Kategorie: Gesichter

Wer alles mitmacht und was die Menschen in und um Fougerette antreibt.

  • Von Hand- und Schuhwerk

    Eva Kirchhofers Schuhmacherei ist stadtbekannt, sie selber so etwas wie eine Zürcher Institution. Als Freigeist und passionierte Köchin schätzt sie Fougerette für gelegentliche Seitensprünge in ein geruhsames Landleben – und wir ihr grosses Herz und exzellenten Kochkünste. Aufzeichnung eines munteren Geplauders.


    Eva, in Frankreich gibt es seit dem 1. Januar 2021 den sogenannten indice de réparabilité (Reparaturindex). Dieser soll Konsument*innen helfen, nachhaltigere d.h. besser reparierbare Produkte zu wählen. Wäre so ein Index auch was für Schuhe?

    Ich würde das begrüssen. Da liegt nämlich einiges im Argen.

    Aber Schuhe kann man doch reparieren, oder?

    Das kommt ganz darauf an. Lederschuhe auf jeden Fall, die kann man sehr lange wieder flicken und in Form bringen. Doch ganz viele Schuhe sind heutzutage aus Plastik und dann oft auch noch aus einem unheiligen Mix aus reinster Petrochemie. Solche gemischten Materialien lassen sich wegen der darin enthaltenten Weichmacher nicht kleben, die kann man nur entsorgen. Dabei steckt in solchen Schuhen viel graue Energie.

    Nachhaltiger wäre also Leder?

    Aus Sicht der Nachhaltigkeit ist Leder eindeutig die bessere Wahl – wenn man es bewusst auswählt. Wenn ich das sage, führt das allerdings immer wieder zu Diskussionen. Mich erinnert das jeweils an den veganen «Convenience Food», der mit viel Energie fleischlos hergestellt wird. Geht das wirklich auf? Für mich sehr fragwürdig. Pro & contra Fleisch, dieselbe Debatte wiederholt sich bei der Diskussion pro & contra Leder.

    Und was für Leder wird denn in der Schuhindustrie verarbeitet?

    Da gibt’s fraglos riesige Unterschiede bei der Lederqualität und damit auch bezüglich des Tierwohls. Für mich selber ist klar: Ich verarbeite nur hochwertiges Leder von männlichen Bio-Kälbern, die möglichst pflanzlich gegerbt und gefärbt sind.

    Die «Muneli» eignen sich also besser?

    Ja. Das hat mit der Faserung zu tun. Das Leder zukünftiger Mutterkühe muss dehnbar sein, deshalb ist es für die Verarbeitung zu weich.

    Interessant. Gibt es noch andere Qualitätskriterien?

    Dass das Tier langsam gewachsen ist. Dadurch fallen Tiere aus Masthaltung weg, denn bei der Mast wird das Fasergefüge viel zu lose, ähnlich wie bei Cellulite oder Schwangerschaftsstreifen. Massentierhaltung fällt ebenfalls weg, weil die Tiere sich dabei schnell verletzten und jede Verletzung einen Schaden am Leder bedeutet (z.B. von Kämpfen, Parasiten, Verletzungen durch Stacheldraht etc.). Auch das Klima spielt eine Rolle. Deshalb kommen alle meine Leder aus dem mitteleuropäischen Raum.

    Gute Tierhaltung = gutes Leder, kann man das so zusammenfassen?

    Absolut. Die Tiere werden extrem gut gehalten, weil nur so auch die Lederqualität gut ist. Das wissen aber die wenigsten Konsument*innen.

    Da habe ich ehrlich gesagt auch noch nie darüber nachgedacht. Jetzt frage ich mich natürlich: Woran kann ich beim Schuhkauf hochwertiges Leder erkennen?

    Das ist leider nicht immer so eindeutig und kommt auch auf die Farbe des Leders an. Bei schönen, naturgefärbten Leder gilt all das, was ich vorgängig erklärt habe, denn dort ist jeder Schaden sofort offensichtlich. Bei dunklen bzw. schwarzen und weissen Ledern, die glänzen, lassen sich Mängel hingegen gut mit Farbe kaschieren.

    Heute tragen viele Menschen fast nur noch Turnschuhe. Wie sieht es damit aus?

    Da muss man aufs Material schauen. Sind sie aus Stoff oder Leder? Bei Turnschuhen aus Leder oder DocMartens beispielsweise ist soviel Farbe drauf, dass auch sehr minderwertiges Leder aus schlechter Tierhaltung benutzt werden kann. Lederschäden werden dort ganz einfach mit einer Schicht aus Polyvinylchlorid (PVC)-Farbe überdeckt. Alle Turnschuhe oder auch sehr glänzende Schuhe haben meist eine solche PVC- oder Polyurethan (PU)-Schicht – und beides wird aus Erdöl hergestellt. Wem Nachhaltigkeit am Herzen liegt, der sollte grundsätzlich die Finger von solchen Schuhen lassen.

    Was hältst Du denn von veganen Ledern z.B. aus Kaktus?

    Die meisten veganen Schuhe sind aus PU – und das ist nichts anderes als Bauschaum. Das kann ich niemandem empfehlen. Als vegane Alternativen sind sowohl Ananas- als auch Kaktusleder sehr interessant. Auch gewachste Baumwolle und Kork eignen sich, letzterer ist allerdings sehr brüchig. Insgesamt lässt sich sagen, dass sich bezüglich veganer Materialien im Moment sehr viel tut. Sogar Papier kommt zum Einsatz, das funktioniert aber vorläufig nur bei Taschen.

    Nachhaltigkeit im Kopf, aber Bauschaum an den Füssen? Klingt nach Augenwischerei.

    Ist es auch. Den wenigsten Konsument*innen ist das bewusst.

    Und wie sieht es bei den Schuhsohlen aus?

    Als Schuhmacherin habe ich mit vielen verschiedenen Materialien für Sohlen zu tun. Leider wird da auch oft Plastik verwendet, allen voran wieder PVC und PU. Da ist extrem viel Kunst-Gugus aus der Petrochemie d.h. aus fossilen Kohlenstoffverbindungen dabei. Für vulkanisierte Gummisohlen wie z.B. die Vibramsohle von einem Wanderschuh wird teilweise auch noch Bitumen aus dem Strassenbau beigemischt, damit der Abrieb besser bzw. die Sohle länger haltbar ist.

    Woraus wären denn nachhaltige Schuhsohlen?

    Aus Leder, Gummi (vulkanisierter Kautschuk) oder Rohgummi (unvulkanisierter Kautschuk). Gummi wird durch die Vulkanisierung lichtecht, wärmebeständig und auch lösungsmittelresistent; bezüglich Verarbeitung und Langlebigkeit ist das ein grosses Plus. Wie überall ist es ein Abwägen zwischen verschiedenen Anforderungen, denn «die» ideale Lösung gibt es nicht. Gummisohlen sind trotz einiger Abstriche das Nachhaltigste, wobei alle drei Materialien natürlichen Ursprungs, schadstofffrei und wiederverwendbar sind d.h. es sind geschlossene Materialkreisläufe möglich.

