Mit Ach & Krach haben wir das letzte Jahr hinter uns gebracht. Zum Glück gab es als Gegengewicht auch Kunst & Lach(-krämpfe): Der @tussenkunstenquarantaine Instagram-Kanal hat bei uns immer wieder nachhaltig für Erheiterung gesorgt. Nachstehend ein paar Perlen : )
Mitmachen darf man selbstredend immer noch, z.B. für den Fall, dass zuhause kreative Entspannung oder interaktive Kunstpädagogik gefragt wäre. Das geht dann so:
Ein lebendiger, gesunder Boden ist die Grundlage für unsere Nahrung. Da wäre es eigentlich schlau, auf seine Bedürfnisse zu hören und ihm Sorge zu tragen, oder? Für viele Menschen bleibt das Erdreiche jedoch eine unbekannte Grösse und wird meist eher mit „Dreck“ assoziiert, denn als facettenreicher Lebensraum gesehen.
Dank dem wunderbaren Projekt Sounding Soil kannst Du den Boden jetzt über Deine Ohren kennen lernen! Du wirst dabei sofort begreifen, dass ein gesunder Boden genauso lebt und atmet wie wir : )
SOUNDING SOIL
EINE EINZIGARTIGE KLANGREISE INS INNERE DES ERDREICHS
Interview mit den Projektleiterinnen Sabine Lerch und Marilena Schumann
Wer ist denn überhaupt auf die Idee gekommen, den Boden „abzuhören“? Eine Gärtnerin? Ein Mediziner? Oder gar der Geheimdienst?
Ach, soo geheimnisvoll war’s nun doch nicht! Biovision stiess durch einen Zeitungsartikel auf Marcus Maeder, ein Künstler und Forscher, der mit Baummikrofonen den Hitzestress von Bäumen hörbar machte. Dabei kam uns die Idee, in den Boden abzuhören, um damit auch die Bodentiere hörbar zu machen. Also nahmen wir Kontakt mit Marcus Maeder auf, der ein paar Tage davor lustigerweise die genau gleiche Idee gehabt hatte. Die ersten Hörversuche verliefen sehr vielversprechend und wir entschieden uns, ein gemeinsames Projekt zu starten. Daraus entstand Sounding Soil.
Gibt dem Boden eine Stimme: Sounding Soil.
Das Projekt ist weltweit bisher einzigartig, oder?
Ja, wir sind weltweit die ersten, die auf diese Weise die Geräusche der Bodentiere an die Oberfläche holen. Einzigartig ist vor allem die Kombination aus der wissenschaftlichen Erforschung der Bodentöne, der Sensibilisierung für einen gesunden Boden und der künstlerischen Auseinandersetzung mit den Aufnahmen. Durch Sounding Soil sind wir nun mit Personen in Kontakt gekommen, die ähnliche Ideen verfolgen, was natürlich spannend ist.
Der Ansatz, Tonaufnahmen zu verwenden, um Beziehungen und Prozesse in der Umwelt zu untersuchen, ist übrigens relativ neu. Man nennt diesen Forschungszweig «Ökoakustik». Denn praktisch jeder Organismus produziert Schallwellen, zum Beispiel durch seine Bewegungen oder durch Kommunikation. Wir können also hören, was ein Organismus tut und dies für die Forschung nutzen.
Wird Sounding Soil von der Forschung ernst genommen oder gilt es eher als „Spinnerei“?
In der Wissenschaft müssen sich neue Forschungsansätze natürlich zuerst beweisen, bevor sie wirklich anerkannt werden. Die Ökoakustik ist eine recht junger Forschungszweig. Die ersten Wissenschaftler bzw. Ökoakustiker haben in den 1960er Vogelstimmen aufgenommen und ausgewertet. In den letzten Jahren hat sich dieser Forschungsfeld erweitert und etabliert. Das Erforschen der Bodentöne ist so jung, dass es noch etwas Zeit und weitere Forschungsarbeiten braucht. Daher ist es spannend, dass das Interesse von Wissenschaftler*innen aus verschiedensten Forschungsgebieten an Sounding Soil gross ist.
Und wie ist das Echo in der Öffentlichkeit?
Das Interesse an Sounding Soil ist sehr gross! Nach der Lancierung des Projekts im Herbst 2018 erschienen rund 25 Medienberichte. In den Folgemonaten wurde ebenfalls viel über unser Projekt berichtet, auch in Deutschland. Die Wissenschaftssendung «Einstein» vom Schweizer Fernsehen strahlte sogar eine Sendung zu Sounding Soil und Ökoakustik aus. Das grosse Medienecho führte dazu, dass im Frühling 2019 unsere ausleihbaren Aufnahmegeräte bereits für das ganze Jahr ausgebucht waren. Und auch dieses Jahr ist das Interesse an Citizen Science sehr gross: Die Aufnahmegeräte sind wiederum bis Oktober ausgebucht.
Auch die von Marcus Maeder entwickelte Soundinstallation stösst auf grosses Interesse. Die Installation ist begehbar und vermittelt das Gefühl, sich im Boden zwischen Wurzeln und Tieren zu befinden. Man kann das ungemein vielfältige Leben im Boden belauschen und kann Unterschiede zwischen verschiedenen Böden erkennen: Ein gesunder Boden mit einer hohen Biodiversität tönt vielfältiger. Wir sind mit der Soundinstallation und weiteren Angeboten bei Anlässen und Ausstellungen dabei. Das Interesse kommt sowohl von Nachhaltigkeitsveranstaltungen als auch von Landwirtschaftsanlässen und Musikveranstaltungen.
Je komplexer ein Boden tönt, desto grösser ist die Vielfalt an Lebewesen, die in ihm leben.
Wo seid Ihr überall aktiv?
Soundkarte der Schweizer Böden
Sounding Soil ist zur Zeit noch ein nationales Projekt. Wir beschränken uns auf die Schweizer Böden und somit auch bei Citizen Science auf die Schweiz. Wir bekommen aber immer wieder Anfragen aus dem Ausland. Besonders gross ist das Interesse zu der Technik des Mikrofons und des Aufnahmegeräts. Dies sind Eigenentwicklungen der ZHdK und somit weltweit einzigartig. Leider haben wir aber bisher nicht die Kapazität, unsere Aufnahmegeräte auch ins Ausland zu verleihen bzw. die Geräte werden nur innerhalb der Schweiz verschickt (Anm. von Fougerette: Wir dürfen ein Gerät für Which?Garden ausleihen und nehmen es selber mit nach Frankreich und wieder zurück in die Schweiz. So klappt es auch mit Aufnahmen im Ausland : )
Ziel ist es, in 1-2 Jahren ein marktfähiges Aufnahmegerät zu haben. Auch Naturpärke und ähnliche Institutionen interessieren sich übrigens für das Projekt. So sind die Bodentöne z.B. Teil einer neuen Ausstellung im Wildnispark Sihlwald. Mit GLOBE Schweiz stehen wir in Kontakt, um für das Programm LERNfeld gemeinsame Lernaktivitäten rund um die Geräusche aus dem Boden zu erarbeiten. Und auch viele Lehrer*innen interessieren sich für Sounding Soil, weil sie mit ihren Klassen gerne in den Boden hören möchten.
Sounding Soil untersucht auch den Einfluss von Lärmverschmutzung auf Bodenökosysteme.
Welche Erkenntnisse versprecht Ihr Euch von den „Hörproben“?
Es gibt verschiedene Ansätze. Dabei kommt es auch auf die verschiedenen Kooperationspartner an. Das macht das Projekt so vielseitig.
Die Stiftung Biovision nutzt die Bodengeräusche vor allem, um die Öffentlichkeit für einen guten Boden zu sensibilisieren. Denn dieser ist nicht einfach nur tote braune Erde, sondern ein lebender Organismus, ohne den die Menschheit nicht existieren können. Wie schon in Eurem Beitrag Auf dem Boden der Tatsachen erwähnt, befinden sich in einer Handvoll Erde bereits mehr Organismen, als es Menschen auf der Erde gibt. Dies ist eine unvorstellbar grosse Zahl. Aber jeder dieser Organismen hat eine bestimmte Aufgabe und trägt dazu bei, dass der Boden das ist was, er ist: Grundlage des Lebens!
Genau aus diesem Grund muss der Boden mit all seinen Bodenorganismen geschützt werden. Biovision möchte dem Boden eine Stimme geben und das Bewusstsein der Bevölkerung für dieses wichtige Ökosystem stärken. Mit diesem Ansatz erhoffen wir uns in erster Linie nicht Erkenntnisse nur für uns, sondern für alle, die sich mit dem Boden auseinander setzen möchten. Wir möchten Faszination wecken für diesen so unbeachteten Lebensraum.
Gibt es bereits erste Auswertungen und wenn ja, was zeigen diese?
Bei Sounding Soil interessiert uns, wie viele unterschiedliche Geräusche in einer Tonaufnahme zu hören sind. Denn die ersten Forschungsresultate zeigen, je komplexer ein Boden tönt, desto grösser ist die Vielfalt an Lebewesen, die in ihm leben, die Biodiversität also hoch ist.
Ebenso zeigen die Resultate, dass unterschiedlich genutzte Böden unterschiedliche tönen. Und dass auch die Jahreszeit, die Temperatur und die Bodenfeuchtigkeit eine Rolle spielen. Die Anzahl der bisherigen Proben ist aber noch zu gering, um allgemeingültige Resultate zu erhalten. Darum werden im 2020 und 2021 weitere Böden akustisch untersucht und mit herkömmlichen Untersuchungsmethoden verglichen.
Bis Ende 2021 sollen die gewonnen Resultate zeigen, ob sich akustische Bodenaufnahmen eignen, um zukünftig die Aktivität der Lebewesen und die Biodiversität im Boden einfach und schnell messen zu können. Ist dies der Fall, könnten solche Aufnahmen zukünftig als Monitoring-Werkzeug eingesetzt werden.
Dann interessiert sich bestimmt auch die Forschung für Eure Ergebnisse, oder?
Ja, Sounding Soil ist auch für die Forschung interessant. In der Ökoakustik werden Tonaufnahmen verwendet, um Beziehungen und Prozesse in der Umwelt zu untersuchen. Innerhalb von Sounding Soil untersuchen eine Doktorarbeit sowie Bachelor- und Masterarbeiten verschiedene Aspekte. Bisher gibt es ein veröffentlichtes Paper mit dem Titel So klingt Biodiversität.
In der wissenschaftlichen Abhandlung von Marcus Maeder und weiteren Verfassern wird der Zusammenhang zwischen Tönen und der Biodiversität unter der Erde sowie der Einfluss von Lärmverschmutzung auf Bodenökosysteme diskutiert. Zur Zeit arbeiten wir an einem zweiten Paper zu den Resultaten der Langzeitexperimente. Zudem ist eine Masterarbeit im Abschluss, die die Wirkung unserer Sensibilisierungsaktivitäten beleuchtet. Die Ergebnisse liegen aber leider noch nicht vor.
Als Projektleiterinnen habt Ihr sicher auch viel Neues über den Boden gelernt. Was hat Euch dabei am meisten überrascht?
Überraschend für uns war, wie sehr man den Boden hört d.h. wie plötzlich man das Leben unter der Erde auf eine ganz neue Art und Weise erleben und wahrnehmen kann. Besonders die ganzen verschiedenen Töne sind erstaunlich und faszinierend. Das ist für uns beide übrigens ein ganz wichtiger Aspekt. Kleine Insekten und Bodentiere werden von vielen als eklig empfunden. Den wenigsten Menschen ist dabei bewusst, wie wichtig diese Tiere sind. Und dementsprechend, wie wichtig auch ihr Lebensraum, der Boden ist.
Wir hoffen deshalb, dass Sounding Soil auch mehr Sympathie für Krabbeltiere schafft!
