5 Zimmer Einfamilienhaus in der Schweiz liegt bei ca. 7500 KwH = CHF 1600 pro Jahr. Mit einfachen Einsparungsmöglichkeiten liegt das Potential bei ca. 1/3 des normalen Verbrauchs. Das heisst: In diesem Zeitraum können auch rund CHF 400 eingespart werden. Dieser Betrag ist jedoch sehr variabel. Moderne Häuser benötigen ja nur noch den Bruchteil dieses Energieverbrauchs.

    Die wichtigsten unerkannten Energieräuber?

    Ganz klar die Elektro-Boiler! Es macht kein Sinn, Wärme mit Strom zu erzeugen. Wärme sollte unbedingt mit brennbaren Energiequellen wie Holz, Sonne, Wärmepumpe oder Gas erzeugt werden. Für Mieter stehen alte Glühbirnen auf Platz Nummer 1, gefolgt von den Bereichen Waschen/Trocknen, Kühlen/Gefrieren, Elektroheizgeräte sowie dem Stromverbrauch von Geräten im Standby-Modus.

    Du hast dem Verein „Fou de Fougerette“ als Volontäreinsatz eine Nachhaltigkeitsberatung offeriert.

    Ich kenne Nicola bereits aus der Jugendzeit und erzählte ihm irgendwann, dass ich Umweltberatungen für Hauseigentümer mache. Er war sofort interessiert, da er vermutete, dass Fougerette als grosses Anwesen auch entsprechend grosses Sparpotential bietet. Das ist ja auch tatsächlich so! Einerseits reduziert der sparsame Umgang mit Strom, Wasser und Heizwärme die Unterhaltskosten. Andererseits liegt dem Verein eine möglichst umwelt- und naturfreundliche, lebensbejahende Existenz am Herzen. Interessant war für mich vor allem die Frage nach dem Ersatz der alten Ölheizung. Der rund 20ha grosse Umschwung bietet verschiedene Möglichkeiten der Selbstversorgung mit nachwachsenden Rohostoffen wie etwa Holz oder China-Schilf.

    „Fou de Fougerette“ steht auch für eine Prise Wahnwitz und den Glauben an seine Träume. Was war das Verrückteste, das Du in Deinem Leben bisher gemacht hast?

    Nachts im Freibad nackt vom Fünfmeter Sprungturm ins Sternenmeer springen. Wer’s schon mal gemacht hat, weiss was ich meine (grinst).

    Du bist nicht nur Nachhaltigkeitsberater, sondern als Ambossma auch Minnesänger, Querdenker und Stadtführer…

    Stimmt. Leider kommen diese Bereiche derzeit etwas zu kurz. Diese Talente möchte ich unbedingt auch in meinen Alltag integrieren, aber das wird wohl noch etwas dauern…

    Abschliessend gefragt: Was bringt Dich garantiert zum Lachen?

    Schräge Musik oder Filme, zum Beispiel Beatallica oder Monty Phyton. Auch Anekdoten, welche das Leben schreibt und die einen trottelig dastehen lassen. Am besten lacht man noch immer über sich selbst!

    Mehr über Michi Kistler erfährst Du auf seiner Website http://www.kistlerholistic.ch. Unter anderem findest Du dort auch Infos zum 1996 initiierten Umweltprojekt Die Zellgartensiedlung, das wohl damals seiner Zeit voraus war, denn heute ist ja Urban Gardening & Co. in aller Munde. Unbedingt anschauen, wir haben selber gleich Lust verspürt, zur Reanimation des Zellgartens beizutragen!

  • Closer to Château des Ombres

    Fougerette starring als Château des Ombres! Keine Frage: Die norwegische Band Lemâitre ist eine Verfechterin exzentrischer Kulissen. Ihr neuer Song „Closer“ hat mehr als nur eine Prise französischen Chic, denn erstens wurde das Video im wunderschönen Burgund gedreht und zweitens haben musikalisch offenbar auch französische Künstlerinnen und Künstler mitgemischt, nämlich das DJ-Quartett C2C, das Elektro-Swing-Ensemble Caravan Palace sowie das Duo Justice. Zum Video geht’s hier, es wird Dir bestimmt einiges bekannt vorkommen darin ; -)

  • Wenn die Chemie stimmt

    Die meisten von uns schimpfen auf „Chemie“. Ein gutes Image hat der ehemalige Hoffnungsträger schon lange nicht mehr, obwohl noch Anfang der 1950er Jahre frischfröhlich eine radioaktive Zahnpasta verkauft wurde… Damals schien mithilfe chemisch hergestellter Wundermittel alles möglich, im Rückblick wirkt diese blinde Zuversicht sträflich naiv.

    Chemie ist omnipräsent

    Doch… was genau ist Chemie? Und gibt es vielleicht auch „gute“ Chemie? Wer mutig genug ist, sich kurz in die Schulzeit rückversetzen zu lassen, darf gerne weiter lesen:

    Als Wissenschaft, die sich mit dem Aufbau, den Eigenschaften und der Umwandlung von Stoffen beschäftigt, bildet/erklärt Chemie das Grundgerüst unseres Planeten und allen Lebens darauf. Dein Sonnenbrand beruht insofern genauso auf Chemie wie der aufgegangene Hefeteig für den Sonntagszopf, das selbst hergestellte Bio-Waschmittel oder die bewährten Haushaltsreiniger, die unsere Grossmütter noch kannten.