    Gutes Stichwort! Um geschlossene Materialkreisläufe geht’s auch bei der Balade Circulaire, unserem neu eröffneten Lehrpfad im Park von Fougerette. Schon lustig, da wollten wir über Schuhe reden und sind stattdessen bei Nachhaltigkeit und Materialkunde gelandet…

    Das geht für mich Hand in Hand. Das Verrückte ist: Es gibt richtig schöne Schuhe mit wunderbaren Oberledern, wunderbar aufgebauten Ledersohlen – die Laufsohle ist dann aber eben doch aus PVC anstatt aus Gummi. PVC ist Plastik und das rutscht halt. Viele Marken sparen schlussendlich bei den Absätzen oder vorne bei der Sohle. Wir sprechen da von Kosteneinsparungen im 10-Rappen-Bereich. Bei einem Verkaufspreis von CHF 450 ist das eigentlich völlig absurd.

    Stimmt. Doch jetzt ein thematischer Schlenker: Es gibt Menschen, die lesen im Kaffeesatz oder der Handfläche. Liest du sozusagen «aus der Schuhsohle»?

    Hat ein offenes Ohr für alle: Eva Kirchhofer

    Ein Schuh verrät tatsächlich so einiges über seinen Träger, seine Trägerin. Als gelernte Orthopädin interessieren mich da vor allem mögliche Fehlstellungen oder Probleme. An den Schuhen kann man ablesen, wo bzw. wie jemand im Leben steht.

    Das führt mich zu deinem inoffiziellen Zweit-Job: Der Seelsorge

    (lacht) Du meinst, weil ich im Kreis 4 arbeite?

    Die Lage hat vielleicht schon etwas damit zu tun. Ich spreche davon, dass sich bei dir Banker und Obdachlose die Tür in die Hand drücken.

    Ja, und das passt so. Das Leben hat viele Facetten und jeder braucht mal ein offenes Ohr. Wobei es schon Tage gibt, wo die Balance in Schräglage gerät. Ich bin ja zum Arbeiten im Laden, meinen Lebensunterhalt bestreite ich mit der Schuhmacherei.

    Früher hast du auch Lehrlinge angenommen. Vorwiegend Frauen, aber auch Flüchtlinge hast du angelernt.

    Ich bilde gerne aus und teile mein Wissen. Gleichzeitig ist so ein Lehrling eine grosse persönliche und finanzielle Investition, denn gerade im ersten Lehrjahr steckt man wesentlich mehr in die Ausbildung, als dabei an Unterstützung oder Entlastung herauskommt.

    Im Moment arbeitest du alleine.

    Ja, im Moment kann ich mir keinen Lehrling leisten.

    Hat das mit Corona zu tun? Man spricht doch immer davon, dass Handwerk goldenen Boden habe…

    Von einem goldenen Boden war während dem Lockdown nichts zu spüren*. Aber ich bin in meinem Leben bisher immer irgendwie durchgekommen und bin es gewohnt, mit wenig Geld zu leben. Das gibt mir die Freiheit, mich auf das zu konzentrieren, was mir wichtig ist.

    Und das wäre?

    Unter dem Strich? Meine Unabhängigkeit.

    Danke für das anregende Gespräch, Eva!


    Es wird wieder kälter und nasser – gutes Schuhwerk ist angesagt:

    Eva Kirchhofer
    Schuhmacherei
    Militärstrasse 115
    8004 Zürich

    Öffnungszeiten: Do+Fr: 10:30–18:30. Sa: 11–16
    oder Voranmeldung: +41 79 886 12 47
    https://schuhmacherin.ch/

    * Anm. d. Red.: Viele Selbständige, die ein sogenannt «systemrelevantes» Gewerbe ausüben, mussten ihre Läden im Lockdown offen halten – obwohl die Kundschaft grösstenteils ausblieb. Wer seine Umsatzeinbussen aufgrund einer Geschäftstätigkeit von weniger als drei Jahren rückwirkend nicht belegen konnte und/oder sich selbst zu wenig Lohn ausbezahlte, ging sowohl bei der Härtefall-Regelung als auch den Ergänzungsleistungen leer aus (z.T. sogar mit der Begründung «Aber sie konnten doch arbeiten, ihr Laden war ja offen!»)

  • Adieu, cher David…

    Distinguiert, weltmännisch, mit Schalk in den Augen, unbestechlichem Geschmack und stets blitzsauber polierten Lederschuhen – das war David Ambrosius Huber wie er leibte und lebte. Als Architekt unterstützte er uns in den Anfängen von Fougerette grosszügigstens mit seinem Fachwissen und trug dadurch wesentlich dazu bei, dass der Schlosskauf überhaupt zustande kam. Ohne seine Begleitung hätten wir uns vielleicht gar nie in dieses Abenteuer zu stürzen gewagt, wer weiss…

    Gesammelt hat David in seinem Leben so einiges: Von Silberbesteck über Barbie-Puppen (zum Teil Originale aus den 1950ern!) bis hin zu den Herzen anderer Menschen. Er pflegte einen grosszügigen Lebensstil und liess andere gerne daran teilhaben, war ein charmanter Begleiter, lustvoller Feinschmecker & Partygänger sowie aufmerksamer Gesprächspartner.

    Diese selbst gemachte Guetzli-Form in Schloss-Silhouette schenkte er uns zu Weihnachten 2013 (David war auch Bildhauer und ein sehr geschickter Handwerker)

    Nach einer schweren Krebsdiagnose im Sommer 2013 beschloss David, sein Leben völlig umzukrempeln und die ihm verbleibende Zeit in vollen Zügen zu geniessen. Es ist ihm gelungen; immer wieder, trotz der wiederkehrenden Chemotherapien.

    Sieben Jahre lang ist David dem Tod erfolgreich von der Schippe gesprungen. Am 22. Oktober 2020 ist er in den Armen seiner Freundin gestorben. Wir sind traurig und zugleich dankbar für die Zeit mit ihm. Unsere Gedanken weilen bei seinen Liebsten, Angehörigen und zahlreichen Freunden.

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    Ein edles Herz hat aufgehört zu schlagen. Ein Licht weniger leuchtet hier bei uns in irdischen Sphären und strahlt dafür sicherlich umso heller am Himmel über dem tiefblauen griechischen Meer, das David sehr liebte.

    source

  • Deko Total / Meet Nina Haas

    Comini im Jelly-Valley (Licht-Installation CR)

    Falls Du schon mal auf Fougerette das Tanzbein geschwungen hast, erinnerst Du Dich bestimmt an die unglaubliche Deko, die jeweils das ganze Schlossgelände in eine Wunderwelt verwandelt… 

    Eine der kreativen Macherinnen hinter diesen Wunderwelten ist Nina Haas, die jeweils beim bei den Kapi-Tän-Zen ihre Fantasie sprühen lässt. Die gelernte Kleidermacherin gewann 2006 als Newcomerin den „Swiss Talent Award“ am Walk of Fashion in Winterthur, was ihr Leben erst mal gehörig durcheinander wirbelte. Mittlerweile entwirft Nina auch Kostüme, macht Deko für Zürcher Clubs und hat gemeinsam mit DJ und Lebenspartner Martin Comini ein eigenes Design-Label lanciert (www.u-and-i.ch). Die Zürcherin mit Bündner Wurzeln ist kein Mensch der grossen Worte. Feingliedrig und gertenschlank, spürt man bei ihr gleichzeitig diese innere Spannkraft, dieser Wille, sich nicht verbiegen zu lassen.