Ganz herzlichen Dank für das spannende Interview, Sabine und Marilena! Wir wünschen Euch weiterhin viel Erfolg und vor allem, dass Sounding Soil dazu führt, dass unsere Böden mehr geschätzt und geschützt werden.
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END OF INTERVIEW
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Sounding Soil – die Projektleitung
Hallo, ich bin Sabine Lerch! Ich habe Biologie studiert und koordiniere seit Juli 2019 das Programm Schweiz und bin als Projektleiterin für Sounding Soil zuständig. Hier kann ich meine Erfahrungen in der Umweltbildung mit meinem Interesse an den Auswirkungen unseres Verhaltens auf die Umwelt verbinden. Die Natur hat mich schon früh fasziniert. Als Kind waren es spannende Ausflüge zu Bächen und Weihern, Rettungsaktionen für Frösche und morgendliche Vogelexkursionen. Heute faszinineren mich vor allem die Zusammenhänge und Wechselwirkungen in den verschiedenen Ökosystemen.
Hallo, ich bin Marilena Schumann! Gerne erzähle ich etwas über meinen Hintergrund. Studiert habe ich Geologie. Trotz meines bereits vorhandenen Wissens über unsere Natur, Umwelt und die Wichtigkeit von Nachhaltigkeit in allen Bereichen unseres Lebens hat mir mein Studium die komplexen, sehr aufwändigen und vor allem langwierigen Prozesse unserer Natur verdeutlicht. Dies hat dazu geführt, dass ich mich entschieden habe, in die Umweltbildung zu gehen. Ich möchte mein Wissen weiter geben und sensibilisieren für ein besseres Zusammenleben von Mensch und Natur.
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Sounding Soil – welche Partner sind beteiligt?
Das Projekt Sounding Soil ist eine Kooperation verschiedener Institutionen der Schweiz:
die Stiftung Biovision als Initiantin des Projekts
Biovision – eine Zukunft für alle, natürlich
Biovision ist eine Stiftung für ökologische Entwicklung, die sich sich primär in Afrika engagiert, denn in der Subsahara leben ein Viertel der weltweit hungernden Menschen. Biovision fördert seit 1998 die Entwicklung, Verbreitung und Anwendung von nachhaltigen ökologischen landwirtschaftlichen Methoden, mit denen Menschen in Entwicklungsregionen sich selber helfen können. Dabei spielt der ganzheitliche Ansatz eine zentrale Rolle: Gesunde Menschen, Tiere, Pflanzen und eine intakte Umwelt sind Ziel in allen Projekten. 2013 wurde die Stiftung Biovision, zusammen mit ihrem Gründer Hans Rudolf Herren, einem führenden Experten für nachhaltige Landwirtschaft, mit dem Alternativen Nobelpreis ausgezeichnet.
Wer die Arbeit von Biovision unterstützen möchte, bitte HIER KLICKEN : ))))
Gesunde Böden – das solltest Du wissen
Gesunden Böden kommt eine Schlüsselfunktion zu, weil sie unverzichtbare Leistungen erbringen: Bodenökosysteme filtrieren, speichern und regulieren Wasser, bieten Lebensraum für unzählige Bodenorganismen, stellen Nährstoffe für Pflanzen zur Verfügung und sind zudem in der Lage, toxische Stoffe abzubauen und CO2 zu speichern. Nachhaltig bewirtschaftete Böden haben eine höhere Widerstandskraft, können sich besser an neue klimatische Bedingungen anpassen und helfen, Treibhausgase zu reduzieren.
Demgegenüber hat der Verlust von gesunden Böden in den letzten Jahrzehnten dramatisch zugenommen. Besonders die intensive Bewirtschaftung macht unseren Böden zu schaffen. Monokulturen, mineralische Dünger, synthetische Pestizide und der häufige Einsatz schwerer Maschinen können das Bodengefüge zerstören, laugen die Böden aus und vergiften das natürliche Ökosystem.
Auch die Auswirkungen des Klimawandels spüren wir bereits heute. Unwetter und Überschwemmungen nehmen von Jahr zu Jahr zu. Fruchtbare Böden erodieren zunehmend. Auch unser Konsumverhalten verlangt dem Boden einiges ab. Der steigende Fleischkonsum und Food Waste verschlingen wertvolle Landflächen, die oft viel effizienter und nachhaltiger genutzt werden könnten.
Kaugummis sind rosa, Zuckerwatte ist rosa, Ausnüchterungszellen sind rosa und in den USA sind sogar Kündigungsschreiben rosa. Ist etwas süss und steckt es voller Zucker? Soll es möglichst beruhigend, verführerisch oder harmlos wirken? An Mädels verkauft werden oder überhaupt einfach „Kauf‘ mich“ schreien? Dann ist Rosa bzw. Pink die Farbe der Wahl.
Ja, Wurmrosa – gibt’s tatsächlich auch! Der Regenwurm mag viele ekeln, aber 2011 war er sogar Tier des Jahres (Bild: Heidi & Hans-Jürgen Koch / Pro Natura)
Rosa hat einiges zu bieten: Über 50 verschiedene Rosatöne zählt die Sozialwissenschaftlerin Eva Heller in ihrem Farblexikon auf, darunter so bezaubernde Nuancen wie Marzipanrosa, Perlmuttrosa und Wumrosa…
Rosa? Ausnehmend männlich!
Mit Rosa assoziieren wir heute vieles, aber ganz bestimmt nicht starke Kerle. Dabei galt Rosa lange als ausgesprochen männliche Farbe und war im Rokoko (1715 – ca. 1789) ebenso wie im elisabethanischen England (1558-1603) zeitweise der letzte Schrei in der Männermode. Vielleicht ist damals sogar William Shakespeare rosa gewandet herumscharwenzelt – so es ihn denn tatsächlich gegeben hat, was ja manche anzweifeln.
Auch danach blieb Rosa in der Mode präsent: Lange Zeit wurde der männliche Nachwuchs rosa gekleidet! Rot wurde mit Leidenschaft, Blut, aktivem Eros und Kampf in Bezug gesetzt. Abgeschwächt durch die Reinheit von Weiss war das „kleine Rot“ der richtige Farbton für Männer in Kleinformat.
Deshalb werden bis heute gewisse Zeitungen auf rosa Papier gedruckt – die „Financial Times“ etwa, aber auch der italienische „La Gazetta dello Sport“. Beide richten sich an eine überwiegend männliche Leserschaft.
In einer Handelszeitschrift von 1918 steht zum Thema Kinderkleidung:
„Rosa ist eine entschlossenere, stärkere Farbe und ist daher passender für den Buben, während Blau, das zarter und anmutiger ist, hübscher an Mädchen ist.“
Blau hat in der christlichen Kultur eine lange Tradition als Farbe der Jungfrau Maria, weshalb das „kleine Blau“ (Blau + Weiss) gerne für Mädchenkleider verwendet wurde. Erst als nach dem ersten Weltkrieg dank neuer Färbetechniken der Blaumann, Matrosen- und Arbeiterkleidung auf der Bildfläche erschienen, wurde Blau zunehmend „männlicher“.
Vielfältige (Be-)Deutung
Die deutsche Farbbezeichnung ist vom lateinischen Blumennamen „rosa“ (Edelrose) abgeleitet, ihre Übernahme als generische Benennung der Farbe erfolgte im frühen 18. Jahrhundert.
Das heute auch hierzulande weit verbreitete „Pink“ hingegen wurde erst in den 1980er Jahren eingedeutscht. Während es im Englischen ebenfalls eine breite Palette an Rosatönen abdeckt, steht das deutsche Pink hauptsächlich für ein kräftiges, grelles, violett-stichiges Rosa, das traditionell keinerlei weibliche Eigenschaften hat. Experten nennen diesen Farbton „Magenta“. Das unerfahrene Augge würde die Farbe als Mischung aus Pink und Violett beschreiben, allerdings ist Magenta aus keiner anderen Farbe mischbar und ist das reinste Rot überhaupt!
Pink – das neue Orange
Bis 1980 wurden Plastikartikel vor allem in Orange hergestellt. Als niemand mehr auf diesen optischen Reiz reagierte, betrat Pink die Bühne des Marketings – seither gilt die Farbe als Inbegriff des Billigen, schreibt Eval Heller in ihrem Farblexikon. Auch unseriöse Werbung und schrille Modeaccessoires kommen gerne in Pink daher…
Amüsantes sprachhistorisches Detail: Bevor „Pink“ sich im Englischen als Farbbezeichnung etablierte, wurde das Wort in der Londoner Unterwelt für etwas deutlich weniger rosiges verwendet: Das Erstechen eines Widersachers mit einer scharfen Klinge!
“He pink’d his Dubblet and run him through”
steht erklärend in einem Street-Slang-Wörterbuch aus dem 17. Jahrhundert für “Bettler, Ladendiebe, Strassenräuber und alle anderen Arten von Betrügern und Bösewichten“. Umschrieben wurde damit ein tödlicher Angriff durch das gefütterte Wams des Opfers…
Think Pink und die weissen Mäuse
Die Welt erscheint Dir düster und grau? Dann wirst Du „think pink“ zu hören bekommen – denk‘ Dir die Dinge einfach schöner. Damit wäre dann auch die Brücke zur deutschen „rosa Brille“ geschlagen (wie im Post über Optimismus, welches übrigens den Anstoss gab zur Beschäftigung mit dieser Farbe).
Kinder bevorzugen Torten mit rosa Zuckerguss. Bei Erwachsenen ist es genau umgekehrt: sie bevorzugen weissen Zuckerguss : ) Bildquelle: http://otol.eu/torten-rezepte-rosa.html
Und was hat es mit den weissen Mäusen auf sich? Well, ist ein Engländer im Delirium, erscheinen ihm höchstwahrscheinlich rosa Elefanten („to see pink elephants“). Das geht offenbar auch den Franzosen so („voir des éléphants roses“), während bei deutschsprachigen Patienten davon ausgegangen werden darf, dass weisse Mäuse die Halluzinationen des Kranken bevölkern.
Wahrnehmung von Farbtönen geschlechtsabhängig
Die unterschiedliche Wahrnehmung hat sowohl biologische als auch kulturelle Ursachen. Gemäss Studien von Israel Abramov (City University of New York) nehmen Männer gemischte Farben ein wenig bläulicher wahr als Frauen, die damit die Welt in wärmeren Farben sehen. Eine mögliche Erklärung dafür basiert auf der Tatsache, dass im Sehzentrum besonders viele Andockstellen für das männliche Sexualhormon Testosteron liegen. Soviel zu den biologischen Tatsachen.
Rosa Winkel – Übersicht Erkennungszeichen in Konzentrationslagern. Bad Arolsen, International Tracing Agency.
Doch da gibt es eben auch die kulturelle Prägung. Rosa etablierte sich zumindest in Deutschland schon vor dem Zweiten Weltkrieg so weit als Mädchenfarbe, dass als „weibisch“ geschmähte Homosexuelle in den Konzentrationslagern den sogenannten „Rosa Winkel“ als Erkennungszeichen tragen mussten.
Dieses Symbol, ein auf der Spitze stehendes rosa Dreieck, wurde im Vorfeld der Schwulenbewegung Mitte der 1960er Jahre in Europa übernommen. In den USA ist Violett die klassische Farbe der Homosexuellen. Und auch die Suffragetten in England wählten Violett als Symbol für ihre Anliegen (die Farben Grün, Weiss und Violett standen für Hoffnung, Ehre und Anspruch auf Stimmrecht).
Fleischeslust oder himmlische Ekstase?
Auch kunstgeschichtlich durchlebte Rosa spannende Zeiten. Der „Durchbruch“ gelang dem Farbton offenbar in der frühen Renaissance und zwar aufgrund eines Freskos, welches der italienische Maler Fra Angelico in der Mitte des 15. Jahrhunderts im Kloster San Marco in Florenz malte. „Die Verkündigung“ zeigt den Moment, in dem die Jungfrau Maria vom Erzengel Gabriel erfährt, dass sie die Mutter Jesu Christi werden soll.