    „Chemie“ wird heutzutage allerdings oft synonym für die chemische Industrie verwendet. Diese ist nach zahlreichen Skandalen und Katastrophen (Schweizerhalle und Bhopal, um nur zwei prominente Beispiele zu nennen) zu Recht in Verruf geraten. Gemäss Wikipedia zählt die chemische Industrie allerdings zu den wichtigsten Industriezweigen. Sie stellt Stoffe her, deren Eigenschaften von modernen Menschen zur Herstellung von Alltagsgegenständen (z. B. Grundchemikalien, Kunststoffe, Lacke), Lebensmitteln (z.B. Düngemittel und Pestizide) oder zur Verbesserung der Gesundheit (z.B. Pharmazeutika) benötigt werden.

    Moment mal – benötigt? Stimmt das wirklich? Geht es nicht auch anders? Gibt es da nicht kleine, aber feine Unterschiede?

     

    Die 12 Grundsätze grüner Chemie

    Close-up of small plants in test tubesDer Amerikaner John D. Warner gilt als einer der Mitbegründer der sogenannten grünen Chemie. Er und sein Kollege Paul T. Anastas entwickelten 1998 folgende zwolf Grundsätze, die seither für diesen erblühenden Wissenschaftszweig richtungsweisend sind:

    1. Vermeiden: Abfälle vermeiden ist besser als diese zu entsorgen oder reinigen, nachdem sie entstanden sind. Ein selbsterklärender Grundsatz, oder? Tatsächlich lebt aber derzeit eine ganze Industrie davon, Abfälle zu entsorgen; oft muss Giftmüll zudem langfristig überwacht werden. Klingelt da was? Ah ja, die Kasse…
    2. Atom-Ökonomie (sic!): Bei der Herstellung sollte ein Maximum aller verwendeten Rohstoffe im Endprodukt enthalten sein. Bei einem Prozess mit 50% Atom-Ökonomie wird die Hälfte aller verwendeten Rohstoffe zu Abfall.
    3. Ungefährlichere Synthese: In den Prozessen sollten nur ungiftige bzw. leicht toxische Rohstoffe verwendet werden und das Endprodukt seinerseits sollte ebenfalls ungiftig bzw. nur leicht toxisch sein. Ein wichtiger Grundsatz, der die Forscher in der Praxis jedoch oft vor riesige Herausforderung stellt
    4. Sicherere Chemikalien: Chemikalische Substanzen sollen wirken, dabei aber möglichst ungiftig sein. Wird die Toxitizät reduziert, verringert sich auch die Gefährlichkeit für Mensch und Umwelt.
    5. Sicherere Lösungsmittel: Wo immer möglich sollten Zusatzstoffe wie Lösungs- oder Trennmittel vermieden werden. Sind solche Zusätze nötig, sollten ungiftige Substanzen zum Einsatz kommen.
    6. Energie-Effizienz: Bei jeder Produktentwicklung muss die Energie-Effizienz des Herstellungsprozesses unter die Lupe genommen werden. Wo immer möglich sollten Prozesse bei Raumtemperatur und normalem Luftdruck stattfinden. Dies senkt die Kosten und verringert die Auswirkungen auf die Umwelt.
    7. Nutzung erneuerbarer Ressourcen: Wo immer möglich sollten erneuerbare Ressourcen verwendet werden. Im besten Fall sind dies Abfallprodukte aus einer anderen Reaktion.
    8. Weniger Derivative: Derivative lösen als Hilfsstoffe einen zeitlich begrenzten Effekt im Prozess aus. Der Hilfsstoff kann z.B. einen bestimmten Teil der Substanz schützen, welcher später entnommen wird, oder die Eigenschaften der Substanz kurzfristig verändern, damit eine bestimmte Reaktion stattfinden kann. Der Einsatz von Derivativen sollte wo immer möglich vermieden werden, denn diese landen nie im Endprodukt (s. Grundatz 2) und erhöhen lediglich das Abfallvolumen (Grundsatz 1).
    9. Katalyse: Katalytische Reaktanten sollten stöchimetrischen Reakanten vorgezogen werden. Ein Katalyst ermöglicht es, dass eine Reaktion weniger Energie benötigt und erhöht zudem die Reaktionsgeschwindigkeit. Die Stöchiometrie hat offenbar einige Nachteile, welche und warum genau konnte ich aber nicht genau herausfinden ; )
    10. Alles hat ein Ende nur die Wurst hat zwei Wichtig, wichtig, wichtig: Die korrekte Entsorgung muss Teil des Entwicklungsprozesses sein, denn jedes Produkt hat einen Lebenszyklus und dieser endet irgendwann. Das hergestellte Produkt sollte nach der Nutzung in ungifitige Substanzen zerfallen, damit keine Rückstände in der Umwelt verbleiben und sich dort akkumulieren, wie das etwa mit den kleinen Plastik-Kügelchen geschieht, die in den allermeisten Kosmetika enthalten sind. Dafür setzt sich beispielsweise die Nonprofit-Organisation The Story of Stuff sehr engagiert ein, zum sehenswerten Film über diese sog. „Microbeads“ geht’s hier. Dieser Ansatz liegt auch dem Prinzip Cradle-to-Cradle (C2C, deutsch „von Wiege zu Wiege“) zugrunde: C2C ist ein biomimetischer Ansatz, um Produkte und Systeme zu entwickeln. Dabei wird die menschliche Industrie mit natürlichen Prozessen gleichgesetzt d.h. alle verwendeten Materialien werden als Nährstoffe gesehen, die in einem gesunden, sicheren Metabolismus zirkulieren.
    11. Abfallprodukten in Echtzeit vorbeugen (Real-time Pollution Prevention): Die Methoden zur  Überwachung chemischer Prozesse müssen weiter entwickelt werden. So können stattfindende Prozesse überwacht, das Entstehen gefährlicher Substanzen oder von Verunreinigungen überwacht/kontrolliert und die sichere Entsorgung begleitet werden.
    12. Unfallprävention: Die Substanz und deren Form (Flüssigkeit, Gas etc.) sollte sorgfältig gewählt werden, um Unfälle (Feuer, Explosionen oder ein ungewolltes Entweichen der Substanz) zu vermeiden.