    Nina, als Designerin tanzt du auf vielen verschiedenen Hochzeiten. Wo hast Du Deine ersten gestalterischen Gehversuche gemacht?

    Mir war früh klar, dass ich im kreativen Bereich tätig sein möchte. Meine Eltern ermutigten mich, etwas zu finden, das mir Freude bereitet. Die visuelle Kommunikation der Kleider faszinierte mich schon früh. Als ich 14 war, spielte ich gerne damit, mich unterschiedlich zu kleiden und war fasziniert davon, was für einen Einfluss Kleider haben: Deren Kraft ist enorm, sie beeinflussen nicht nur, wie uns die Welt wahrnimmt, sondern auch unser Selbstgefühl.

    Du bist dann allerdings mit 16 erst mal nach London ausgewandert…

    In diesem Sommer arbeitete ich am oberen Letten und sparte etwas Geld. Ich wollte mehr von der Welt sehen und entschied mich, nach London zu gehen, um dort die Sprache zu lernen – unter anderem in der Hoffnung, später in einer Modeschule Fuss zu fassen. Mir gefiel der „London style“. Weg vom eher konservativen Graubünden war London für mich die absolute Befreiung. Dort entdeckte ich auch die Underground Partyszene, lebte in besetzten Häuser und lernte interessante Menschen aus der ganzen Welt kennen. Damals fiel mir auf, wie sehr wir von der eigenen Kultur geprägt werden und wie stark diese unser Denken das Fühlen beeinflusst. Das weckte meine Lust zu Reisen. So reiste ich anschliessend für 3 Monate durch Indien. Ich bin sehr froh um diese Zeit, denn in diesem Alter, bist du noch auf der Selbstsuche. Da tut das Reisen gut.

    Hast Du die Ausbildung später nachgeholt?

    Ja. Doch ich ging lieber vom Handwerk aus. Mit 19 Jahren habe ich eine 2-jährige Ausbildung als Kleidermacherin gemacht. Dort konnten wir als Lernende schon während der Ausbildung einen eigenen Style entwickeln. Drapieren an der Büste mochte ich besonders gerne. Im 2. Jahr setzte ich eine selbstentworfene Kollektion um. Zu diesem Zweck brachte ich mir diverse Techniken bei, um Textilien zu gestalten, etwa Seidenmalerei, Bleaching und Batik. Eigene Drucke zu entwerfen hat mir Spass gemacht. Die Muster wurden speziell ans Schnittmuster angepasst. Damals zeichnete ich alles von Hand.

    Sozusagen aus dem Nichts heraus hast Du dann 2006 mit der Kollektion „Cocoon“ am Walk of Fashion den „Swiss Talent Award“ gewonnen…

    Ja, das konnte ich zuerst fast nicht fassen! Damals war ich gar nicht mal so zufrieden mit dem Resultat, ich hatte eine andere Favoritin.

     

    Ein solcher Preis ist ja oft auch ein Sprungbrett für eine Karriere…

    Damals meldete sich tatsächlich ein Investor. Doch letztlich hatte ich das Gefühlt, es sei zu früh für eine grosse Kiste. Ich hatte noch viel zu lernen und bin heute froh, dies in kleinen Schritten gemacht zu haben und ohne mich zu verschulden. Die Anfrage hat mich jedoch sehr motiviert, gleich weiter zu machen. Somit gründete ich das Label KUKI und zog nach Bali, wo ich dann 5 Jahre lebte und eigene Designs umsetzte. Ich verkaufte Kleider in der Schweiz, London und Bali. Die letzte Kollektion von KUKI verkaufte ich 2011.

    Und was machst Du denn jetzt?

    Kleider, Accessoires, Kostüme, Objekte… Für mich fliesst das alles ineinander und so können etwa Lichtobjekte durchaus auch Impulse für Kostüme geben. Inzwischen kreiere ich hauptsächlich Einzelstücke.

    Für wen oder mit wem arbeitest Du zusammen?

    Seit über fünf Jahren arbeite ich mit der Performance-Künstlerin Zora Vipera. Ich habe diverse Kostüme für sie kreiert. Wir teilen ähnliche Inspirationen und ergänzen uns gut. Als Zora mich anfragte, hatte ich gerade die Kleider für den Film Portable Life von Fleur Boonmann gemacht, in dem auch Rutger Hauer mitspielte. Da entdeckte ich meine Passion für zeitaufwendige Einzelstücke.

    Mit Comini ist das Licht in mein Leben gekommen. Gemeinsam haben wir das Label U+I gegründet, für das wir Design-Objekte entwickeln. Angefangen hat das Ganze mit Spielereien im Atelier. Dann öfters gemeinsam Partys dekoriert. Auch der Quallenwald, welcher wir für den Captain’s Rave realisierten, ist ein gemeinsames Projekt. Nachdem wir eine Wand und die Eingangstüre im Club Zukunft gestaltet hatten, kam der Auftrag die WCs zu designen. Das hat uns sofort interessiert, weil die Toiletten im Nachtleben eine wichtige Rolle spielen, aber oft vernachlässigt werden. Bei diesem Auftrag entstand unter anderem auch der Spiegel, der uns dazu bewegte, ein eigenes Label zu gründen.

    Wie wichtig ist es bei einer Zusammenarbeit, dass die Chemie stimmt?

    Das ist für mich das Allerwichtigste. Springt der Funke nicht, trägt die Arbeit keine guten Früchte. Danach orientiere ich mich.

    Eine besondere Art der Zusammenarbeit entsteht jeweils beim Captain’s Rave…

    Stimmt, der Captain’s Rave ist ein sehr spezieller Anlass mit einer fantastischen Kulisse. Es ist eine unglaubliche Team-Leistung, denn die verschiedenen Locations werden von rund 30 Personen bespielt, die oft schon wochen- wenn nicht monatelang im Voraus an der Deko arbeiten. Es entstehen dabei wunderbare Sachen, richtige Zauberwelten. Es gibt tolle Performances und gute Musik auf mehreren Floors. Dieser Event ist ein echtes Liebhaberprojekt. Viele Gäste machen auch ihre Kostüme selber. All das macht den Event so farbig und besonders. 2017 steigt das 10-jährige Jubiläum und alle Tentakel wackeln schon vor lauter Vorfreude auf das Riesenspektakel : )

    Du sagst von Dir, dass Du lieber im Hintergrund bleibst. Wie wichtig ist Dir Anerkennung?

    Wenn man Sachen macht, die keinen Träger finden, bleiben sie leblose Objekte und verlieren ihre Erfüllung. Für mich ist es die grösste Bestätigung, wenn jemand meine Kleider mit Freude trägt und sich darin ganz zuhause fühlt, sich selbst sein kann.

    Was bedeutet Geld für Dich?