Pretty in pink – der italienische Maler Fra Angelico löst mit seinem rosa gekleideten Erzengel eine Revolution aus (Bild: Freskenzyklus im Dominikanerkloster San Marco in Florenz, Szene: Verkündigung mit Hl. Dominikus, ca. 1437-1446)
Ganz abgesehen von den äusserst modern anmutenden polychromatischen Flügeln, die Fra Angelico dem Erzengel verpasste, war vor allem auch die Verwendung von Rosa als Kleiderfarbe bahnbrechend. Traditionell wurde Rosa nämlich bis anno dazumal fast ausschliesslich zur Darstellung von Hauttönen verwendet.
Indem Fra Angelico den Erzengel in üppige Rosatöne hüllte, machte er diesen zu einem fleischlichen Wesen, durchbrach die Grenze zwischen Heiligem Geist und vergänglichem Fleisch. Behauptet jedenfalls der Kunstkritiker Kelly Grovier , der weiter ausführt, dass Rosa damit zum Drehpunkt zwischen Himmel und Erde wurde und der Himmel menschliche Züge annahm…
In den nachfolgenden Jahrhunderten nutzten Kunstschaffende die Farbe Rosa immer wieder als codierten Hinweis auf verwischte Grenzen. Ist auf einem mittelalterlichen Bild etwa ein rosafarbenes Haus zu sehen, so war den damaligen Betrachtern sofort klar: „In diesem Haus hat ein Wunder stattgefunden“.
Auch im 21. Jahrhundert sorgt Pink nach wie vor für Aufmerksamkeit, steht neben Liebe und Romantik eben auch für Anderes, Verqueres, Schrilles, Schräges, für Revolution und Widerstand oder ganz einfach auch dafür, dass die Kasse klingelt…
Gender Marketing: Wenn die Kasse rosa klingelt
Ab 1920 bis in die 1950er-Jahre wurde Rosa zwar schon stark weiblich assoziiert, aber nicht annähernd so streng und allgemeingültig wie heute, erklärt die Historikerin Jo Paoletti. Diese fundamentale Kehrtwende unterstreicht, dass unsere Wahrnehmung von Farben manipulierbar ist – und dass die kulturelle Konnotation einen laaangen Arm hat.
Seit die Industrie das „gender marketing“ entdeckt hat, setzt sie doppelt so viel Spielzeug und Kleidung ab. Hassen Jungs Rosa nur deshalb, weil die kommerzielle Gehirnwäsche ihnen einredet, dieser Farbton sei unmännlich? Lieben die Mädels Pink, weil sie sich dadurch dem weiblichen Geschlecht zugehöriger fühlen?
Ewige Hassliebe
Während Marketing-Strategen mit Rosa offensichtlich so einiges anfangen können, landete Rosa in einer Befragung zu den unbeliebtesten Farben der Sozialwissenschaftlerin Eva Heller nach Braun (20%) auf Platz 2 (17%, Quelle: Farblexikon s. unten).
Ging es um die Lieblingsfarbe, nannten nur 2% aller Befragten Rosa. Blau schwang als Lieblingsfarbe mit 45% obenaus und liess Grün auf Platz 2 (mit 15% der Stimmen) weit hinter sich.
Warum das so ist? Die Konnotation mit Homosexualität könnte mit ein Grund sein, warum gerade heranwachsende Jungs sich oft so heftig von dieser Farbe distanzieren: Sie, die so sehr darum ringen, ihren Platz in der Männerwelt zu finden, möchten um keinen Preis den Verdacht erregen, ein (rosa) Weichei zu sein.
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Oma in Neonpink
Zum Abschluss noch eine Prise Heiterkeit:
Meine Schwester war unlängst in einem Kaufhaus, wo sie von einer alten Dame angesprochen wurde, die gerade eine Jacke von SuperDry in Neonpink (!) begutachtete.
Ob sie diese Farbe tragen könne, wollte die rüstige Seniorin von meiner Schwester wissen. Diese erklärte lachend: „Ich finde, in Ihrem Alter sollten Sie genau das anziehen, worauf Sie Lust haben!“
Was die alte Dame entzückt und etwas verschämt mit folgendem Bekenntnis quittierte: „Ja, wissen Sie, ich bin eben schon über 90 Jahre alt…“
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Links & Quellenangaben
Rosa Brillen bringen’s doch – ein Post über Optimismus und warum eine positiv verzerrte Wahrnehmung Vorteile hat
Das Schöne am sommerlichen Ferien(s)pass: Immer wieder bringt jemand spannende Impulse mit ein! 2018 war die Architektin und Künstlerin Salome Kuratli (Atelier akurat.li) mit von der Partie und bot einen Workshop zum Thema „Relief“ an. Unter den alten Eichen beim See entstand ein sommerliches Freiluft-Atelier, das konzentrierte Kreativität und fröhliche Singspiele à la „Flea, fly, flow“ förderte. Das tönt lässig und war es auch : ) Und die Ton-Fliesen, die dabei entstanden, lassen sich ebenfalls sehen!
P.S.: Der nächste Ferienspass findet vom 18.-28. Juli 2019 statt. Anmeldungen sind ab sofort möglich.
Impressionen vom Fliesen-Workshop. Für die Reliefs kamen zum Einsatz: 10kg Ton, ein selbst gebauter Ofen, eine zünftige Prise Spass, viele grosse & kleine Hände, Phantasie sowie Schürhaken, diverse Naturmaterialien, Bierdeckel etc. I Fougerette, Sommer 2018
1. Salome, Du verknüpfst in Deiner Arbeit Architektur, Landschaft und Raumentwicklung – wie ist es zu dieser Kombination gekommen?
Liebe Monika, zuerst einmal vielen herzlichen Dank für dein Interesse und die tolle Zeit auf Fou mit Ferien(s)pass! Wunderschöne, produktive Sommerferien waren das!
Auf Deine Frage hin will ich es so sagen: Ich bin gerne draussen und auch gerne unterwegs. Ich betrachte, was mich umgibt und mache mir Gedanken zu den erlebten Orten. Es beschäftigt mich, wie es wohl zu einer anderen Zeit dort war, oder auch, was hier noch werden könnte.
Später entwickle ich meine Projekte aus diesen Beobachtungen von Veränderungsprozessen. Ob es Architektur, Landschaft oder Raumentwicklung ist, kommt auf den Ort und die Fragestellung an. Nur am Bildschirm zu entwerfen und alle Entscheidungen am Computer zu fällen, das ist wie in einem geschlossenen System zu arbeiten. Es stimmt für mich nicht und inspiriert mich auch nicht genügend für meine Arbeit an zukünftigen Räumen.
Unabhängig von der Aufgabenstellung, ist mein stetes Anliegen, dass alle Sinne miteinbezogen sind.
In meiner Branche, der Architektur, wird es leider als besonders chic gehandelt, wenn die Welt komplett an der Glasoberfläche des Bildschirms begriffen und auf diesem Weg auch neu geschaffen wird. Das heisst dann City 4.0 und wir werden aufgefordert sein, unsern Computer immer dabeizuhaben, damit wir in jenen Räumen funktionieren und überleben können. Das ist eine etwas traurige Aussicht.
Was ich möchte, sind vielgestaltige und wandelfähige und erlebnisreiche Räume für uns, die uns immer wieder aufs Neue inspirieren. In der Architektur, im Landschaftsraum wie auch in der Raumentwicklung gilt es eine entsprechende offene Entwicklungskultur zu pflegen.
Das spannendste am Raum muss sein, dass er auch in Zukunft immer Verhandlungssache bleibt – so wie das auch mit unserer Identität sein sollte.
Dieser Gedankenstrang sprengt allerdings den Rahmen der gestellten Frage…
2. Wie kombinierst Du diese drei Bereiche?
Die Kombination ist eine Sichtweise, die von einer Vielfalt an Blickwinkel geprägt ist.
Übrigens ist genau dies der Vorteil vom Arbeiten mit Computern. Man kann extrem rasch von einer Detailansicht zur Vogelperspektive wechseln. Man kann sehr viel in sehr wenig Zeit entdecken. Die Illusion, durch virtuelle Raummodelle zu gehen, ist eben auch sehr erlebnisreich; unbestritten. Auch immer neue Techniken und Programme lassen sich entdecken, welche die Kreativität herausfordern und somit auch neue Produktionswege erschliessen. Mit dieser riesigen Vielfalt an Möglichkeiten experimentiere ich sehr gerne. Ich bin nur nicht Fan von geschlossenen Produktionskreisläufen aus der IT, weil ein auf Effizienz getrimmter Produktionsweg nicht per se Nachhaltigkeit enthält.
Ganz spannend finde ich deshalb das junge Feld der digitalen Nachhaltigkeit und die Fragen, wie es für die nächsten Generationen aussieht.
3. Was fasziniert Dich denn an Reliefs?
Das Relief ist ein Bild, welches mit Geschichte aufgeladen ist. In den Untiefen und Schattierungen mit plastischer Qualität lässt sich Vergangenes wie eine Landschaft lesen. Zudem hat das Relief etwas Greifbares, was ertastet werden kann. Das gefällt mir ausserordentlich.
Wie der und die einzelne es liest, ist offen. Oft erzählt ein Relief durch seine Machart von der Geschichte seiner Produktionszeit. Hier im Schloss kann man sehr schöne Details und Hinweise entdecken. Wir haben gemeinsam gerätselt und wir malten uns aus, wie die Produktionsstätte industrialisiert war, um bestimmte Fliesen hervorzubringen.
4. Hast Du auch schon grosse Arbeiten realisiert?
Wellenband am Lochergut, Zürich. Bild: poolarch.ch
Das grösste Relief, welches ich selbst je bearbeiten durfte, ist das Fassadenband vom Geschäftszentrum Lochergut in Beton. Ein Element ist 7 Meter lang und 8 Tonnen schwer. 2005 war ich als Praktikantin bei Pool Architekten und bekam die Aufgabe, diese Betonelemente zu entwickeln. Meine Zeichnungen wurden in CNC-Maschinenpfade umgewandelt und die Detailpläne direkt im Betonwerk für die Produktion benutzt. Das Spannende an der Gestaltung war, jenen Rhythmus von Stegen und Kerben auszuarbeiten. Die minimale Untiefe der Kerbe in der Mitte des Betonelements, entspricht dem Minimum, was die Materialstärke des Schalungsbaus erlaubte. Ein durch das Sonnenlicht erzeugtes, optisch dezentes Wellenband an der Fassade ist das Resultat.
Tischplatte mit Relief von Salome Kuratli. Bild: akurat.li
Später, 2009, forschte ich ein ganzes Jahr an einer Wand- und Tischplattenproduktion; wobei ich auch immer die Zusammenarbeit mit anderen Disziplinen suchte. Das Thema Relief in unterschiedlichen Materialien nach ausgesuchten Bildern zu produzieren, war so faszinierend, dass ich damals meine Produktionsplattform akurat.li gründete. Je nach Auftragslage, tüftle ich weiter daran, Orte mit Geschichten zu bespielen.
Das müssen nicht immer Reliefs sein. Die Themen der Raumentwicklung, Wahrnehmung und Orientierung, von physisch, kulturell und digital gewachsenen Räumen spielen auch in meinen andern Projekten eine wichtige Rolle
6. Auf Fougerette hast Du Reliefkacheln aus Ton gebrannt. Wie kam es dazu und welches waren die besonderen technischen Herausforderungen?
Der Abenteuerplatz am See unter den altehrwürdigen Eichen war sehr inspirierend und auch tagsüber angenehm schattig. Der Ort wurde rasch zu meinem Fou-Freiluftatelier. Ich hatte 10kg Ton mit nach Fougerette gebracht, um endlich wieder mal experimentieren zu können.