    Quelle: Green Chemistry: Theory & Practice by Paul T. Anastas and John D. Warner. Eine deutsche Erklärung zur grünen Chemie anhand von Grafiken gibt’s hier.

     

    Nachtrag zu Cradle-to-Cradle (C2C)

    Als Konsumentin fände ich es hilfreich, wenn mit grüner Chemie hergestellte Produkte entsprechend gekennzeichnet wären. Abgesehen von Cradle to Cradle (C2C) herrscht da aber leider Ebbe, wie’s scheint. Ausserdem tut sich die Industrie schwer mit C2C, viele Unternehmer scheuen die hohen Anlaufkosten. Hinzu kommt, dass letztlich der Konsument entscheidet: Der COO einer Schweizer Firma, die auch eine C2C-Produktlinie vertreibt, nahm kein Blatt vor den Mund „Das Zeug verkauft sich nicht, ist zu teuer“.

    Kein Blatt vor den Mund nimmt auch der deutsche Chemieprofessor Michael Braungart, der das Cradle-to-Cradle-Prinzip im Rahmen eines Forschungsprojekts der ehemaligen Ciba-Geigy entwickelte. Kein Wunder ist der Mann umstritten, sagt er doch Sätze wie:

    • Stillen ist prima, das entgiftet die Mutter“ oder
    • Louis-Vuitton-Taschen sind ein klarer Fall von Sondermüll

    Braungart propagiert nicht Entsagung sondern einen Öko-Hedonismus der nicht sparen, sondern klug produzieren will. Dass es erfolgreiche Beispiele gibt hält seine Kritiker nicht davon ab, ihm vorzuwerfen, C2C tauge nur für Nischen.

    Braungart hält dagegen, dass die deutsche Wirtschaft prächtig am Export von Müllverbrennungsanlagen in alle Welt verdient. Und entkräftet auch den Vorwurf, dass C2C nur bei relativ einfach gestrickten Produkten machbar sei: Der dänische Schifffahrts- Öl- und Gasmulti Maersk etwa baute 2013 das damals grösste Containerschiff der Welt, die Magleby Maersk, weitgehend nach Braungarts Lehre: 398 Meter lang, 59 Meter breit und 73 Meter hoch. Schlicht, weil es sinnvoll war.

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    Die Magleby Maersk, ein schwimmendes Rohstofflager…

    Ein Schiff besteht zu 98 Prozent aus Stahl verschiedener Qualitäten. Dieser wird mit anderen Stoffen fest verbunden, beim Abwracken werden die Stahlarten mit allen Kabeln und Plastikteilen recycelt, übrig bleibt eine Produkt von minderwertiger Qualität. Beim Schiffsneubau hat Maersk die Teile nun so installiert, dass sie 1. genau katalogisiert und 2. leicht zu trennen sind. Die Abwrackwerften zahlen nämlich 10 Prozent mehr, wenn bekannt ist, wo welche Qualität verbaut wurde. In Zeiten, in denen Stahl rar wird, wird das Schiff so während seiner Lebenszeit zu einem wertvollen, schwimmenden Rohstofflager. Quelle: Der Spiegel, Heft 33/2014, Seite 58: „Eine Welt voller Überfluss“

    Das Thema bewegt Dich?

    Empfehlenswerte weiterführende Lektüre:

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    Noch bis 25.10.2015: Das Jungkunst-Containermuseum in Winterthur

    P.S.: Du fragst Dich, was diesen ganzen Vortrag über Chemie losgetreten hat? Auf der Suche nach nachhaltig produzierten Textilien fürs Kinderzimmer stolperte ich über den Beobachter-Artikel Schwindel um Bambus-Textilien, klickte mich darauf zur Homepage des Schweizer Bio-Textilherstellers Litrax durch und tauchte anschliessend tief ein in die Welt der Grünen Chemie. Und schwups, schon war ein ganzer Tag um… : )

  • Goldgräberstimmung

    Die Ackerkrume ist die oberste, durch organische Abbauprodukte dunkler gefärbte Bodenschicht eines Ackers. Das Wort klingt archaisch und ist dennoch von hoher Aktualität, denn derzeit findet ein erschreckender Ausverkauf der Landwirtschaftsflächen statt.

    Insbesondere seit der Finanzkrise 2008 haben globale Investoren den Agrar-Sektor als gewinnträchtige Alternative für sich entdeckt. Es herrscht Goldgräberstimmung, in den 15 letzten Jahren wurden weltweit über 200 Millionen Hektaren Agrarland gekauft – mehr als es in ganz Europa gibt.

    Fimplakat LandraubDie globalen Investoren mit ihren Grossplantagen zerstören gemäss dem Journalisten und Filmemacher Kurt Langbein die sozialen und ökologischen Strukturen. Was stimmt, ist einzig der Profit: „Oh, es ist sehr attraktiv! Die Erträge sind hoch, nach sieben Jahren sind die Investition zurückbezahlt und die nächsten 20 Jahre gehen Sie jedes Mal mit einem Lächeln zur Bank“, so Suriya Moorthy, Berater für Agrarinvestments.