    Früher war Geld für mich der Feind. Verantwortlich dafür, dass meine Familie zerbrach. Schuld daran, dass die Welt zugrunde geht. Inzwischen habe ich mit dem Geld meinen Frieden gemacht und sehe es als das, was es ist: Ein Mittel zum Zweck. Wenn Du keine finanzielle Existenz hast, dann blockiert Dich das. An dem Punkt stand ich auch schon. Nun habe ich einen Job, der mich finanziell trägt. Das gibt mir Raum fürs Kreative, denn mir ist es wichtig, dass die Inspiration mein Antrieb ist und nicht das Geld.

    Bist Du eine Einzelkämpferin?

    Ich bin sicher gerne für mich. Diese Zeit ist sehr wertvoll und notwendig für meine Arbeit. Ich liebe es jedoch, mit anderen Menschen zu arbeiten. Wenn man sich gegenseitig inspiriert, beflügelt das enorm.

    Dein Stil?

    Im stetigen Wandel. Kleider und Kostüme nutze ich nicht mich zu Verkleiden, sondern um einen Aspekt der Persönlichkeit zu untermalen. Oft habe ich keine Lust, mich zu schminken. Doch manchmal ist genau dies notwendig, gewisse Züge hervorzuheben. Ästhetisch und kulturell fasziniert mich Japan. Von den Epochen her beeinflussen mich die 20er und 70er Jahre.

    Würdest Du Deine Kreationen als Kunst bezeichnen?

    Manches ja.

    Und was motiviert Dich zu Deinen Kreationen?

    Woher dieser Drang kommt, Dinge zu kreieren, weiss ich nicht. Seit der ersten Kollektion interessiert es mich, Kleider mit Tanz in Bewegung zu bringen, was deren Ausdruck verstärkt. Bei den Arbeiten geht es mir auch um die Vermittlung eines Lebensgefühls. Transformation bewegt mich. Ich möchte gerne Dinge erschaffen, die animieren und manchmal auch etwas hypnotisieren.

    Wie verläuft denn der Designprozess konkret?

    Bei einem Auftrag für eine Raumgestaltung beeinflusst mich natürlich der Kunde, der Zweck des Raumes, aber auch der Raum selber. Bei Kostümen für Tanz und Performance ist dies ähnlich. Da formen sich die Ideen über Empathie. Neue Ideen kommen oft übers Spielen mit einem Material oder einer Form. So lernt man die Materie und deren Eigenschaften kennen. Ich finde es spannend, eine Arbeit nicht mit einer konkreten Vorstellung anzufangen. Wenn nicht nur der Kopf arbeitet, gibt es Platz für die Intuition, und die ist wunderbar.

    Du nimmst Dir also viel Zeit. Wie beurteilst Du, ob und wann eine Arbeit fertig ist?

    Um Arbeiten zu einem Ende zu bringen, hilft es, eine Deadline zu haben. Sonst kann es schon passieren, dass sich die Idee ewig weiter entwickelt. Bei mir im Atelier liegen viele angefangene Projekte. In manchen Zeiten empfand ich das als Belastung. Doch inzwischen bin ich mir bewusst, dass es ein Prozess ist, Dinge zu entwickeln.

    Gibt es Materialien, mit denen Du besonders gerne arbeitest?

    Ich liebe spiegelnde Sachen und optische Effekte. Auch sammle ich alte Materialien, die man in Kostüme integrieren kann. Früher konnte man den Dingen Zeit widmen. Das ist auch in meinem Sinn. Bei den Kleidern sind mir das Tragegefühl und die Qualität sehr wichtig. Dort bevorzuge ich natürliche Materialien. Trotzdem bleibe ich gerne offen, letztlich bestimmen die Eigenschaften des Materials meine Wahl.

    Häkel-Maske für Spider-Cat Kostüm, Kragen gefaltet aus Karton mit 3-Plastizität

    Welches künstlerische Neuland würdest Du gerne betreten?

    Filmschnitt. Ich möchte mit dem Objekt “The Money Blinder“, das im Jahr 2012 entstand, ein Stop-Motion Video machen. 3D zeichnen ist auch ein Thema, um Arbeiten umsetzen zu können, da bin ich bereits dran. Ich möchte mich stetig weiterbilden, und lerne, was nötig ist, um bei meinen Projekten weiter zu kommen. Derzeit erlerne ich gerade das Handwerk der Modistin (Hutmacherin).

    Wenn Du die Kostüme für einen weiteren Film machen könntest, welcher wäre es?

    Fleur Boonman schreibt gerade ein neues Film-Script, das würde mich extrem reizen… Meine grosse Passion ist allerdings die Live-Performance, weg vom Bildschirm, direkt in den Moment. Eine Inspiration wäre es zudem, bei einem hochprofessionellen Performance-Projekt mitzumachen, etwa von Mummenschanz.

    Zu guter Letzt noch diese Frage: Glück ist für mich…? 

    Die Freiheit.
    Das gefunden zu haben und machen zu dürfen, was ich am meisten liebe.
    Sauberes Wasser und frische Luft.

    = = =

    Nina Haas‘ Lichtkreationen findest Du hier http://www.u-and-i.ch.

    Exklusiv für Kostümanfragen (zum Beispiel von Mummenschanz :-)) hier der direkte Kontakt zu Nina:  nina@u-and-i.ch.

    Dieses Jahr finden der eingangs erwähnte Captain’s Rave zum zehnten Mal statt, das Jubiläum wird selbstverständlich in Hochform und in stilgerechter Umgebung begangen. Der Anlass ist eine „Soirée Privée“, Anmeldung & weitere Infos via tentakel@captainsrave.ch.

  • Meet Wittmer & Koenig

    Foto Wittmer & Koenig, Copyright Zentralplus.ch (Bild: jav)Wer genau steckt hinter dem Vorschlag „Calèche Visionnaire“? Hier stehen die beiden Künstler Attila Maria Wittmer und Florian Paul Koenig Rede und Antwort, damit Du sie näher kennen lernen kannst.

    Kunst ist…?
    … die Möglichkeit den Alltag aufzurütteln und einiges von der Seite her zu betrachten.

    Warum arbeitet Ihr ausgerechnet mit Bauvisieren?
    Attila ist Zeichner, Florian ist Bildhauer. Wir beide hegen ein grosses Interesse an Architektur. Bevor Attila mit Kunst begann, machte er eine Gärtnerlehre, Florian absolvierte eine Lehre als Geomatiker (der alte Name ist bekannter: Landschaftsvermesser). Daher kannten wir beide das Metallgestell, welches verwendet wird, um geplante Bauten anzuzeichnen. Das Bauvisier ist ein im Ausland wenig oder gar nicht bekanntes Objekt, welches den demokratischen Prozess unterstreicht, der für die Schweiz so typisch ist. Gleichzeitig faszinierte es Attila wegen der unsichtbar gezeichneten Linien und Florian wegen des modularen Volumens, welches sich durch die Bauvisiere signalisieren lässt.