Ebenfalls dort am See liegt die Feuerstelle. Erst war sie noch von Brennnesseln umrankt sowie wild, gestapeltes Nagelholz lag rum und mittendrin ein Berg Asche mit noch mehr Nägeln. Es galt also zuerst den Platz zu erobern, wobei wir ordentlich aufräumten. Insbesondere hatte der Chris Lust, da zu feuern und dann auch zu graben.
„It wasn’t me…!“ – Chris im Grabungsfieber
Engländer können eine unglaubliche Begeisterung entfalten, im Dreck zu graben. Chris war es denn auch, der sich intensiv um den Ofenbau des „original blood moon fou kiln“ in brütend heisser Hitze kümmerte (in derselben Woche war auch die Mondfinsternis 2018!). Für den Brand der Reliefkacheln sollte es gemäss Internet möglich sein, den Ton in weisser und schwarzer Färbung hinzubekommen. Die Farbe sei durch den gewissen Verbrennungsprozess mit und ohne Sauerstoffzufuhr, zu erreichen… Diese Herausforderung nahmen wir an, und letztlich brauchten wir nur noch die edlen Ton-Platten zu erstellen, wofür wir den Workshop einberiefen.
7. Wie war das mit dem Fliesen-Workshop?
Für einen Nachmittag haben wir alle Ferien(s)passagiere eingeladen zum Tonen von einem Relief. Es war die Aufgabe jedes und jeder einzelnen, einen eigenen Ansatz für ein Relief zu finden. Wir besprachen, welche Hinweise sich im Schloss entdecken liessen, doch sollte jeder sich auch draussen umsehen. Ein vergnüglicher Nachmittag ergab sich daraus und für kurz verwandelte sich das Schloss mit Park in ein wuselndes Ateliercamp.
Danach mussten die Fliesen noch trocknen, weshalb wir sie zwischenzeitlich im super heissen Fou-Gewächshaus zwischenlagerten. Darauf folgten die Brennvorgänge. Technisch war die schwarze Färbung unsere Herausforderung. Der Chris-Ofen lief praktisch automatisch und diente gleichzeitig als Grill für das Blood-Moon-Dinner. An der Form der Kaminrohre kann man ablesen, dass wir zwei Mal das Experiment durchgeführt haben.
Und dann YEAH, flea, fly, fou!! Endlich kam der grosse Moment als wir den Schatz heben konnten; mit weissen und schwarz eingefärbten Fliesen!
Auf einzelnen sind sogar die Spuren vom Heu, das zur Verpackung diente, zu sehen. Die Bilder erzählen mehr! Wow, wir waren fast komplett erfolgreich!
Da geht was!
8. Chris, you helped Salome for her workshop building the kiln. What inspired you to participate in thisproject and build the kiln?
My experience in ceramic technology is limited and comes mainly from watching TV. I started to make clay models (mostly mermaids and dolphins, occasionally witches) with my daughters at the GZ Leimbach years ago when it was still located on the edge of the wild forest. Sabine of GZ Leimbach runs outdoor Raku burning sessions which remain legendary; I have never actually seen one occur in practice but I understand that she uses both wood and clay.
The design of the kiln we built at Fougerette has much to do with the british TV series “Time Team”. There, amongst others, old men in knobbly jumpers speak with a Somerset accent while digging up evidence of pottery on Roman or iron age sites. From time-to-time, artisans appear and attempt to manufacture replicas of the artefacts using the technology of the era.
Archaeologists work exclusively in pits and trenches so it was a sure bet that any pottery kiln of mine would be at least partly subterranean. We re-acted the TV series faithfully and can confirm the kiln was of Swiss-Roman origin; a high-status villa and rave complex was inferred from tiny fragments of glazed roofing tile and ceremonial glow sticks.
The project “ignited” at the Brocki, that is, when I found Salome in her summer dress with both arms (up to her elbows) inside lengths of sooty black stove pipe; not unlike the Tin Man from the „Wizard of Oz“ but somewhat dirtier. It was really great to see her so “inflamed” with enthusiasm when she found a cache of valuable chimney parts at the local Emmas joint.
It was a wonder how much scrap metal can be transported on a bicycle in the summer heat…
9. Letzte Frage an Salome: Was war Dein Traumberuf als Kind?
Am liebsten wollte ich Snowboarderin werden, weil sie so schöne Spuren in den Schnee zeichnet.
Liebe Salome, da schon Dezember, passt dieser Wunsch perfekt zur Jahreszeit… Vielen Dank fürs Interview und den wunderbaren Workshop! Herzlichen Dank auch an alle TeilnehmerInnen, die den Ton mit solcher Hingabe zu diesen wunderbaren Kacheln geformt haben – und last but not least an Chris (seit der Mechatronik-Woche 2014 regelmässiger Gast auf Fougerette), der Salome so tatkräftig unterstützt hat!
Falls Du schon mal auf Fougerette das Tanzbein geschwungen hast, erinnerst Du Dich bestimmt an die unglaubliche Deko, die jeweils das ganze Schlossgelände in eine Wunderwelt verwandelt…
Eine der kreativen Macherinnen hinter diesen Wunderwelten ist Nina Haas, die jeweils beim bei den Kapi-Tän-Zen ihre Fantasie sprühen lässt. Die gelernte Kleidermacherin gewann 2006 als Newcomerin den „Swiss Talent Award“ am Walk of Fashion in Winterthur, was ihr Leben erst mal gehörig durcheinander wirbelte. Mittlerweile entwirft Nina auch Kostüme, macht Deko für Zürcher Clubs und hat gemeinsam mit DJ und Lebenspartner Martin Comini ein eigenes Design-Label lanciert (www.u-and-i.ch). Die Zürcherin mit Bündner Wurzeln ist kein Mensch der grossen Worte. Feingliedrig und gertenschlank, spürt man bei ihr gleichzeitig diese innere Spannkraft, dieser Wille, sich nicht verbiegen zu lassen.
Nina, als Designerin tanzt du auf vielen verschiedenen Hochzeiten. Wo hast Du Deine ersten gestalterischen Gehversuche gemacht?
Mir war früh klar, dass ich im kreativen Bereich tätig sein möchte. Meine Eltern ermutigten mich, etwas zu finden, das mir Freude bereitet. Die visuelle Kommunikation der Kleider faszinierte mich schon früh. Als ich 14 war, spielte ich gerne damit, mich unterschiedlich zu kleiden und war fasziniert davon, was für einen Einfluss Kleider haben: Deren Kraft ist enorm, sie beeinflussen nicht nur, wie uns die Welt wahrnimmt, sondern auch unser Selbstgefühl.
Du bist dann allerdings mit 16 erst mal nach London ausgewandert…
In diesem Sommer arbeitete ich am oberen Letten und sparte etwas Geld. Ich wollte mehr von der Welt sehen und entschied mich, nach London zu gehen, um dort die Sprache zu lernen – unter anderem in der Hoffnung, später in einer Modeschule Fuss zu fassen. Mir gefiel der „London style“. Weg vom eher konservativen Graubünden war London für mich die absolute Befreiung. Dort entdeckte ich auch die Underground Partyszene, lebte in besetzten Häuser und lernte interessante Menschen aus der ganzen Welt kennen. Damals fiel mir auf, wie sehr wir von der eigenen Kultur geprägt werden und wie stark diese unser Denken das Fühlen beeinflusst. Das weckte meine Lust zu Reisen. So reiste ich anschliessend für 3 Monate durch Indien. Ich bin sehr froh um diese Zeit, denn in diesem Alter, bist du noch auf der Selbstsuche. Da tut das Reisen gut.
Hast Du die Ausbildung später nachgeholt?
Ja. Doch ich ging lieber vom Handwerk aus. Mit 19 Jahren habe ich eine 2-jährige Ausbildung als Kleidermacherin gemacht. Dort konnten wir als Lernende schon während der Ausbildung einen eigenen Style entwickeln. Drapieren an der Büste mochte ich besonders gerne. Im 2. Jahr setzte ich eine selbstentworfene Kollektion um. Zu diesem Zweck brachte ich mir diverse Techniken bei, um Textilien zu gestalten, etwa Seidenmalerei, Bleaching und Batik. Eigene Drucke zu entwerfen hat mir Spass gemacht. Die Muster wurden speziell ans Schnittmuster angepasst. Damals zeichnete ich alles von Hand.
Sozusagen aus dem Nichts heraus hast Du dann 2006 mit der Kollektion „Cocoon“ am Walk of Fashion den „Swiss Talent Award“ gewonnen…
Ja, das konnte ich zuerst fast nicht fassen! Damals war ich gar nicht mal so zufrieden mit dem Resultat, ich hatte eine andere Favoritin.
Ein solcher Preis ist ja oft auch ein Sprungbrett für eine Karriere…
Damals meldete sich tatsächlich ein Investor. Doch letztlich hatte ich das Gefühlt, es sei zu früh für eine grosse Kiste. Ich hatte noch viel zu lernen und bin heute froh, dies in kleinen Schritten gemacht zu haben und ohne mich zu verschulden. Die Anfrage hat mich jedoch sehr motiviert, gleich weiter zu machen. Somit gründete ich das Label KUKI und zog nach Bali, wo ich dann 5 Jahre lebte und eigene Designs umsetzte. Ich verkaufte Kleider in der Schweiz, London und Bali. Die letzte Kollektion von KUKI verkaufte ich 2011.
Kollektion Cocoon – Walk of Fashion 06
Leggins Print Design
Dress Print Design
Tie Die, Detail
Pailletten-Leggins, handgenäht
Und was machst Du denn jetzt?
Kleider, Accessoires, Kostüme, Objekte… Für mich fliesst das alles ineinander und so können etwa Lichtobjekte durchaus auch Impulse für Kostüme geben. Inzwischen kreiere ich hauptsächlich Einzelstücke.
Für wen oder mit wem arbeitest Du zusammen?
Seit über fünf Jahren arbeite ich mit der Performance-Künstlerin Zora Vipera. Ich habe diverse Kostüme für sie kreiert. Wir teilen ähnliche Inspirationen und ergänzen uns gut. Als Zora mich anfragte, hatte ich gerade die Kleider für den Film Portable Life von Fleur Boonmann gemacht, in dem auch Rutger Hauer mitspielte. Da entdeckte ich meine Passion für zeitaufwendige Einzelstücke.
Zora & Müslüm gewinnen Swiss Style Award (mit Ninas Kopf- und Schulterschmuck)
Zora wearing Rider wearing costume by Nina Haas
Spider-Cat (Häkel-Maske & Catsuit by Nina Haas)
Mutanta-Maske, work in progress
Zora als Hypnotica (mask by Nina Haas)
Mutanta-Performance von Zora, Bern
Zora im Pipilotti-Pixelwald, Kunstmuseum Zürich
Licht-Performance im Cabaret, Zürich
Detail, Harlekina-Panty
Harlekina (costume by Nina Haas)
Mit Comini ist das Licht in mein Leben gekommen. Gemeinsam haben wir das Label U+I gegründet, für das wir Design-Objekte entwickeln. Angefangen hat das Ganze mit Spielereien im Atelier. Dann öfters gemeinsam Partys dekoriert. Auch der Quallenwald, welcher wir für den Captain’s Rave realisierten, ist ein gemeinsames Projekt. Nachdem wir eine Wand und die Eingangstüre im Club Zukunft gestaltet hatten, kam der Auftrag die WCs zu designen. Das hat uns sofort interessiert, weil die Toiletten im Nachtleben eine wichtige Rolle spielen, aber oft vernachlässigt werden. Bei diesem Auftrag entstand unter anderem auch der Spiegel, der uns dazu bewegte, ein eigenes Label zu gründen.
Comini beim Sample-Bau
Nina Glasfaserblau
Lichtprojektion
Spiegelobjekt am Entstehen
Lampe
Lichtprojektion mit Spiegel
Spiegel-Objekt „EYE“ (by u+i, Damen-WC, Club Zukunft, Zürich)
Endlos-Spiegel “STARDUST“, Club Zukunft, Zürich (by u+i, Decke Ansicht WC)
Z-Kugelwand, Club Zukunft, Zürich (by u+i)
Wie wichtig ist es bei einer Zusammenarbeit, dass die Chemie stimmt?