    Ein üble Überraschung ist die Tatsache, dass dazu offenbar europäische Fördergelder und Entwicklungshilfe-Gelder verwendet werden. In Kambodscha entstand so eine Zuckerfabrik, vor deren Bau rund 1000 Kleinbauern und deren Familien unrechtmässig enteignet wurden; ihnen fehlt seither jegliche Lebensgrundlage. Die Folge solch rabiater Vorgehensweisen könnten künftig ganze Völkerwanderungen sein, die das Ausmass der derzeitigen Flüchtlingskrise bei Weitem sprengen würden.

    Langbeins Film kommt zum Schluss, dass es Zeit für ein radikales Umdenken ist. Dass Millionen Kleinbauern besser und nachhaltiger wirtschaften als Agrarkonzerne. Und dass Nahrungsmittelsicherheit nur dann gewährleistet ist, wenn wir auf lokale Versorgung statt globaler Investition setzten.

    Es liegt auch an uns!

    Die globalen Investoren sind drauf und dran, das ganze Ökosystem in Grund und Boden zu reiten – im wahrsten Sinne des Wortes. Deshalb kann man sich ein hämisches Händereiben kaum verkneifen, wenn Glencore an der Börse 30% Einbusse hinnehmen muss – leider nur eine Momentaufnahme, denn am Ende triumphiert meist eben doch das Geld. Deshalb:

    • Schau genau hin, wo und vor allem was Du einkaufst.
    • Engagiere Dich z.B. bei der Stiftung Biovision

    ARD-Beitrag „Die Folgen des modernen Kolonialismus“ mit Filmausschnitten:

    Screenshot ARD - Die Folgen des modernen Kolonialismus

    „Landraub“, ein Film von Kurt Langbein, startet am 8. Oktober in deutschen Kinos, ob der Film auch in der Schweiz gezeigt wird, ist unklar. Die Website des Films: http://www.landraub.com/

     

    Biovision – ein bemerkenswertes Projekt

    Kleinbauern in Äthiopien konnten offenbar mit entsprechender Beratung ihren Ertrag verdreifachen. Genau dafür engagiert sich auch Biovision. Die vom Schweizer Dr. Hans Rudolf Herren ins Leben gerufene Stiftung setzt sich in Afrika seit Jahrzehnten für eine nachhaltige Landwirtschaft ein. Herren geniesst als weltweit führender Experte für biologische Schädlingsbekämpfung und Träger des Alternativen Nobelpreises einen hervorragenden Ruf; 2014 wurde er in der Kategorie „Gesellschaft“ zum Schweizer des Jahres gekürt.

    Screenshot Web Biovision

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    Exkurs: Sind Mikro-Kredite eine Lösung?

    Wie kann den Kleinbauern der Rücken gestärkt werden? Der Friedensnobelpreisträger und Gründer der Grameen Bank fort the Poor, Muhammad Yunus, beschritt in den 1980-er Jahren mit seinem Modell für Mikrokredite und Mikrofinanzierungen einen ganz neuen Weg, galt lange Jahre als „Retter der Armen“.

    Eine kritische Analyse des Wirtschaftsprofessors und Journalisten Milford Bateman im Artikel „The Rise and Fall of Muhammad Yunus and The Microcredit Model“ zeigt jedoch eine ernüchternde Bilanz: Die allermeisten Kreditnehmer schaffen es nicht, aus der Armut auszusteigen und verstricken sich im Gegenteil immer stärker in Schulden. Dies wird von einigen Mikrofinanz-Investoren ganz gezielt ausgenutzt, denn am Ende dieser Abwärts-Spirale ist das Land der betreffenden Familie fast gratis zu haben. Dieses Vorgehen ist auch als sogenanntes „debt farming“ bekannt.

    Ab 2010 stützen eine Flut von unabhängigen Untersuchungen die Erkenntnis, dass Mikrokredite anders als zuvor angenommen für die Ärmsten sogar eindeutig negative Auswirkung haben. Eine tragische Wende für ein Projekt, das ursprünglich genau wie das wunderbare Barefoot College antrat, um Frauen und ihren Familien einen Weg aus der Armut zu ermöglichen.

    Nachfrage keine Frage des Angebots

    Warum Yunus‘ Ansatz versagt? Gemäss Bateman fiel Yunus schon ganz zu Beginn dem fatalen Trugschluss zum Opfer, dass „Angebot eine entsprechende Nachfrage generiert“. Tatsächlich, so argumentiert Bateman, war es aber schon immer vergleichsweise einfach, ein simples Produkt oder eine simple Dienstleistung anzubieten. Nur halb so einfach ist es hingegen, jemanden zu finden, der das Produkt oder die Dienstleistung kaufen bzw. in Anspruch nimmt – und genau dies wird immer schwieriger.

    Entscheidend sind formelle Einkommensquellen

    Kurzum: Ein Mikrokredit alleine hilft gar nichts, wenn nicht entsprechende Kaufkraft d.h. Käufer vorhanden sind. Viele der Mikrokreditnehmer aber leben in ärmlichen Gegenden, ihre Nachbarn sind genauso mittellos wie sie selber und verfügen ebenfalls nur informelle Einkommensquellen…

    Dieses Dilemma ist gemäss Bateman eng verwandt mit einem weiteren globalen Problem: Den Hungersnöten. Der Wirtschaftsprofessor und Nobelpreisträger Amartya Sen konnte bereits 1981 aufzeigen, dass Hungerskatastrophen deshalb entstehen, weil die Kaufkraft der Ärmsten schlicht und ergreifend nicht ausreicht, um die sehr wohl verfügbaren Lebensmittel zu kaufen. Einmal mehr ist dies Ergebnis fehlender formeller Einkommensquellen (bezahlte Arbeit, Sozialversicherung oder auch soziale Wohlfahrt). So erweist sich auch die Annahme, dass Hungerskatastrophen die Folge von zu wenig Lebensmitteln sind, und dass eine bessere Verfügbarkeit von Lebensmitteln die Not lindern wird, als Trugschluss.