    Wie seid Ihr Künstler geworden?
    Das ist im Nachhinein schwierig zu sagen (lachen). Fest steht: Mit Kunst lässt sich etwas bewegen. Sie gibt uns die nötige Freiheit, das Gegenwärtige zu reflektieren und Dinge von verschiedenen Perspektiven zu betrachten. In den wenigen Jahren, in welchen wir nun Kunst machen, haben wir gelernt, künstlerisch zu denken. Damit meinen wir die vorurteilslose Herangehensweise, den Mut, Experiment zu machen, unkonventionelle Strategien zu entwickeln und auch Abwege als Gehrichtung auszuprobieren.

    Was wollt Ihr denn bewegen mit Eurer Kunst?
    Wir wollen Menschen und deren Gedanken bewegen, wollen einen Diskurs fördern. Sei es unter Freunden, mit sich selbst oder in der breiten Öffentlichkeit. Daher arbeiten wir am liebsten in den Bereichen Kunst am Bau, Kunst im öffentlichen Raum oder wie in Frankreich an Projekten, wo der Besucher direkt involviert wird.

    Und wie kam, es dass Ihr als Duo tätig seid? 1014721_m1w560v32427_00242476
    Das hat sich wohl daraus ergeben, dass wir beide ein ausgeprägtes Faible für Streitgespräche haben. Durch das gegenseitige Erzählen, Zuhören und Argumentieren, reflektieren wir unsere Haltung ständig. Wir sind dauernd in einer Diskussion über Entscheidungen, Vorgehen und Vorhaben. Wir lernen ständig von einander seit wir uns an der Kunsthochschule in Luzern kennen gelernt haben. Unsere erste Zusammenarbeit war dann ein Kunst am Bau Projekt für die Ausgleichskasse Luzern.

    In Luzern erregt Ihr mit Eurer Salle Mobile derzeit einiges Aufsehen. Welches Ziel verfolgt Ihr damit?
    Die Salle Mobile steht für eine unaufgeregte Diskussion über das brennende
    Thema „Salle Modulable„. Dabei setzen wir die Kunst ins Zentrum der Auseinandersetzung. In regelmässigen Abständen regen wir an unterschiedlichen Örtlichkeiten zur öffentlichen Diskussion an. Unser Ziel ist die Vermittlung zwischen den verschiedenen Kulturplayern in Luzern, gleichzeitig streben wir einen konstruktiven künstlerischen Dialog um die kulturpolitische Debatte an. Es ist notwendig, dass die Kulturstadt Luzern sich weiterentwickelt, und dazu wollen wir mit unserer Salle Mobile beitragen.

    Zeitungsartikel über Wittmer & Koenig bzw. die Salle Mobile:

    Gibt es derzeit neben dem Künstlerzimmer „Calèche Visionnaire“ weitere Highlights in Eurer Arbeit?
    In der Tat, im Moment scheint alles im Fluss zu sein! Wir haben die Chance, unsere Arbeit bei der Ausstellungsserie Bergwerk unter der kuratorischen Leitung von Heinrich Gartentor zu zeigen. Dabei stellen wir an verschiedenen Ecken in der Schweiz aus. Beispielsweise im Lokal-Int in Biel im August oder dem Grand Palais in Bern im September. Dass wir gleich nach dem Studium in Luzern in anderen Städten der Schweiz ausstellen können, ist eine riesige Möglichkeit für uns.

    Letzte Frage: Was bringt Euch garantiert zum Lachen?
    Wenn unsere besseren Hälften wieder einmal erkennen, welch grosse Ambitionen wir hegen. Dann kichern wir ganz verlegen…

    Florian, Attila, ganz  herzlichen Dank fürs Interview!

    www.wittmerkoenig.com

     

     

     

     

    www.wittmerkoenig.com 

  • Meet Massimo

    Massimo_Supermario
    „Super-Mario“ im Einsatz : )

    Der Shiatsu-Therapeut Massimo Martino war ebenfalls Teil unseres allerersten Ferien(s)passes. Massimo stürzt sich auf Fougerette jeweils mit Begeisterung in seine leuchtend blau-gelbe Arbeitshose und packt auch bei körperlich anstrengenden Aufgaben an vorderster Front mit an. Wir haben ihn mit Blick auf den nächsten Ferienspass zu seinem Werdegang befragt, damit Du mehr über Shiatsu und Lu Jong erfährst. Vielleicht hast Du ja Lust, diesen Sommer dabei zu sein?! (Interview auf Englisch)

    Massimo, what did you want to be when you were a little boy?

    I actually wanted to be Bank Director! Living in Via Nassa, Lugano’s „Bahnhofstrasse“, where there were more banks than bars, I thought that was the career I should follow. Of course my parents were ecstatic about my decision, so they encouraged me to pursue this career : )

    Economics may have been your first love, but there was a radical career change ahead…

    Yes, indeed! I went on to study Economics, started my career and 11 years later transitioned from steel trading to the world of hedge funds, from raw materials to aethereal material. It was an exciting period during which I met wonderful people and worked hard. Then, I spent five months in a small Hedge Fund company in Zürich and one of the senior managers said to me: “Here we will give you a new shape”. That was my „Aha!“-moment. I had the impression that this guy saw me spending my life chained to my desk with the years just flipping past (an excellent illustration is: https://youtu.be/A-rEb0KuopI)! And I realised that for a long time already I had been feeling like a robot doing what was ordered, a Tin Woodman without vitality, without heart! So I began to listen to what my body, my inner doctor wanted to do … et voilà Shiatsu!!

    Why Shiatsu?

    Even as a kid, touch was an important way for me to connect. I was forever giving massages to my two brothers and became something of a „massage jukebox“ : ) Be it at university or before a concert with my band Carnasc, there was always someone asking for a quick session, and that’s also how I met my girlfriend. After checking out various appraoches, I decided to work with the Shiatsu method because it comes from Japan and because it enables both the client and the therapist to share a very deep experience in a safe place.

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    Massimo und seine Faszination für Kälte: Porträt in der aktuellen Coopzeitung!

    Is Shiatsu for everyone?

    For me, Shiatsu is a way of living which allows people to take care of their soul and respect their body’s wisdom. It can be an interesting option for anyone who is curious, wants to stay healthy and maybe solve some annoying aches along the way. The Shiatsu method is based on the belief that all human beings are the result of the friction between the Energy of Heaven and Earth. This philosophical idea stems from an ancient conversation between The Yellow Emperor and his Minster Qi Bo about a healthy life. This philosophical text book is still the groundwork of Acupuncture, which Nobel prize winner Youyou Tu demonstrated in her work on the medical effects of Artemisia, and an inspiration for Shiatsu. Just like acupuncture, Shiatsu aims to harmonize the vital energy in the client by working on the meridians, but instead of using needles we use finger, elbow, knee and foot. Sounds a bit esoteric? Let’s do a little exercise, would you? Close your eyes and feel the rhythm of your breath, the beat of your heart, the temperature of your body. Don’t expect something big or bling bling… Just feel the movement of your eyes or your chest or limbs… Can you feel how your body moves each time you breathe in and out and whenever your heart beats? We call this: Ki, or vital energy or Qi or the cause of all changes. With the Shiatsu techniques, I look for the points where this energy doesn’t flow optimally and, together with the client, we try to find out how to let it flow optimally.