Das ist für mich das Allerwichtigste. Springt der Funke nicht, trägt die Arbeit keine guten Früchte. Danach orientiere ich mich.
Eine besondere Art der Zusammenarbeit entsteht jeweils beim Captain’s Rave…
Stimmt, der Captain’s Rave ist ein sehr spezieller Anlass mit einer fantastischen Kulisse. Es ist eine unglaubliche Team-Leistung, denn die verschiedenen Locations werden von rund 30 Personen bespielt, die oft schon wochen- wenn nicht monatelang im Voraus an der Deko arbeiten. Es entstehen dabei wunderbare Sachen, richtige Zauberwelten. Es gibt tolle Performances und gute Musik auf mehreren Floors. Dieser Event ist ein echtes Liebhaberprojekt. Viele Gäste machen auch ihre Kostüme selber. All das macht den Event so farbig und besonders. 2017 steigt das 10-jährige Jubiläum und alle Tentakel wackeln schon vor lauter Vorfreude auf das Riesenspektakel : )
Meerjungfrau (costume by Nina Haas, Formenbau Cacha and friends)
Magic Mushrooms
Magic Mushrooms II
Walfischbauch (Licht-Design by Nina Haas & Comini)
Keller-Floor
Stimmungsbild Keller-Floor
Quallen (Licht-Objekte aus Glasfaser, by Nina Haas)
Quallen (Innenbleben)
Detail Qualle (Licht-Objekt aus Glasfaser)
Du sagst von Dir, dass Du lieber im Hintergrund bleibst. Wie wichtig ist Dir Anerkennung?
Wenn man Sachen macht, die keinen Träger finden, bleiben sie leblose Objekte und verlieren ihre Erfüllung. Für mich ist es die grösste Bestätigung, wenn jemand meine Kleider mit Freude trägt und sich darin ganz zuhause fühlt, sich selbst sein kann.
Was bedeutet Geld für Dich?
Früher war Geld für mich der Feind. Verantwortlich dafür, dass meine Familie zerbrach. Schuld daran, dass die Welt zugrunde geht. Inzwischen habe ich mit dem Geld meinen Frieden gemacht und sehe es als das, was es ist: Ein Mittel zum Zweck. Wenn Du keine finanzielle Existenz hast, dann blockiert Dich das. An dem Punkt stand ich auch schon. Nun habe ich einen Job, der mich finanziell trägt. Das gibt mir Raum fürs Kreative, denn mir ist es wichtig, dass die Inspiration mein Antrieb ist und nicht das Geld.
Bist Du eine Einzelkämpferin?
Ich bin sicher gerne für mich. Diese Zeit ist sehr wertvoll und notwendig für meine Arbeit. Ich liebe es jedoch, mit anderen Menschen zu arbeiten. Wenn man sich gegenseitig inspiriert, beflügelt das enorm.
Dein Stil?
Im stetigen Wandel. Kleider und Kostüme nutze ich nicht mich zu Verkleiden, sondern um einen Aspekt der Persönlichkeit zu untermalen. Oft habe ich keine Lust, mich zu schminken. Doch manchmal ist genau dies notwendig, gewisse Züge hervorzuheben. Ästhetisch und kulturell fasziniert mich Japan. Von den Epochen her beeinflussen mich die 20er und 70er Jahre.
Würdest Du Deine Kreationen als Kunst bezeichnen?
Manches ja.
Und was motiviert Dich zu Deinen Kreationen?
Woher dieser Drang kommt, Dinge zu kreieren, weiss ich nicht. Seit der ersten Kollektion interessiert es mich, Kleider mit Tanz in Bewegung zu bringen, was deren Ausdruck verstärkt. Bei den Arbeiten geht es mir auch um die Vermittlung eines Lebensgefühls. Transformation bewegt mich. Ich möchte gerne Dinge erschaffen, die animieren und manchmal auch etwas hypnotisieren.
Wie verläuft denn der Designprozess konkret?
Bei einem Auftrag für eine Raumgestaltung beeinflusst mich natürlich der Kunde, der Zweck des Raumes, aber auch der Raum selber. Bei Kostümen für Tanz und Performance ist dies ähnlich. Da formen sich die Ideen über Empathie. Neue Ideen kommen oft übers Spielen mit einem Material oder einer Form. So lernt man die Materie und deren Eigenschaften kennen. Ich finde es spannend, eine Arbeit nicht mit einer konkreten Vorstellung anzufangen. Wenn nicht nur der Kopf arbeitet, gibt es Platz für die Intuition, und die ist wunderbar.
G.brüll (Model: Zora, Foto by Maren Michel)
G.brüll (Einzelstück, Teller by Julia Nägeli)
G.brüll (Model: Nina Haas, Selfie)
Du nimmst Dir also viel Zeit. Wie beurteilst Du, ob und wann eine Arbeit fertig ist?
Um Arbeiten zu einem Ende zu bringen, hilft es, eine Deadline zu haben. Sonst kann es schon passieren, dass sich die Idee ewig weiter entwickelt. Bei mir im Atelier liegen viele angefangene Projekte. In manchen Zeiten empfand ich das als Belastung. Doch inzwischen bin ich mir bewusst, dass es ein Prozess ist, Dinge zu entwickeln.
Gibt es Materialien, mit denen Du besonders gerne arbeitest?
Ich liebe spiegelnde Sachen und optische Effekte. Auch sammle ich alte Materialien, die man in Kostüme integrieren kann. Früher konnte man den Dingen Zeit widmen. Das ist auch in meinem Sinn. Bei den Kleidern sind mir das Tragegefühl und die Qualität sehr wichtig. Dort bevorzuge ich natürliche Materialien. Trotzdem bleibe ich gerne offen, letztlich bestimmen die Eigenschaften des Materials meine Wahl.
Häkel-Maske für Spider-Cat Kostüm, Kragen gefaltet aus Karton mit 3-Plastizität
Welches künstlerische Neuland würdest Du gerne betreten?
Filmschnitt. Ich möchte mit dem Objekt “The Money Blinder“, das im Jahr 2012 entstand, ein Stop-Motion Video machen. 3D zeichnen ist auch ein Thema, um Arbeiten umsetzen zu können, da bin ich bereits dran. Ich möchte mich stetig weiterbilden, und lerne, was nötig ist, um bei meinen Projekten weiter zu kommen. Derzeit erlerne ich gerade das Handwerk der Modistin (Hutmacherin).
Wenn Du die Kostüme für einen weiteren Film machen könntest, welcher wäre es?
Fleur Boonman schreibt gerade ein neues Film-Script, das würde mich extrem reizen… Meine grosse Passion ist allerdings die Live-Performance, weg vom Bildschirm, direkt in den Moment. Eine Inspiration wäre es zudem, bei einem hochprofessionellen Performance-Projekt mitzumachen, etwa von Mummenschanz.
Zu guter Letzt noch diese Frage: Glück ist für mich…?
Die Freiheit.
Das gefunden zu haben und machen zu dürfen, was ich am meisten liebe.
Sauberes Wasser und frische Luft.
Exklusiv für Kostümanfragen (zum Beispiel von Mummenschanz :-)) hier der direkte Kontakt zu Nina: nina@u-and-i.ch.
Dieses Jahr finden der eingangs erwähnte Captain’s Rave zum zehnten Mal statt, das Jubiläum wird selbstverständlich in Hochform und in stilgerechter Umgebung begangen. Der Anlass ist eine „Soirée Privée“, Anmeldung & weitere Infos via tentakel@captainsrave.ch.
Im Frühling 2015 hielt Steffi als Bauleiterin und Hausmutter in Personalunion auf Fougerette die Zügel in den Händen. Damals reiste sie per Traktor mit ihrem Bauwagen aus der Schweiz an. Die Nase im Wind, die Strasse vor sich – die Lust am Abenteuer liegt Steffi offenbar im Blut, denn die gelernte Schneiderin war früher bereits während mehrerer Saisons als Mitstreiterin mit dem Circolino Pipistrello unterwegs, später auch mit dem Circo Soluna in Ungarn. Nach dem Abschluss ihres Studiums in Vermittlung von Kunst und Design an der ZHDK hat sie die Zügel erneut in die Hände genommen: Allein mit einem Packpferd wanderte sie zehn Wochen lang durch Süddeutschland und die Schweiz. Ein Bericht über ein (Lebens-)Kunstprojekt.
Ross & „Lenkerin“
INTERVIEW
Steffi, zehn Wochen alleine mit einem Packpferd zu Fuss unterwegs, das klingt schon ziemlich verrückt… Genau so eine Prise Wahnwitz steckt ja auch in unserem Schlossprojekt, deshalb lieben wir so inspirierende Taten : ) Was hat dich zu diesem Projekt motiviert?
Es war ein lang gehegter Traum. Ich wollte wissen, wie es ist, mit einem Pferd unterwegs zu sein, einem Pferd nah sein zu müssen. Auch bin ich gerne draussen. So mitten in der Stadt wohnend ist es schwierig, sich Raum und Grund fürs Draussensein zu schaffen. Mit diesem Wanderprojekt hatte ich beides. Unterwegs sein bedeutet für mich etwas zu wagen und zu erleben, es ist der Schritt dazu, den Zufall und das Glück herausfordern.
Grossartiges Panorama
Du sprichst von Glück und Zufall. Wie würdest Du Deine Reise rückblickend beschreiben?
Manchmal unglaublich schön, manchmal furchtbar und schlussendlich einfach grossartig.
Welche Hürden musstest Du überwinden, um deinen Traum wahr zu machen?
Die erste Herausforderung war, überhaupt ein Pferd zu finden, das ich auf die Reise mitnehmen durfte. Dann folgte die ganze Materialbeschaffung, angefangen beim Packsattel, dann Packtaschen und Plane nähen und überhaupt herausfinden, was es für eine solche Reise braucht. Eine grosse Hilfe war mir dabei meine Projektmentorin Mirjam Spring, die mich mit der richtigen Literatur, mit Material und vielen hilfreichen Tipps eindeckte.
Kanntest Du Dich schon mit Pferden aus – und wo hast Du überhaupt eins gefunden?
Meine Pferdeerfahrung beschränkte sich auf den klassischen Reitunterricht als Teenie und gelegentliches Reiten oder Spazieren mit Pferden bei Freunden. Ich muss gestehen, ich habe mir oft ein geübteres Auge für die Befindlichkeit und die Körpersprache des Pferdes gewünscht. (grinst)
Als ich merkte, dass Mund-zu-Mund-Propaganda nichts half, machte ich ein Inserat auf tierinserate.ch und prompt meldete sich zu meinem grossen Glück Agathe Reithaar vom Dachsberg im Schwarzwald. Ihre ganze Familie betreibt dort einen Hof, sie geben Reitunterricht, bieten Ausritte an, reiten Pferde ein und züchten Connemara-Ponies.
Rosie
Agatha hat mir als Pferd sofort Rosie vorgeschlagen. Die Idee war, dass dieses Pferd durch das intensive Laufen Muskeln aufbaut, mit dem Gewicht auf dem Rücken umzugehen lernt und sich daran gewöhnt, alleine mit einem Menschen unterwegs zu sein. Auch der zuverlässige, freundlich Charakter der Connemaras sprach dafür, dass Rosie eine gute Begleiterin sein würde.
Hat sich diese Einschätzung von Rosies Charakter bestätigt?