    Quelle: The Rise and Fall of Muhammad Yunus and The Microcredit Model, Milford Bateman, in „International Development Studies“, Ausgabe 001/2014.

  • Ardoise à la Maria

    Ardoise_before
    Wie es früher aussah…

    Bevor es Zeit ist für den erneuten Winterschlaf, hat Fougerette von unserer Freundin und Künstlerin Maria Kühnen ein grossartiges „Bettmümpfeli“ geschenkt bekommen: Ausgehend vom Namen Ardoise (dt. Schiefer), hat Maria die schlichte Schönheit des ehemaligen Dienstbotenzimmers Schicht für Schicht frei gelegt. Das Ergebnis: Eine rundum stimmige Neugestaltung, die uns begeistert!

    Wie es dazu kam?
    Maria hat gemeinsam mit Mann und Tochter fast zeitgleich wie wir ein Haus in Frankreich erworben und bringt dort seither ihre Kompetenz als Künstlerin und Raumgestalterin zur Blüte (Bilder s. hier). Abgesehen davon, dass die Chemie schon bei der ersten Begegnung ganz einfach stimmte, haben uns auch die oft erstaunlich parallel verlaufenden Irrungen und Wirrungen des Daseins als Hausbesitzer aneinander geschmiedet. Der Austausch ist stets bereichernd, erfrischend und wohltuend – ein weiterer Glücksfall in unserem Leben, für den wir zutiefst dankbar sind.

    Ardoisières
    Ardoisières d’Angers

    Warum das Zimmer Ardoise heisst? Nun, Fankreich ist auch heute noch das Land mit dem weltweit höchsten Verbrauch an Schiefer und verfügte ehemals über eine bedeutende nationale Produktion, u.a. in den Ardoisières d’Angers. Dort waren noch Anfang der 1980-er Jahre über 2’000 Arbeiter beschäftigt, im Frühjahr 2014 wurde jedoch die Mine definitiv geschlossen.

    Die über 600-jährige Geschichte des Schiefer-Abbaus wird im Musée de l’Ardoise nachgezeichnet. Ein Besuch dürfte sich lohnen, wenn dieses auch nur annähernd so gut gestaltet ist wie das Museo del Carbone, welches wir letztes Jahr in Sardinien besuchten: Die Retortenstadt Carbonia wurde in den 1930-er Jahren offenbar als Antwort auf das Kohle-Embargo gegen das faschistische Regime in Italien aus dem Boden gestampft.

    Obwohl nur knapp 40 Jahre operativ tätig, waren in den Kohleminen Carbonias in den besten Zeiten über 12’000 Arbeiter beschäftigt, die rund um die Uhr in drei Schichten arbeiteten. Auf einen Arbeitstag von 8 Stunden mussten die Minenarbeiter weitere 8 Stunden zusätzlich aufwenden für das Abholen bzw. die Rückgabe ihrer Minenlampe, den Abstieg in bzw. Aufstieg aus der Mine (eng zusammengepfercht im Aufzug, im nahezu freien Fall) sowie den Fussweg unter Tag vom Aufzugsschacht bis zum jeweils bearbeiteten Flöz, der bis zu 7 km lang sein konnte.

    Wie die Minenarbeiter – darunter auch viele politische Häftlinge wie Kommunisten oder Homosexuelle – in dieser drückend-schwülen Finsternis bei fast 40 Grad Celsius das unaufhörliche eiserne Rasseln der Bohrhammer und Förderbänder, die dumpf knallenden Sprengungen und die ständig drohende Gefahr von Einstürzen oder möglicherweise austretenden giftigen Gasen ertrugen, und inmitten des ganzen Pandemoniums auch noch Kohle in den engen, teilweise nur 50 cm hohen Stollen auf dem Bauch liegend abtrugen, ist schlicht unvorstellbar. Die alten Fotografien, auf denen die völlig betäubten, leeren Blicke der heimkehrenden Arbeiter nach ihrem 16-stündigen Einsatz zu sehen sind, trägt man jedenfalls noch lange mit sich herum.

    Was Maria über Ardoise sagt?

    Mein Entwurf für das Zimmer beruht im Wesentlichen auf drei Impulsen:

    Zum einen habe ich Bezug auf die frühere Nutzung des Zimmers genommen. Ursprünglich als Dienstbotenzimmer genutzt, sollte die neue Gestaltung in seiner Schlichtheit und ‚asketischen‘ Klarheit daran anknüpfen. Zum anderen war es meine Absicht, einen Raum zu gestalten, in dem man sich gerne aufhält; das Zimmer sollte einladend werden und einen wohnlichen Rückzugsort für temporäre Bewohner des Schlosses darstellen – und einen Raum, dem man anmerkt, dass er mit grosser Hinwendung für den Gast gestaltet wurde. Darüber hinaus sind Räume für mich nicht bloss vier Wände, ein Boden und eine Decke. Ich begreife sie vielmehr als eigenständige Wesenheiten mit ihrer je eigenen Geschichte, die aufgenommen, bearbeitet und transformiert werden will. Bei diesem Zimmer, das über die letzten Jahrzehnte unbewohnt gewesen und dadurch im Wortsinne auch unbehaust geworden war, war es mir ein besonderes Anliegen, dass es eine  intensive und sorgfältige handwerkliche, künstlerische und gedankliche Zuwendung erfährt. Vergleichbar mit einem vergessenen und hart gewordenen Klumpen Ton, der durchgeknetet und gewalkt werden will um wieder geschmeidig zu werden. Und diese unter anderem auch ganz plastische Energie, diese Zuwendung, die dieser Raum dadurch erfährt, die ist dann deutlich spürbar, holistisch sozusagen.