    You are currently specialising in Shiatsu for pregnant women…

    Working with pregnant women is amazing: they are The Force of Nature! I have enormous respect for this miracle that happens every day. I recently attended a course with Suzanne Yates to deepen my knowledge of the most natural chain reaction I know. During those spectacular life-changing 9 months the parent’s Ki and their ancestral contributions influence the structure of the baby directly. Thanks to Suzanne, I discovered the techniques on how to combine Shiatsu + parent’s Ki + baby’s Ki and cope with the hormonal changes, with baby breech, with nausea, mood changes and, most importantly, how to contribute to the connection between mother, baby and father. We can think about Ki as the interaction of the Yin and Yang energies. Women carry sleeper instructions (egg cells) which will be used to mold the amphitheater where the art of life will be played and our evolution has its foundation. I personally consider this the essence of Yin energy, which will express its Yang essence at the moment of birth. This special moment should not be considered trivial, because every time is a highly symbolic and intensely emotional event for the woman who suffers and for her entourage.

    And how did your interest in Lu Jong come about?

    Lu Jong, the Tibetan Yoga, combines movements and breath, which immediately grabbed my attention. I found it a powerful preparation before meditation. The preparation of the body’s focus for the appointment with the Ki… After having practised Lu Jong for nine months I am more convinced than ever that these are very powerful movements, and that they are very helpful when I need to challenge my energy.

    Something else you are passionate about is healthy eating. Any tips to share?

    Thanks to working with my body, I found that eating is often a short cut to bad habits, nurturing the evil inside… To be conscious of specific ingredients or dishes is the best bridge to knowing how you are nurturing your Ki. My suggestion would be to make a list of what you have been eating for more than 7 years for a woman and 8 years for a man. Now highlight those that cause you too many thoughts, in my case: Pizza, pasta, sugar – sweets in general, coffee and beer. Then choose one of these and drive these “too many thoughts” into something that is nurturing your intention. Meditate on it and feel what you should do or what is deviating you from having optimal thoughts on that particular food. Is it enough or do you want more? For me, too much works like a pain killer with its well-known side effects. Personally, a good training is to skip the evening meal, like I did last July during the FerienSpass. Think about food the way you think of the gym…

    If you had to choose a motto for your life, what would it be?

    Take care of your soul, respect your body and forget the outer world. Broaden your mind without lying to your body. The most important thing for me is to keep moving, following my intentions and needs. Asking myself: Is what I am doing nurturing my Ki? If yes continue, if not stop it ; -)

    Massimo macht im Sommer 2016 genau wie Michelle Sabatini erneut beim Ferienspass mit (23. bis 31. Juli 2016). Er arbeitet in Zürich als Lu Jong-Lehrer und Shiatsu-Therapeut in eigener Praxis: http://meandshiatsu.ch.

  • Meet Michelle Sabatini

    michelle_sabatiniDie Psychologin und „Grinberg Method“-Praktikerin Michelle Sabatini bot beim Ferien(s)pass 2015 den vor Ort weilenden Vereinsmitgliedern sowohl Einzelbehandlungen als auch einen Workshop zum Thema „Silence & Creativity“ an. Die lebensfrohe Tessinerin lebt und arbeitet seit über sieben Jahren in Zürich (Interview auf Englisch).  

    Michelle, some people describe the Grinberg Method® (GM) as „a body-based psychotherapy“. What is it really about?

    The GM is a body work approach that aims to teach people to be more aware of their body: how we breathe (or not), the kind of tensions we create, and our posture. Those aspects translate also in the way we “look” at ourself and the world around us. When we can notice the way we respond to what happens around us, we can also notice that there are patterns of repetitive reactions.

    For example, when I’m sitting in front of my computer I tense up my shoulders. I may also notice that I have headaches but fail to connect those headaches to the fact that my shoulders are tense. In this case the sessions with the GM practitioner would teach what the person is doing with her shoulders and learn to gain more control on the automatic reaction of contracting this area.

    Another example: when I’m with people I feel uncomfortable and I tense my belly. I notice that I’m tense and not at ease with people – the interactions are actually not smooth or simple – but I believe it is because I’m shy and introverted. I don’t realise that because I’m so tense, the interactions with others become complicated.

    Here the sessions would focus on learning to relax the belly area, and help the person experience the sensation of feeling uncomfortable with other people, without tensing up against this uncomfortable sensation.

    You initially studied Psychology. How did you discover the Grinberg method?

    I discovered the GM during my third university year in Psychology when I became a client myself. I have always been very interested in the connections between the body, emotions and mind.

    When did you decide to start your own business?

    At the end of my training as a Grinberg practitioner, 10 years ago.

    What drives you as entrepreneur, what makes you tick?

    There are two drivers. The first is intuition (actually quite a difficult sensation to describe with words), the feeling that this is my path. The second is the satisfaction and the results I get by working with my clients.

    How do you ensure that you don’t take your clients‘ emotions or distress home with you?

    The methodology is really good, also at this level. My job is to teach clients to recognise and change they repetitive reactions in order to be more free. It also means that whatever happens to us, even if extremely painful, is also an opportunity to learn. I believe that each and every one of us can learn and change. This helps me to trust and respect my clients and what they are experiencing.

    Apart from individual sessions you are also offering the group workshop „Silence & Creativity“.

    Indeed! The aim of this workshop is to focus on specific objectives which the participants bring to the table: Starting to paint, cleaning up the cellar or even preparing for a marathon. We train to create a state of silence in the body, through physical and breathing exercises and writing, and then we work together with the support of the group on what is needed in order to realise each project. In this context, silence means concentration, focus, space.

    Being an experienced Grinberg practitioner, are you always as „Zen“ as you’d like to be?

    No, absolutely not 🙂 Actually this is part of the beauty of my work: it asks me to continue to “develop” also on a personal level. We all have plenty of automatic reactions we learnt in our past. Then life brings us situations where it is possible to notice these patterns and to start working on them. I’m no different from my clients, I also need to learn! Even after all these years, to be more peaceful remains one of my personal objectives.

    If a fairy offered you a free wish, what would it be?

    Oo-là-là, this one is a such an interesting question! If I would ask the fairy to change some aspects of my life, I guess that I would probably deprive myself of the chance to learn from my difficulties… So maybe my wish would be to give a GM session … to a fairy 🙂

    Mehr über Michelle Sabatini erfährst Du auf http://bodylearning.ch, einen vertieften Einblick in die Grinberg Methode bietet Dir die Website des Berufsverbands der GM-Praktiker.

     

  • Ein Dach für Tom

    Freunde aus Münchenbuchsee haben für Tom eine Website auf die Beine gestellt und unterstützen ihn tatkräftig dabei, den Traum vom eigenen Grund und Boden zu erfüllen. Du kannst Dich an dem Spendenprojekt „Ein Dach für Tom“ ebenfalls beteiligen und ihm auf diesem Weg für seine stets grossherzig angebotenen Crash-Kurse im Baumfällen, heiteres Hasen-Fangis oder ein liebevoll zubereitetes Kafi oder ein Glacé-Coupe zu danken! Ziel der Projektgruppe ist es, Tom für Erwerb, Notarkosten und erste Reparaturen mit CHF 10‘000 zu unterstützen. Bestimmt käme in Rekordzeit eine beachtliche Summe zusammen, wenn jeder Volontär pro Erinnerung an Tom einen Franken spenden würde : ) Wir drücken die Daumen! http://eindachfuertom.ch

  • Meet Michi Kistler

    Der Umweltberater Michi Kistler hat im Rahmen der Ferien(s)pass-Woche 2015 den Workshop Konsumfluch(t) angeboten. Die TeilnehmerInnen erforschten dabei gemeinsam, wie sie ihr Leben nachhaltiger gestalten können und Du darfst jetzt gleich auch von ein paar wertvollen Tipps vom Fachmann profitieren.