Absolut! Sie war eine treue Begleiterin, kam überall mit und wenn es darauf ankam, behielt sie stets die Nerven. Gestaunt habe ich beim versehentlichen Gang über eine Hängebrücke in Thusis, die ich – ganz in Gedanken versunken – gar nicht richtig wahrgenommen hatte. Bis es dann zu spät war, denn wenden konnte ich das Pferd auf der schmalen Brücke nicht mehr… Ohne mich zu überrennen oder in Panik zu geraten hat Rosie es über die immer stärker schwingende Brücke geschafft. Ich war danach total erledigt, Rosie natürlich die Ruhe selbst.
Gut, in den Punkten Hufe auskratzen und Sich-Striegeln-Lassen sind wir uns nie ganz einig geworden und das hat mich tatsächlich wiederholt auf die Palme getrieben. Eben in genau dieser Sache hätte ich mir mehr Pferdeerfahrung in Pferdeerziehung gewünscht.
Es geht los! Abreise vom Dachsberg…
Das klingt abenteuerlich! Wie lange warst Du letztlich unterwegs?
Los ging’s Ende Juli 2016 im Schwarzwald und genau 10 Wochen später bin ich wieder auf dem Dachsberg angekommen. Für die letzten Vorbereitungen und die ersten Wanderungen verbrachte ich vorgängig noch 10 Tage bei Rosie auf dem Hof.
Wie war Dein Tagesablauf auf der Reise?
Da war täglich der Versuch, richtig früh aufzustehen, so um 6 Uhr… Es wurde dann aber meistens doch 8 Uhr. Vom Aufstehen bis zum Loslaufen brauchte ich rund 3 Stunden. Nur selten schaffte ich es schneller geschafft und es ist mir bis jetzt noch ein Rätsel, warum das nie möglich war. Aber es gab halt immer noch etwas zu richten, flicken oder schwatzen. Nach dem Aufbruch war ich jeweils 2 bis 3 Stunden unterwegs, dann Mittagspause mit Abladen und anschliessend nochmals ein Stück laufen und Nachtplatz suchen. An einem neuen Ort angekommen, kam dann Pferd absatteln, pflegen, füttern, Zaun einrichten, anschliessend etwas für mich kochen und zu guter letzt in den Schlafsack schlüpfen und in sekundenschnelle in den Tiefschlaf kippen. Tagebuch schreiben oder andere ernsthafte Gedanken mussten bis zum Morgengrauen warten.
Wie haben die Menschen auf Dich und Dein Ross reagiert? Gibt es Begegnungen, die Dir besonders im Gedächtnis geblieben sind?
Die Reaktionen der Leute haben mich regelrecht ermuntert und vorangetrieben. Die weisse Rosie muss ein so schönes Bild abgegeben haben. Die Leute waren oft sehr angetan und es kam meistens zu einem Schwatz oder ich durfte dadurch auf den Höfen übernachten. Rosie öffnete mir die Tür zu vielen schönen Begegnungen und Gesprächen. Oft haben sie gestaunt, dass ich alleine unterwegs bin. Es ist schwierig zu sagen, welche Begegnung mir besonders im Gedächtnis geblieben ist, weil kaum denke ich an die eine, kommt mir die andere in den Sinn und ich denke dann, die war aber auch schön.
Aber um zwei zu erwähnen: Das eine war die Vorbereitungszeit auf dem Dachsberg bei der Familie Reithaar-Appenzeller, das war richtig toll. Und das andere, da war ich in der Linth-Ebene unterwegs. Wir waren beide schon beim Loslaufen müde. Ich zog Rosie schon fast hinter mir her und dachte: „Heute besser nicht so weit“. Es kam natürlich ganz anders! Als ich die Ebene bereits passiert hatte und oben irgendwo über Altendorf am Berg war, suchte ich während zwei Stunden vergeblich nach einer Bleibe. Rosie hätte längst eine Pause verdient und ich fühlte mich unerträglich ratlos. Irgendwann meinte der eine Wirt, ich soll es oben im Stollen versuchen, dort gehe es bestimmt. Das bedeutete nochmals 1 km den Berg hochlaufen, ohne zu wissen, ob es wirklich klappen würde… Zuerst zögerte ich, aber kaum machte ich mich mit vielen unnötigen antreibenden Zurufen an Rosie auf den Weg, da hielt ein Auto mit dem rettenden Engel darin. Ich fragte, ob er vom Stollen sei und es möglich wäre, bei ihm zu übernachten. Er überlegte und meinte, ja das gehe irgendwie und brauste schon mal voraus. Also stakste ich lärmend hinterher. Oben angekommen, wurde ich herzhaft empfangen und es wartete auf mich alles, was das Wanderherz begehrte: Stall und Weide fürs Pferd und für mich ein warmes Zimmer, zudem durfte ich einen Pausentag einlegen, Wäsche waschen und – oh Wohltat! – duschen.
Verschiedene Nachtlager
Stichwort Hygiene, wie bist Du damit umgegangen? Zwischendurch hast Du ja auch ganz allein unter freiem Himmel übernachtet…
Schlafen unter freiem Himmel
Ja, unter freiem Himmel war es besonders schön. Die Nähe zum Pferd… mitten in der Nacht konnte ich „Rosie“ murmeln und sie antwortete grummelnd. Es war auch der Moment, um in Ruhe zu kochen und den Geschehnissen der letzten Tagen nachzuhängen. Erstaunlicherweise habe ich mich draussen immer aufgehoben gefühlt, sogar im Graubünden zur Jagdzeit. Wäre Rosie braun gewesen, hätte ich es wohl vermieden. Aber ich dachte: „So blöd wird nicht mal der besoffenste Jäger sein, auf ein schneeweisses Tier zu schiessen“.
Was die Hygiene betrifft: Zwischendurch eine schöne Dusche zu bekommen, die Gelegenheit gab es immer wieder und es ist auch nicht so tragisch, ein paar Tage vor sich hin zu stinken. (lacht) Solange man sich im Wald aufhält oder an einem vorbeikommt, lässt sich meistens auch ein stilles Örtchen finden. Ich habe allerdings darauf geachtet keine Spuren zu hinterlassen und das hiess jeweils: Loch graben, Geschäft rein, danach zudecken, das gebrauchte WC-Papier mitnehmen und verbrennen oder in den nächsten Abfall schmeissen.
Schöne Architektur – bloss: Wo kann ich aufs Klo?!
Allerdings hat mich das Thema WC doch ein paar Mal in unangenehme Situationen gebracht. Was macht man am heiterhellen Tag mitten in der Agglomeration, wenn weit und breit kein Wald in Sicht ist und man urplötzlich und ganz dringend man aufs Klo muss? Sich einfach am Strassenrand zu erleichtern ist hierzulande ja doch nicht gerade üblich. Also führte mich die Not aufs nächste Haus zu, etwas widerwillig wurde mir der Gang aufs WC gewährt. Für die nötige Sympathie sorgte Rosie, die in meiner Abwesenheit fleissig mit Zucker gefüttert wurde. Als ich zurück kam schaute ich die Frau erstaunt an und fragte ungläubig: „Was, Sie füttern dem Pferd Zucker?“ Sie strahlt mich an und meinte: „ Ach, das macht nichts, das haben wir früher immer so gemacht.“
Es kam natürlich auch mal vor, dass ich, Rosie am Führstrick haltend, ein „Seeli“ am Wegrand hinterliess, weil es keine andere, vernünftige Möglichkeit gab. Einmal auf einer Waldwiese habe ich dabei den Führstrick losgelassen und sogar über den Packsattel gelegt. Ich ging davon aus, dass sich Rosie wie sonst auch aufs Gras stürzen und fressen würde. Weit gefehlt! Genau dieses eine Mal verstand sie das als Einladung, sich zügig davon zu machen und im Gebüsch zu verschwinden. Ich riss meine Hosen wieder hoch und stolperte ihr panisch schreiend hinterher. Auf dem Weg lagen alle paar Meter zerstreute Gepäckstücke – Feldflasche, der Gaskocher und anderes Zeugs – und zuletzt an der Kreuzung lag eine der beiden Seitentaschen abgerissen. Weiter vorne erblickte ich dann Gott sei Dank Rosie – der Sattel war bereits auf die Seite gerutscht, die andere Seitentasche hing zwischen ihren Beinen. Ich rannte zu ihr, konnte sie einholen und das ganze Desaster provisorisch wieder herrichten. Erst eine Stunde später besinnte ich mich meiner Notdurft und erledigte diese, Rosie haltend am Wegrand.
Wald-Idylle
Du hast pro Tag zwischen 8 bis 25 Kilometer zurückgelegt. Wie fühlt sich die Welt aus dieser Langsamkeit heraus an?
Ich weiss nicht, ob die Langsamkeit entscheidend ist. Eher ist es die Reduktion auf eine einzige Idee, der man nachgeht. Es ist die Schwebe zwischen Plan und Zufall. Damit meine ich, es zu nehmen, wie’s kommt, angewiesen zu sein auf die Grosszügigkeit und Offenheit der Leute und doch den Schwung und die Richtung beibehalten. Man übergibt sich der Gesellschaft und der Natur. Es ist ein intensives Erleben, die Hochs und die Tiefs liegen manchmal unerträglich nah beieinander. Ich entwickelte eine unendliche Dankbarkeit für jede Freundlichkeit und alles was einfach funktionierte.
Welche Schwierigkeiten gab es denn unterwegs? Und hast Du diese erwartet oder waren es letztlich ganz andere Probleme, die Dich beschäftigten?
Schwierig fand ich es, überhaupt mit den Vorbereitungen zu starten. Vorab fragte ich mich, was denn eigentlich der nächste Schritt sein müsste. Als es soweit war und ich feststellen musste, dass nichts mehr fehlte und ich Abmarsch bereit war, war ich regelrecht überrascht.
Gesellschaft für Rosie
Befürchtet habe ich vor allem, dass Rosie es nicht packen könnte, allein mit mir unterwegs zu sein. Pferde sind ja Herdentiere und nicht gern allein. Ich machte mir Sorgen, dass sie nachts keine Ruhe finden und aus dem Zaun ausbrechen könnte. Ich stellte mich auf Koliken, Fehltritte, verlorene Hufeisen usw. ein. Nichts von dem geschah, im Gegenteil! Auf Rosie war totaler Verlass. Schwieriger waren eher die äusseren Einflüsse, der Zoll, das Militär, die tausend Sachen, die ich verlor, steile bergige Aufstiege und bei der Suche nach Übernachtungsmöglichkeiten, dass die Entscheidungsberechtigten über Land und Hof noch nicht zu Hause waren.
Hast Du unterwegs auch mal ans Aufgeben gedacht?
Oh ja, immer wieder! Und doch wäre es nicht in Frage gekommen. Die anfängliche kaum lösbare Packerei und die vielen Dinge die laufend auszubessern waren, dazu ein zappelndes Pferd, das sich nicht putzen lassen wollt, das war zum Verzweifeln. Später waren es Rückenschmerzen, die mich stets begleiteten. Aber solange es der Rosie gut ging und das Glück an meiner Seite war, wollte ich diesen lang gewünschten und geplanten Ausnahmezustand nicht aufheben. Im Grunde ist aufhören schwieriger als weitermachen.
Du hast auf Deiner Reise sowohl im wörtlichen als auch im übertragenen Sinne neue Horizonte entdeckt. Welche Tipps würdest Du Möchtegern-Nachahmer/-innen geben?
Die Reise hat mir viel Zuversicht gegeben und den Mut, einige Dinge zu verändern. Mein geographischer Horizont hat sich vor allem zum Schwarzwald hin erweitert. Schön sind da die ruhigen Wege ohne die unangenehmen Überraschungen wie ich sie von der Schweiz her kenne. Durch die fehlenden Bergspitzen als Orientierungspunkte und die längeren Strecken im Wald verliert man allerdings schnell die Orientierung, kann sich leicht verschätzen und dann landet man plötzlich viel nördlicher als geplant.