    Und schliesslich wurde die inhaltliche Umsetzung von dem vorgegebenen Titel des Zimmers gelenkt: Ardoise – Schiefer – als Schichtgestein hat mich zu verschiedenen Überlegungen zum Thema ‚Schichtungen‘ geführt. Erinnerungs-Schichten, Schichtungen der Psyche, historische Ge-Schichten, physisch-materielle Schichten… So habe ich beispielsweise die Schichten der Wandoberfläche in einem objekthaften Ausschnitt sichtbar gemacht: die Wand, wie ich sie mit der alten Tapete vorgefunden habe, die darunter liegende Oberfläche im Originalzustand und im Stadium mit der von mir angelegten Grundierung. Ein anderes Beispiel ist das Buch zum Schieferabbau im Berner Oberland, das nun zur Ausstattung des Zimmers gehört. Wer den kleinen Roman gelesen hat, findet von dort ausgehend möglicherweise weitere Bezüge und Schichtungen im Raum – oder erfindet seine ganz eigenen Geschichten dazu. So sind alle von mir vorgenommenen Eingriffe im Raum, von den eigens angefertigten oder umgestalteten Möbeln über die Objekte bis hin zur Wandgestaltung Anknüpfungen an diese unterschiedlichen Aspekte von Schichtung. Und wenn der temporäre Bewohner seine eigenen persönlichen Gegenstände zeitweise mit hinein nimmt, dann werden auch diese zu einer weiteren Schichtung im Raum – wie auch er selbst zu einem weiteren Teil der Ge-Schichte dieses Zimmers.

     

    Wie Ardoise jetzt aussieht?

    Guckst Du nachstehend. Die Bilder sprechen für sich!

    Copyright für alle Fotos: www.mariakuehnen

     

    ÜBER MARIA KÜHNEN

    MARIAKÜHNENGeboren bin ich 1971 in einem kleinen Dorf am Niederrhein (D). Mit etwa 15 Jahren begann ich mich ernsthaft mit künstlerischen Absichten zu tragen, ich war damals auf einer Jugendkunstschule. Dennoch habe ich dann nach dem Abitur Erziehungswissenschaften studiert, in der Jugendhilfe gearbeitet und parallel dazu immer wieder Ausstellungen gemacht. Ein Wendepunkt kam mit 30, als ich vor der Entscheidung stand, entweder Karriere in der Jugendhilfe zu machen, oder doch ganz in die Richtung zu gehen, die ich eigentlich immer wollte. Daraufhin habe ich noch einmal ein Studium begonnen, nämlich Malerei und dabei den Schwerpunkt auf Komposition und Farbenlehre gelegt. Schon gegen Ende dieses Studiums hatte ich den ersten grösseren Innengestaltungsauftrag, bei dem ich ein ehemaliges Gefängnisgebäude in ein Gästehaus umgewandelt habe. Da der differenzierte Umgang mit Farbe für mich seit jeher ein besonderere Leidenschaft war und es in meiner Malerei auch immer darum ging, dass die Farbe über sich und den Bildträger hinaus in den Raum wirkt, lag die Raumgestaltung für mich sehr nahe. Mit meinem Umzug in die Schweiz vor 10 Jahren habe ich dann einige Weiterbildungen im 3-D-Bereich gemacht, das heisst ich habe mich mit Gusstechniken und Objekten auseinander gesetzt und damit begonnen, zunehmend Raum-Installationen zu machen. Seit ich mit meiner Familie dann vor 3 Jahren unser grosses Projekt in Südfrankreich begonnen habe, fliesst ein Grossteil meiner Arbeit in die Raumgestaltung dieses Hauses, das Familien- und Begegnungsort ist und dessen langsame Umgestaltung ein work-in-progress ist. Im Moment gestalte ich ausserdem ein Ladenlokal im Kreis 4 in Zürich für den ‚Plattenladen‘ von Claudia Pabst, der Anfang Oktober seine neuen Räume beziehen wird – unbedingt reinschauen, das lohnt sich 🙂 www.mariakuehnen.ch

  • Auf Kurs

    Quelle: www.sail.nl
    Quelle: www.sail.nl

    Dieser Tage findet in Amsterdam die Sail 2015, die grösste nautische Veranstaltung der Welt statt – eine Augenweide der besonderen Art, wie das obige Bild beweist. Wir im Schloss setzen derweil Segel der anderen Art und freuen uns schon unbändig auf ein Wochenende im Einklang mit elektronischem Meeresrauschen. Die Vorarbeiten sind auf Kurs, die Magie des Augenblicks zieht unser liebes Château immer stärker in den Bann…

    Bildschirmfoto 2015-08-20 um 12.28.58
    Quelle: www.sail.nl

    Damit Du Dich als echter See- & Salon-Löwe kommunikativ mühelos über Wasser halten kannst, bringen wir Dir vorbereitend das internationale Flaggenalphabet der Schifffahrt näher. Bitte raschestens auswendig lernen und seegangsgerecht einsetzen!