    Portrait Michi Kistler

    Michi, wie definierst Du für Dich persönlich Nachhaltigkeit?

    Ein langfristiges Gleichgewicht von Ökologie, Sozialwesen und Wirtschaftlichkeit. Für mich persönlich erweitere ich dies mit Transparenz, körperlicher, geistiger, psychischer und spiritueller Gesundheit und kulturellem gesellschaftlichem Nutzen. Das wäre dann ganzheitlich.

    Wie wird man überhaupt Nachhaltigkeitsberater? War das schon immer Dein Traumberuf?

    Ungerechtigkeit, Ausbeutung von Mensch, Tier und Natur machten mich schon als Teenager wütend und traurig. Weil mich der sorgfältige Umgang mit Pflanzen, Tieren und Menschen beschäftigte, war ich bereits auf diverse Umwelt- und Fairness-Themen sensibilisiert. Im Lehrgang Umweltberatung und -Kommunikation des WWF Bildungszentrums habe ich mir dann das nötige wissenschaftliche Rüstzeug für meinen jetzigen Beruf geholt.

    Für wen bzw. wann ist eine Nachhaltigkeitsberatung sinnvoll?

    Sinnvoll ist eine Beratung immer dann, wenn ein Umbau ansteht, Isolationsmassnahmen ergriffen oder ein Heizungsersatz beschafft werden soll, denn ein guter Nachhaltigkeitsberater kennt sich auch mit Fördergeldern und Steuereinsparungen aus. Eine Nachhaltigkeitsberatung ist auch dann sinnvoll, wenn jemand wissen möchte, wie das eigene Verhalten zu einer umweltfreundlichen und gerechteren Welt beitragen kann. Alle Menschen, die in einer Konsumgesellschaften leben, haben Sparpotential – auch bei mir selbst sehe ich da noch viele Möglichkeiten! Da jeder Mensch andere Prioriäten setzt, sind meine Umweltberatungen modular aufgebaut.

    Was kostet so eine Beratung? Und wie viel kann ein 4-Personen-Haushalt dadurch sparen?

    Eine ganz einfache Beratung gibt es ab CHF 450. Bei einer erfolgreichen Beratung wird dieser Betrag rasch wieder eingespart: Der durchschnittliche Stromverbrauch eines 5 Zimmer Einfamilienhaus in der Schweiz liegt bei ca. 7500 KwH = CHF 1600 pro Jahr. Mit einfachen Einsparungsmöglichkeiten liegt das Potential bei ca. 1/3 des normalen Verbrauchs. Das heisst: In diesem Zeitraum können auch rund CHF 400 eingespart werden. Dieser Betrag ist jedoch sehr variabel. Moderne Häuser benötigen ja nur noch den Bruchteil dieses Energieverbrauchs.

    Die wichtigsten unerkannten Energieräuber?

    Ganz klar die Elektro-Boiler! Es macht kein Sinn, Wärme mit Strom zu erzeugen. Wärme sollte unbedingt mit brennbaren Energiequellen wie Holz, Sonne, Wärmepumpe oder Gas erzeugt werden. Für Mieter stehen alte Glühbirnen auf Platz Nummer 1, gefolgt von den Bereichen Waschen/Trocknen, Kühlen/Gefrieren, Elektroheizgeräte sowie dem Stromverbrauch von Geräten im Standby-Modus.

    Du hast dem Verein „Fou de Fougerette“ als Volontäreinsatz eine Nachhaltigkeitsberatung offeriert.

    Ich kenne Nicola bereits aus der Jugendzeit und erzählte ihm irgendwann, dass ich Umweltberatungen für Hauseigentümer mache. Er war sofort interessiert, da er vermutete, dass Fougerette als grosses Anwesen auch entsprechend grosses Sparpotential bietet. Das ist ja auch tatsächlich so! Einerseits reduziert der sparsame Umgang mit Strom, Wasser und Heizwärme die Unterhaltskosten. Andererseits liegt dem Verein eine möglichst umwelt- und naturfreundliche, lebensbejahende Existenz am Herzen. Interessant war für mich vor allem die Frage nach dem Ersatz der alten Ölheizung. Der rund 20ha grosse Umschwung bietet verschiedene Möglichkeiten der Selbstversorgung mit nachwachsenden Rohostoffen wie etwa Holz oder China-Schilf.

    „Fou de Fougerette“ steht auch für eine Prise Wahnwitz und den Glauben an seine Träume. Was war das Verrückteste, das Du in Deinem Leben bisher gemacht hast?

    Nachts im Freibad nackt vom Fünfmeter Sprungturm ins Sternenmeer springen. Wer’s schon mal gemacht hat, weiss was ich meine (grinst).

    Du bist nicht nur Nachhaltigkeitsberater, sondern als Ambossma auch Minnesänger, Querdenker und Stadtführer…

    Stimmt. Leider kommen diese Bereiche derzeit etwas zu kurz. Diese Talente möchte ich unbedingt auch in meinen Alltag integrieren, aber das wird wohl noch etwas dauern…

    Abschliessend gefragt: Was bringt Dich garantiert zum Lachen?

    Schräge Musik oder Filme, zum Beispiel Beatallica oder Monty Phyton. Auch Anekdoten, welche das Leben schreibt und die einen trottelig dastehen lassen. Am besten lacht man noch immer über sich selbst!

    Mehr über Michi Kistler erfährst Du auf seiner Website http://www.kistlerholistic.ch. Unter anderem findest Du dort auch Infos zum 1996 initiierten Umweltprojekt Die Zellgartensiedlung, das wohl damals seiner Zeit voraus war, denn heute ist ja Urban Gardening & Co. in aller Munde. Unbedingt anschauen, wir haben selber gleich Lust verspürt, zur Reanimation des Zellgartens beizutragen!

  • Meet Maja Hürst / Grain de Folie

    Grain6Die autodidaktische Künstlerin Maja Hürst hat das zweite diesjährige Künstler-Zimmer namens „Grain de Folie“ gestaltet. Aufgewachsen in Kairo und Köln hat sie sich schon als Kind als Weltenbürgerin bekannt. Nach ihrem Studium der Visuellen Kommunikation an der ZHdK hat sie begonnen, sich intensiv mit Kunst auseinanderzusetzen und dies 2009 zu ihrem Beruf gemacht; ihre Bildsprache heisst TIKA. In den letzten Jahren hat Maja in Berlin, Rio de Janeiro und Zürich gewohnt, mit Atelierstipendien in Bangkok, Wien und Kapstadt gelebt sowie weltweit unzählige Wandbilder und Ausstellungen realisiert. Seit 2013 wird sie für einen Dokumentarfilm der Sternstunde Kunst vom Schweizer Fernsehen begleitet. Für die nächsten Monate steht ein Leben «on the road» im ausgebauten Bus quer durch Europa an. Ein Atelier auf Rädern, die Farbeimer und Spraydosen im Gepäckraum, die Leiter und Verlängerungsstangen auf dem Dach.