Volki hat mit angepackt
Tipps für Nachahmer? Entscheidend ist eine gute Vorbereitung. Das Material muss stimmen. Der Hufbeschlag muss gut sein, Zollangelegenheiten würde ich vermeiden und je mehr Kenntnisse übers Pferd, desto besser. Ideal ist auch eine Mischung zwischen einem Plan haben und flexiblem Handeln in der Situation. Sehr gut ist auch, sich Fehler nicht übel zu nehmen, sondern einfach das Beste daraus machen. Der Fotoapparat, welcher auf der Strecke liegengeblieben ist, bescherte Rosie, Volki und mir beispielsweise eine schöne und entspannte Wildübernachtung.
Werfen wir zum Schluss einen Blick in die Kristallkugel: Welches Projekt oder welche Reise steht denn als nächstes an?
Es wäre schön, nochmals eine Tour mit Pferden zu machen. Nächstes Mal nicht alleine, es muss auch nicht ganz so lang sein, wahrscheinlich eher ein Ferienprojekt. Vielleicht im Schwarzwald, vielleicht im französischen Jura oder gleich vom Schwarzwald in den Jura, oder… Ach, eine genaue Vorstellung existiert nicht. Aber, hi hi, irgendwo war ja mal noch die Idee bis ins Château de Fougerette zu pilgern…
Nein, dieser Beitrag ist keine Filmkritik, obwohl „Stranger Visions“ als Filmtitel je nach Genre ganz vielversprechend sein könnte. Dennoch lässt sich beim Film anknüpfen, denn der 20-jährige Sci-Fi Thriller „Gattaca“ (absolut sehenswert, den Trailer gibt’s hier) nahm vieles vorweg, was heute Realität wird… Doch alles der Reihe nach, denn „Stranger Visions“ ist ja eben kein Film, es ist ein Kunstprojekt. Das Zweideutige ist dabei schon im Namen Programm, denn auf Deutsch lässt sich der Name wahlweise wie folgt übersetzten: Befremdliche Sicht, kuriose Erscheinungen, Traumbilder von Unbekannten.
Wenn das Unsichtbare sichtbar wird
Die amerikanische Informationskünstlerin Heather Dewey-Hagborg hat für „Stranger Visions“ auf den Strassen New Yorks Zigarettenkippen, Haare oder Kaugummis eingesammelt. Diese zufälligen Hinterlassenschaften wurden anschliessend im Labor gentechnisch analysiert, daraus entstand jeweils ein mögliches 3D-Porträt der Person, welche die Zigarette geraucht, das Haar verloren oder den Kaugummi ausgespuckt hat.
Stranger Visions (2012-2013)
Es geht also darum, welche physischen Spuren wir im öffentlichen Raum hinterlassen, und wie diese Spuren uns belasten könnten, wenn der Gesetzgeber es versäumt, den Rahmen für die Auswertung genetischer Daten abzustecken.
Wir stehen am Anfang der genetische Überwachung
Dewey-Hagborg initiierte das Projekt, als es ihr wie Schuppen von den Augen fiel, dass zwar eine nationale Diskussion über elektronische Überwachung geführt, aber diese Form der biologischen Kontrolle dabei völlig ausgeklammert wurde. Sie war zugleich verstört und besorgt wegen der sich abzeichnenden Möglichkeit, die Menschen genetisch zu überwachen.
Tatsächlich gibt es immer mehr DNA-Datenbanken und die Technologie dahinter wird nicht nur immer ausgefeilter, sondern auch immer einfacher zugänglich. Aus staatsbürgerlicher Sicht lautet die entscheidende Frage: Wer soll Zugang zu den Testergebnissen bekommen und wer wird die Macht haben, diese gegen uns zu verwenden?
Wer schützt die genetische Privatsphäre?
Die Praxis, das mögliche Erscheinungsbild des Täters über forensische Proben vom Tatort zu erstellen, wird “Forensic DNA Phenotyping” (FDP) oder auch “molekulares Foto-Fitting“ genannt. Könnte es so weit kommen, dass die zukünftigen Schwiegereltern beim ersten Treffen unauffällig unser Weinglas verchwinden lassen, um es genetisch analysieren zu lassen?
Dewey-Hagborg erkennt darin nicht nur das Potential für ein weiteres Kunstprojekt, sondern auch eine Marktlücke. Unter dem Slogan „Be Invisible“ hat sie das Kunst-Unternehmen http://biogenfutur.es ins Leben gerufen. Die beiden Produkte im Angebot heissen „Erase“, ein Spray, welches 95% der genetischen Spuren entfernt, sowie „Replace“, ein Spray, welcher die restlichen 5% maskiert.
Beide Produkte können zuhause selber hergestellt werden, die Künstlerin arbeitet Open Source und der DIY-Guid ist online verfügbar: http://biononymous.me/diy-guides/.
„You wouldn’t leave your medical records on the subway for just anyone to read. It should be a choice. You should be in control of how you share your information and with whom: be it your email, your phone calls, your SMS messages, and certainly your genes. Invisible is protection against new forms of biological surveillance.“
Trotz einem tollen Endspurt hat unser Crowdfunding das gesetzte Ziel leider verpasst und das Künstlerzimmer „Calèche Visionnaire“ wird somit nicht realisiert. Ganz herzlichen Dank trotzdem an alle Spenderinnen und Spender und an all diejenigen, die sich die Zeit für ein Feedback genommen haben!Da es für uns ein erster Versuch war, bei der Finanzierung neue Wege zu gehen, nehmen wir einige Learnings mit, bleiben jedoch wild entSCHLOSSen, weitere Zimmer mit inspirierendem, verspieltem, wildem oder verrücktem Innenleben zu gestalten : )
Abschliessend möchten wir uns bei Attila Maria Wittmer und Florian Paul Koenig für die spannende und sehr angenehme Zusammenarbeit bedanken. Wir wünschen Euch beiden für die weiteren Projekte viel Erfolg und auf dass es Euch weiterhin gelinge, so viel Schwung ins Luzerner Kulturleben zu bringen, wie Ihr das mit der Salle Mobile bereits tut!
::: ZWISCHENSTAND VOM 12. JULI 2016 :::
Der 16. Juli ist das Stichdatum für die Finanzierung des Künstlerzimmers von Wittmer & Koenig. Der aktuelle Spendenstand dümpelt allerdings noch auf tiefem Niveau vor sich hin d.h. wir liegen unter 50%. Es stellen sich also folgende Fragen: a) Kriegen wir’s noch hin? und b) Woran liegt es?
Danke im Voraus für Deine Spende bzw. Dein Feedback! Falls gewünscht kannst Du am Seitenende auch einen Kommentar hinterlassen, für uns ist jede Rückmeldung hilfreich : )
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::: POST IN DER ORIGINALFASSUNG VOM 16. JUNI 2016 :::
Wir freuen uns sehr, das nächste Künstlerzimmer zu lancieren! Mit Attila Maria Wittmer und Florian Paul Koenig haben wir zwei spannende und sehr sympathische Schweizer Kunstschaffende für eine Zimmergestaltung gewinnen können, die derzeit mit ihrer Salle Mobile zum Thema „Salle Modulable“ in der Luzerner Kulturszene für einigen Wirbel sorgen. Wenn alles klappt, sollte in absehbarer Zeit aus dem bisherigen Zimmer „Calèche“ eine „Calèche Visionnaire“ entstehen, mit der Luftschlosser, Visionssuchende und Verträumte mit grossen Plänen in eine glorreiche Zukunft kutschieren können : )
Wenn Du mehr über die Künstler hinter dem Vorschlag wissen möchtest, dann laden wir Dich ein, das Interview im Post „Meet Wittmer & Koenig“ zu lesen.
DAS VIDEO ZUM PROJEKT
http://www.youtube.com/watch?v=z89cRvx6tHE
ACHTUNG, FERTIG, LOS
Die ersten drei Künstlerzimmer hat der Verein aus eigenen Mitteln bestritten, doch das Budget fiel in der Folge eher mager aus, worüber die Kunstschaffenden äusserst grosszügig hinweg gesehen haben. Damit wir Kunstprojekte zukünftig so umsetzen können, dass für diese nicht nur Ruhm und Ehre rausspringt, sondern auch ein paar Moneten, haben wir uns entschieden, es auf eigene Faust mit einem Crowdfunding zu probieren…
SO KANNST DU „CALÈCHE VISIONNAIRE“ UNTERSTÜTZEN:
Für Konzept, Material und Realisierung ist ein Budget von EUR 5’252 veranschlagt; die genauen Angaben findest Du im Dossier (vgl. oben „Die Dokumentation“). Der Verein erbringt alle Arbeitsleistungen ehrenamtlich.
Unterstützen kannst Du uns moralisch und/oder finanziell. Für ersteres genügt es, ein paar positive Gedanken in den Äther zu schicken oder diesen Link an Personen weiter zu leiten, die sich dafür interessieren könnten. Für eine finanzielle Unterstützung hast Du folgende Möglichkeiten:
Betrag (EUR)AnzahlDein Dankeschön
€20
–
Du wirst Vereinsmitglied fürs laufende Kalenderjahr : )
€50
100
Publikation „Calèche Visionnaire“ von Wittmer & Koenig (Versand per Post).
€100
50
Lavendelduft für TraumtänzerInnen…. Die Publikation „Calèche Visionnaire“ von Wittmer & Koenig wird von einem zart duftenden Lavendelsäckli begleitet (Versand per Post).
€200
30
Leckermäulchen aufgepasst: Wir versüssen Dir die von den Künstlern handsignierte Publikation „Calèche Visionnaire“ zusätzlich mit 1 kg feinem Schloss-Honig (Versand per Post).
€500
20
Du magst Einzigartigkeit? Dann entscheide Dich für eine Zeichnung des Künstlers Attila Maria Wittmer (Unikat, Format DIN A4 oder A3, mixed media). Der Versand erfolgt per Post.
€1000
3
Die Seele baumeln lassen und in das üppige Grün des Schlossparks eintauchen… Im Gegenzug für Deine Unterstützung hat Du 2 Übernachtungen für 2 Personen im „Calèche Visionnaire“ mit Vollpension zugute. Euch begrüsst ein Glas perlender „Crémant de Bourgogne“, die handsignierte Publikation zum Zimmer und ein feiner Schloss-Honig für zuhause ist selbstverständlich ebenfalls mit einbegriffen. Da die Liegefläche der visionsgenerierenden Kalesche 140×200 cm misst, wohl nur für Paare und gute FreundInnen ; -)
€5000
1
Es müssen ja nicht gleich Millionen sein wie für die Salle Modulable… Wir bieten visionären Individualisten, Kunstmäzenen oder Firmen mit Affinität zu Kunst am Bau einen anderen einmaligen Jackpot: Eine von Wittmer & Koenig nach Auftrag entworfene Kunstinstallation, die am gewünschten Standort umgesetzt wird (Transport- & Materialkosten exklusive).
MITFINANZIEREN – STEP BY STEP:
Wir geben uns 30 Tage Zeit, um das Budget zu erreichen… Deadline ist also der 16. Juli 2016! Wenn Du das Künstlerzimmer „Calèche Visionnaire“ finanziell unterstützen möchtest, bitte geh‘ wie folgt vor:
Im Betreff schreibe den Zimmernamen plus den gewählten Betrag (Beispiel: „Calèche Visionnaire 50€“).
Wir bestätigen anschliessend den gewünschten Unterstützungsbeitrag per Mail und informieren Dich über den aktuellen Spendenstand. Die Einzahlung des gewählten Betrags wird erst fällig, wenn das Projekt zu 100% finanziert ist und durchgeführt werden kann.
Inhalt der Email:
Dein Name und Deine Adresse für den Versand Deines Dankeschöns bzw. für die Kontaktaufnahme.
Vermerk „Einzahlungsschein“, wenn Du per Post einen Einzahlungsschein erhalten möchtest (ansonsten schicken wir Dir unsere IBAN für eine Online-Überweisung).
Vermerk „Bitte Spendenbescheinigung“ wenn Du eine Spendenbescheinigung des Vereins erhalten möchtest.