     

     

     

     

     

    Dialog in den Wogen des Weekends

    Er: Quebec flag.svg QUEBEC?

    Sie: November flag.svg  NOVEMBER.

    Er: Echo flag.svg ECHO.

    Sie: Uniform flag.svg UNIFORM.

    Er: Zulu flag.svg  ZULU.

    SieXray flag.svg XRAY!

    Er: India flag.svg INDIA.

    Sie: Wiederhole: Xray flag.svg XRAY. Sonst  Oscar flag.svg OSCAR.

    Er:  Sierra flag.svg SIERRA.

     

    Du darfst Dir natürlich gerne selber zusammenreimen, worüber sich die beiden ausgetauscht haben, s. https://de.wikipedia.org/wiki/Flaggenalphabet. Alternativ kannst Du gerne auch die „Übersetzung“ von Käpt’n Nobart zu Rate ziehen:

     

    Was wirklich gesagt wurde?

    Er: (mit einem verführerischen Lächeln) An Bord ist alles „gesund“, und ich bitte um freie Verkehrserlaubnis.

    Sie: (mustert ihn abschätzend) „Nein“ oder „abgelehnt“.

    Er: (blickt ihr treuherzig in die Augen) Ich ändere meinen Kurs nach Steuerbord.

    Sie: (mit einem leicht genervten Lächeln) Sie begeben sich in Gefahr.

    Er: (denkt nach – hm… benötige einen Schlepper…! Macht einen Schritt auf sie zu) Hey, bist Du nicht die Schwester von Adi… ?

    Sie: (zieh Leine, Mann, ich möchte einfach nur aufs Klo.) Unterbrechen Sie Ihr gegenwärtiges Vorhaben und beachten Sie meine Signale!

    Er: (Dich krieg‘ ich schon noch rum…) Ich ändere meinen Kurs nach Steuerbord – komm‘ ich hol‘ Dir was an der Bar!

    Sie: (meine Blase platzt fast, jetzt reicht’s!) Wiederhole: Unterbrechen Sie Ihr gegenwärtiges Vorhaben und beachten Sie meine Signale. Sonst Mann über Bord und fertig lustig!

    Er: (die Frau hat echt Tomaten auf den Augen, aber hey, man soll Perlen nicht vor die Säue werfen) Okay, okay – Ich arbeite rückwärts.

     

    Dass eine geglückte Kommunikation weissgott keine Selbstverständlichkeit ist, beweist auch das wunderbar absurde Lied „Missverständnis“ von Mani Matter, das wir Dir hiermit abschliessend in den Ohrkahn(al) drücken ; )

    http://www.youtube.com/watch?v=_kwIleJDYPU

     

  • Meet Maja Hürst / Grain de Folie

    Grain6Die autodidaktische Künstlerin Maja Hürst hat das zweite diesjährige Künstler-Zimmer namens „Grain de Folie“ gestaltet. Aufgewachsen in Kairo und Köln hat sie sich schon als Kind als Weltenbürgerin bekannt. Nach ihrem Studium der Visuellen Kommunikation an der ZHdK hat sie begonnen, sich intensiv mit Kunst auseinanderzusetzen und dies 2009 zu ihrem Beruf gemacht; ihre Bildsprache heisst TIKA. In den letzten Jahren hat Maja in Berlin, Rio de Janeiro und Zürich gewohnt, mit Atelierstipendien in Bangkok, Wien und Kapstadt gelebt sowie weltweit unzählige Wandbilder und Ausstellungen realisiert. Seit 2013 wird sie für einen Dokumentarfilm der Sternstunde Kunst vom Schweizer Fernsehen begleitet. Für die nächsten Monate steht ein Leben «on the road» im ausgebauten Bus quer durch Europa an. Ein Atelier auf Rädern, die Farbeimer und Spraydosen im Gepäckraum, die Leiter und Verlängerungsstangen auf dem Dach.

    Maja, wie kam es überhaupt zu Deiner Projekteingabe für das Zimmer „Grain de Folie“?

    Die Jungkunst-Organisatoren haben den Aufruf an alle ihre ehemaligen Künstler verschickt. Die Bilder des Schlosses haben mich so geflashed und ich hatte ein gutes Bauchgefühl bei dem Zimmer, auch hat mich der Name „Grain de Folie“ (eine Prise Wahnwitz, Anm. d. Red.) angesprochen.

    Wie sieht ein typischer Tag in Deinem Leben aus?

    Typische Tage gibt es so eigentlich nicht… Ein Vorsatz, der sich seit meinen Teenagertagen gehalten hat, ist, dass ich möglichst jeden Tag anders leben möchte. Meistens jedoch beginnt mein Tag mit einem Kaffee, ans Bett gebracht von meinem Super-Freund, etwas lesen, noch zwei, drei weitere Kaffees, duschen, Mittagessen, dann wenn das Wetter ok ist in der Stadt rumvelölen und noch mehr Kaffee trinken, mit Freunden quatschen oder in den Himmel gucken und die Gedanken fliegen lassen, dann mal Mails checken und spätestens wenn’s eindunkelt bis es hell wird im Atelier arbeiten.

    Was treibt Dich als Künstlerin an? Wo liegen Deine künstlerischen Wurzeln bzw. was inspiriert Dich zu Deinen Arbeiten?

    Die Zeit, die ich malend, zeichnend oder bastelnd verbringe, vergeht wie im Flug. Was das Kreative betrifft, bin ich sozusagen unersättlich und habe deswegen auch Lust auf immer mehr (lacht). Meine Hauptinspiration sind der Alltag und das Leben, spezifischer, die Suche nach einem Alltag und einem Leben in einem System und einer Gesellschaft wie ich sie uns wünsche. In diese Wunschvorstellung fliesst sowohl Traditionelles und Mystisches mit ein als auch Fantastisches, Geträumtes und im Internet Gesehenes.

    Wie zeigt sich das in Deinem Werk?

    Von Menschen, die Arbeiten von mir bei sich zuhause haben, wurde mir schon gesagt, dass sie eines meiner Bild neben dem Bett haben und immer wenn sie es anschauen, dann rückt es ihnen den Sinn des Lebens wieder an den richtigen Ort. Wenn meine Arbeiten kleine Anker für Gedanken oder Ideen oder Inspiration für Andere sind, dann ist dies das grösste Kompliment für mich – und somit auch Sprit, welcher den Motor am Laufen hält. Wenn ich im öffentlichen Raum arbeite, zum Beispiel an einem Wandbild, geschieht es oft, dass ich mit verschiedensten Menschen über die verrücktesten Themen ins Gespräch komme. Einmal als ich in Kapstadt auf einem Baukran an einer grossen Wand am Arbeiten war, hab’ ich bemerkt wie eine Businessfrau, ein Obdachloser und ein Feuerwehrmann in ein tiefes Gespräch über das Bild verstrickt waren. Das fand ich sogar noch besser als wenn ich als Person direkt involviert gewesen wäre.

    Mit TIKA hast Du Deine eigene Bildsprache entwickelt…

    Angefangen hat TIKA als Gesicht aus dicken schwarzen Filzstiftstrichen auf entsorgten Kühlschränken in Zürich. Der Klang und die Buchstaben haben mir gefallen. Es war sozusagen Liebe auf den ersten Blick von einer Antibiotika-Packung weg. Später als ich dann noch die indische Bedeutung des dritten Auges für TIKA kennengelernt habe, fiel alles wie beim Computerspiel „Tetris“ in die richtige Lücke. Heute ist TIKA ein Versuch, das Gesehene simpel und grafisch umzusetzen. Die Essenz des Gesehenen festzuhalten. Auszuloten, wie viel Reduktion Formen vertragen um nicht ins Abstrakte zu rutschen. Auch ist es eine Suche nach dem Essentiellen im Leben (Impressionen von TIKA findest Du in der nachstehenden Bild-Galerie).

    Wie fallen die Reaktionen auf TIKA aus?

    Ob in Bangkok, Atlanta, Gambia, Cape Town, Mumbai, Alexandria, Sofia – bisher hatte ich meist positive Reaktionen. Ich lege sehr viel Wert darauf, das Bild in die Umgebung einzubetten. Wo auch immer auf dem Planeten ich eingeladen werde, um auszustellen oder Wandbilder zu malen, informiere ich mich über die Geschichte der jeweiligen Orte, suche nach lokalen Sagen und Mythen und unterhalte mich mit den Menschen, die um die zu bemalende Wand herum leben. So entstehen die Ideen zu den Bildern. Es kommt oft zu einem regen Austausch mit den Anwohnern, die fragen, ob sie an der Wand mithelfen dürfen oder mir Getränke, Snacks und Zeichnungen bringen. In der Schweiz sind die Reaktionen allerdings überwiegend verhalten, meist wird nur nach der Bewilligung und dem Verdienst gefragt.

    Deine zweite Leidenschaft ist die Musik, oder?

    Jup. Früher hab’ ich neben der Anlage gesessen und Tapes aus dem Radio aufgenommen. Irgendwann um 2003 hab’ ich angefangen, Platten zu kaufen und aufzulegen, da ich kaum DJs kannte, die aufgelegt haben, was mir gefällt. Bis heute lege ich meist mehrmals im Monat als Chiri Moya auf. Global Bass wäre wohl die am ehesten zutreffende Schublade, um meine Musikauswahl reinzuquetschen. Eigentlich ist das einzige Kriterium, dass ich Bock hab’, auf den Track zu tanzen. Egal wo auf der Welt er gebastelt wurde. Hauptsache er hat Pfupf!

    Abschliessend gefragt: Du gestaltest regelmässig grosse Flächen, ganze Hausfassaden. Was hat es damit auf sich?

    Mich reizt Grösse. Mein bisher grösstes Bild durfte ich in Atlanta G.A. malen: 110m lang und 20m hoch. Ich finde es extrem cool, Hebebühnen mit Lastwagen daran zu fahren und mit 6m langen Stangen vorzuzeichnen. Auch bin ich mir bewusst, dass ein Wandbild ein einschneidender Eingriff in die Umgebung ist und deshalb gebe ich alles, damit dieses für die Anwohner zu einer Bereicherung wird. Natürlich kann man es nie allen recht machen – allerdings bin ich überzeugt, dass Bilder einen wesentlich stärkeren Denkimpuls vermitteln als die oft grauen Fassaden unserer urbanen Räume.

    Und so sieht Grain de Folie jetzt aus:

    TIKA – Impressionen (noch mehr Bilder gibt’s hier):

    Alle Bilder: Copyright Maja Hürst / TIKA

    Und als Dreingabe hat uns Maja noch dieses Wandgemälde an die bis dato doch sehr schäbige Garagen-Wand gezaubert:

    https://www.facebook.com/tika.thek/photos/a.171379443021084.1073741829.115991175226578/516485088510516/?type=3&theater