Du kannst die Umsetzung übrigens auch im Rahmen eines Volontariats unterstützen und beim Renovieren und Streichen gleich selbst Hand anlegen. Kontaktiere uns dazu bitte per Mail, die Jahresplanung 2016 mit den Öffnungszeiten findest Du hier.
BUDGET UNTER- bzw. ÜBERTROFFEN – WAS DANN?
Wie beim Crowdfunding üblich, wird das Projekt nur dann lanciert, wenn der benötigte Betrag zu 100% finanziert ist.
In einem ersten Schritt gibst Du als UnterstützerIn somit lediglich ein Zahlungsversprechen ab, die Einzahlung wird erst in einem zweiten Schritt fällig, nämlich dann, wenn wir genügend Zusagen für den gesamthaft benötigten Betrag haben. Ob dies der Fall ist oder nicht, wissen wir am 16. Juli 2016.
Sollte der benötigte Betrag übertroffen werden (… rein hypothetisch : ))), so wandert der Überschuss selbstverständlich in den Topf für zukünftige Künstlerzimmer und weitere Kunstprojekte.
Wer genau steckt hinter dem Vorschlag „Calèche Visionnaire“? Hier stehen die beiden Künstler Attila Maria Wittmer und Florian Paul Koenig Rede und Antwort, damit Du sie näher kennen lernen kannst.
Kunst ist…?
… die Möglichkeit den Alltag aufzurütteln und einiges von der Seite her zu betrachten.
Warum arbeitet Ihr ausgerechnet mit Bauvisieren?
Attila ist Zeichner, Florian ist Bildhauer. Wir beide hegen ein grosses Interesse an Architektur. Bevor Attila mit Kunst begann, machte er eine Gärtnerlehre, Florian absolvierte eine Lehre als Geomatiker (der alte Name ist bekannter: Landschaftsvermesser). Daher kannten wir beide das Metallgestell, welches verwendet wird, um geplante Bauten anzuzeichnen. Das Bauvisier ist ein im Ausland wenig oder gar nicht bekanntes Objekt, welches den demokratischen Prozess unterstreicht, der für die Schweiz so typisch ist. Gleichzeitig faszinierte es Attila wegen der unsichtbar gezeichneten Linien und Florian wegen des modularen Volumens, welches sich durch die Bauvisiere signalisieren lässt.
Wie seid Ihr Künstler geworden? Das ist im Nachhinein schwierig zu sagen (lachen). Fest steht: Mit Kunst lässt sich etwas bewegen. Sie gibt uns die nötige Freiheit, das Gegenwärtige zu reflektieren und Dinge von verschiedenen Perspektiven zu betrachten. In den wenigen Jahren, in welchen wir nun Kunst machen, haben wir gelernt, künstlerisch zu denken. Damit meinen wir die vorurteilslose Herangehensweise, den Mut, Experiment zu machen, unkonventionelle Strategien zu entwickeln und auch Abwege als Gehrichtung auszuprobieren.
Was wollt Ihr denn bewegen mit Eurer Kunst? Wir wollen Menschen und deren Gedanken bewegen, wollen einen Diskurs fördern. Sei es unter Freunden, mit sich selbst oder in der breiten Öffentlichkeit. Daher arbeiten wir am liebsten in den Bereichen Kunst am Bau, Kunst im öffentlichen Raum oder wie in Frankreich an Projekten, wo der Besucher direkt involviert wird.
Und wie kam, es dass Ihr als Duo tätig seid?
Das hat sich wohl daraus ergeben, dass wir beide ein ausgeprägtes Faible für Streitgespräche haben. Durch das gegenseitige Erzählen, Zuhören und Argumentieren, reflektieren wir unsere Haltung ständig. Wir sind dauernd in einer Diskussion über Entscheidungen, Vorgehen und Vorhaben. Wir lernen ständig von einander seit wir uns an der Kunsthochschule in Luzern kennen gelernt haben. Unsere erste Zusammenarbeit war dann ein Kunst am Bau Projekt für die Ausgleichskasse Luzern.
In Luzern erregt Ihr mit Eurer Salle Mobile derzeit einiges Aufsehen. Welches Ziel verfolgt Ihr damit?
Die Salle Mobile steht für eine unaufgeregte Diskussion über das brennende
Thema „Salle Modulable„. Dabei setzen wir die Kunst ins Zentrum der Auseinandersetzung. In regelmässigen Abständen regen wir an unterschiedlichen Örtlichkeiten zur öffentlichen Diskussion an. Unser Ziel ist die Vermittlung zwischen den verschiedenen Kulturplayern in Luzern, gleichzeitig streben wir einen konstruktiven künstlerischen Dialog um die kulturpolitische Debatte an. Es ist notwendig, dass die Kulturstadt Luzern sich weiterentwickelt, und dazu wollen wir mit unserer Salle Mobile beitragen.
Zeitungsartikel über Wittmer & Koenig bzw. die Salle Mobile:
Gibt es derzeit neben dem Künstlerzimmer „Calèche Visionnaire“ weitere Highlights in Eurer Arbeit? In der Tat, im Moment scheint alles im Fluss zu sein! Wir haben die Chance, unsere Arbeit bei der Ausstellungsserie Bergwerk unter der kuratorischen Leitung von Heinrich Gartentor zu zeigen. Dabei stellen wir an verschiedenen Ecken in der Schweiz aus. Beispielsweise im Lokal-Int in Biel im August oder dem Grand Palais in Bern im September. Dass wir gleich nach dem Studium in Luzern in anderen Städten der Schweiz ausstellen können, ist eine riesige Möglichkeit für uns.
Letzte Frage: Was bringt Euch garantiert zum Lachen?
Wenn unsere besseren Hälften wieder einmal erkennen, welch grosse Ambitionen wir hegen. Dann kichern wir ganz verlegen…
Florian, Attila, ganz herzlichen Dank fürs Interview!
Ab dem 23. April starten wir in die diesjährige Saison! Mit von der Partie ist erstmals auch unser nigelnagelneuer, hinter den Ohren noch nicht ganz trockener Hofnarr, in den wir total vernarrt sind : )
Gemalt hat ihn die Künstlerin Melanie Tauscher, die als Teil des Duos Müller Tauscher massgeschneiderte Wandbilder für zuhause umsetzt. Ihr Motto: You have the wall, we have the idea. Hat bei uns ganz prächtig geklappt, warum nicht auch bei Dir? Weitere Infos zur Auftragsmalerei findest Du unter http://muellertauscher.ch, das Interview mit Melanie Tauscher findest Du nachstehend.
Der Hofnarr
Englisch court jester, Französisch le bouffon
Der Hofnarr hatte im Mittelalter die Aufgabe und das Privileg, dem Herrscher als Einziger die Wahrheit sagen zu dürfen.
Absolutistische Monarchen beschäftigten Hofnarren als eine Form des institutionalisierten Witzes. Und auch wenn ein Tritt des Königs die kecken Spässe abrupt beenden konnte, so genoss der hofeigene Lustikus eben doch Narrenfreiheit, durfte Adelige parodieren und Wahrheiten aussprechen, die sonst subito zu einer drakonischen Strafe geführt hatte – nicht selten verloren ja anno dazumal Menschen ja in solchen Angelegenheiten wortwörtlich den Kopf!
Seine gesonderte Stellung ausserhalb der gesellschaftliche Normen, gab dem Hofnarren den grösstmöglichen Handlungsfreiraum: Alles was er sagte, konnte aufgrund seiner „Narrheit“ nicht ernst genommen bzw. von den Betroffenen jederzeit als Witz abgetan werden…
Die eigentümlich subversive Kraft des Narren gründet darin, dass „… Gewohnheit und Regelwerk, das Berechenbare und das Erwartbare durchkreuzt werden. Damit appelliert der Frechling an ein allgemeines Bedürfnis: Man soll nicht alles hinnehmen, was von oben verordnet wird. In modernen Institutionen und Betrieben gibt es natürlich keine Narren mehr; sie heissen nun Querdenker oder Charakterköpfe. Die Funktion hat freilich ähnliche Aufgaben – Dinge und Verhaltensweisen gegen den Strich zu bürsten, um mit originellen Ideen etwas zu bewegen, wie das Modewort lautet.“ (zitiert aus einem Vortrag von Dr. Hans-Dieter Vontobel zum Thema „Hofnarr“)
Keine Hofnarren waren übrigens Till Eulenspiegel und sein vorderasiatisches Pendant Nasreddin. Beide sind die Protagonisten mittelalterlicher Schwanksammlungen bzw. humoristischer Geschichten. Eulenspiegels Streiche etwa ergaben sich meist daraus, dass er eine bildliche Redewendung wörtlich nahm und dadurch die Unzulänglichkeiten seiner Mitmenschen blossstellte oder seinem Ärger über die Missstände seiner Zeit Luft nachte.
Kunterbuntes rund ums Thema „Hofnarr“ à la Beifang aus dem Internet:
Gesucht: Hofnarr! Diese erstaunliche Stellenanzeige erregte 2013 die Gemüter, siehe http://www.spiegel.de/reise/europa/hofnarr-gesucht-ungewoehnliche-stellenanzeige-eines-hotels-a-906080.html. Wäre ja vielleicht auch was für Fougerette?!
„Der Hofnarr„, eine US-amerikanische Filmkomödie aus dem Jahr 1955. War zwar ein finanzieller Flop, erhielt jedoch überragende Kritiken und hat sich offenbar über Jahrzehnte hinweg Kultstatus erarbeitet, s. https://de.wikipedia.org/wiki/Der_Hofnarr und http://www.imdb.com/title/tt0049096/. Könnten wir uns mal bei einem Filmabend zu Gemüte führen…
Hof Narr: Ein Tierschutz-Projekt bei Egg in Zürich, welches zu einem enkeltauglichen Umgang mit unseren Lebensgrundlagen inspirieren will: http://www.hof-narr.ch/
Melanie Tauscher im Interview
Melanie, warum ausgerechnet ein Narr? Welche Bedeutung hat diese Figur für Dich?
Er wird euch sicher die Wahrheit verraten! Privilegierte Menschen interessieren mich und Narrenhände beschmieren Tisch und Wände…
In wessen Schuhe würdest Du gerne mal schlüpfen und warum?
In den Frauenschuh (Cypripedium calceolus) um zu wissen, wie man sich darin so fühlt
Warum macht Dir Dein Beruf Freude?
Er erlaubt mir die spannende Suche nach Neuem und lässt mich Freiheit erahnen.
Wie bist Du zur Kunst bzw. ist die Kunst zu Dir gekommen? Via einer langen Reise durch Erlebtes, Gesehenes, Gelesenes, Gehörtes und durch Rahel, meiner Partnerin und Muse seit bald 20 Jahren.
Was bringt Dich zum Träumen, was inspiriert Dich? Zum Träumen bringt mich die Inspiration, inspiriert werde ich von Tagträumen.
Melanie, merci bien pour l’inteview und bis bald auf Fougerette!
Rahel Arzi (ehem. Müller) *1975 und Melanie Tauscher *1973 realisieren ihre Werke als Duo Müller Tauscher. Ideen werden zusammen entwickelt, skizziert, ausgefeilt und umgesetzt. Malerei, Collagen, Installations- und Objektkunst sind die Schwerpunkte ihrer Arbeiten. Eine zentrale Rolle in ihrem künstlerischen Schaffen spielt das Alltägliche und Bedeutungslose. Ihre Werke beschreiben sie selbst als Mischung aus Sarkasmus und Gesellschaftskritik. Stilistisch befindet sich Müller Tauscher zwischen Fotorealismus, Surrealismus, plakativer und klassischer Malerei. Müller Tauscher sind Quereinsteigerinnen, die ihre künstlerische Anerkennung nicht durch einen klassischen Lehrgang an einer Hochschule, sondern rein durch beharrliches Arbeiten erlangen.