    Maja, wie kam es überhaupt zu Deiner Projekteingabe für das Zimmer „Grain de Folie“?

    Die Jungkunst-Organisatoren haben den Aufruf an alle ihre ehemaligen Künstler verschickt. Die Bilder des Schlosses haben mich so geflashed und ich hatte ein gutes Bauchgefühl bei dem Zimmer, auch hat mich der Name „Grain de Folie“ (eine Prise Wahnwitz, Anm. d. Red.) angesprochen.

    Wie sieht ein typischer Tag in Deinem Leben aus?

    Typische Tage gibt es so eigentlich nicht… Ein Vorsatz, der sich seit meinen Teenagertagen gehalten hat, ist, dass ich möglichst jeden Tag anders leben möchte. Meistens jedoch beginnt mein Tag mit einem Kaffee, ans Bett gebracht von meinem Super-Freund, etwas lesen, noch zwei, drei weitere Kaffees, duschen, Mittagessen, dann wenn das Wetter ok ist in der Stadt rumvelölen und noch mehr Kaffee trinken, mit Freunden quatschen oder in den Himmel gucken und die Gedanken fliegen lassen, dann mal Mails checken und spätestens wenn’s eindunkelt bis es hell wird im Atelier arbeiten.

    Was treibt Dich als Künstlerin an? Wo liegen Deine künstlerischen Wurzeln bzw. was inspiriert Dich zu Deinen Arbeiten?

    Die Zeit, die ich malend, zeichnend oder bastelnd verbringe, vergeht wie im Flug. Was das Kreative betrifft, bin ich sozusagen unersättlich und habe deswegen auch Lust auf immer mehr (lacht). Meine Hauptinspiration sind der Alltag und das Leben, spezifischer, die Suche nach einem Alltag und einem Leben in einem System und einer Gesellschaft wie ich sie uns wünsche. In diese Wunschvorstellung fliesst sowohl Traditionelles und Mystisches mit ein als auch Fantastisches, Geträumtes und im Internet Gesehenes.

    Wie zeigt sich das in Deinem Werk?

    Von Menschen, die Arbeiten von mir bei sich zuhause haben, wurde mir schon gesagt, dass sie eines meiner Bild neben dem Bett haben und immer wenn sie es anschauen, dann rückt es ihnen den Sinn des Lebens wieder an den richtigen Ort. Wenn meine Arbeiten kleine Anker für Gedanken oder Ideen oder Inspiration für Andere sind, dann ist dies das grösste Kompliment für mich – und somit auch Sprit, welcher den Motor am Laufen hält. Wenn ich im öffentlichen Raum arbeite, zum Beispiel an einem Wandbild, geschieht es oft, dass ich mit verschiedensten Menschen über die verrücktesten Themen ins Gespräch komme. Einmal als ich in Kapstadt auf einem Baukran an einer grossen Wand am Arbeiten war, hab’ ich bemerkt wie eine Businessfrau, ein Obdachloser und ein Feuerwehrmann in ein tiefes Gespräch über das Bild verstrickt waren. Das fand ich sogar noch besser als wenn ich als Person direkt involviert gewesen wäre.

    Mit TIKA hast Du Deine eigene Bildsprache entwickelt…

    Angefangen hat TIKA als Gesicht aus dicken schwarzen Filzstiftstrichen auf entsorgten Kühlschränken in Zürich. Der Klang und die Buchstaben haben mir gefallen. Es war sozusagen Liebe auf den ersten Blick von einer Antibiotika-Packung weg. Später als ich dann noch die indische Bedeutung des dritten Auges für TIKA kennengelernt habe, fiel alles wie beim Computerspiel „Tetris“ in die richtige Lücke. Heute ist TIKA ein Versuch, das Gesehene simpel und grafisch umzusetzen. Die Essenz des Gesehenen festzuhalten. Auszuloten, wie viel Reduktion Formen vertragen um nicht ins Abstrakte zu rutschen. Auch ist es eine Suche nach dem Essentiellen im Leben (Impressionen von TIKA findest Du in der nachstehenden Bild-Galerie).

    Wie fallen die Reaktionen auf TIKA aus?

    Ob in Bangkok, Atlanta, Gambia, Cape Town, Mumbai, Alexandria, Sofia – bisher hatte ich meist positive Reaktionen. Ich lege sehr viel Wert darauf, das Bild in die Umgebung einzubetten. Wo auch immer auf dem Planeten ich eingeladen werde, um auszustellen oder Wandbilder zu malen, informiere ich mich über die Geschichte der jeweiligen Orte, suche nach lokalen Sagen und Mythen und unterhalte mich mit den Menschen, die um die zu bemalende Wand herum leben. So entstehen die Ideen zu den Bildern. Es kommt oft zu einem regen Austausch mit den Anwohnern, die fragen, ob sie an der Wand mithelfen dürfen oder mir Getränke, Snacks und Zeichnungen bringen. In der Schweiz sind die Reaktionen allerdings überwiegend verhalten, meist wird nur nach der Bewilligung und dem Verdienst gefragt.

    Deine zweite Leidenschaft ist die Musik, oder?

    Jup. Früher hab’ ich neben der Anlage gesessen und Tapes aus dem Radio aufgenommen. Irgendwann um 2003 hab’ ich angefangen, Platten zu kaufen und aufzulegen, da ich kaum DJs kannte, die aufgelegt haben, was mir gefällt. Bis heute lege ich meist mehrmals im Monat als Chiri Moya auf. Global Bass wäre wohl die am ehesten zutreffende Schublade, um meine Musikauswahl reinzuquetschen. Eigentlich ist das einzige Kriterium, dass ich Bock hab’, auf den Track zu tanzen. Egal wo auf der Welt er gebastelt wurde. Hauptsache er hat Pfupf!

    Abschliessend gefragt: Du gestaltest regelmässig grosse Flächen, ganze Hausfassaden. Was hat es damit auf sich?

    Mich reizt Grösse. Mein bisher grösstes Bild durfte ich in Atlanta G.A. malen: 110m lang und 20m hoch. Ich finde es extrem cool, Hebebühnen mit Lastwagen daran zu fahren und mit 6m langen Stangen vorzuzeichnen. Auch bin ich mir bewusst, dass ein Wandbild ein einschneidender Eingriff in die Umgebung ist und deshalb gebe ich alles, damit dieses für die Anwohner zu einer Bereicherung wird. Natürlich kann man es nie allen recht machen – allerdings bin ich überzeugt, dass Bilder einen wesentlich stärkeren Denkimpuls vermitteln als die oft grauen Fassaden unserer urbanen Räume.

    Und so sieht Grain de Folie jetzt aus:

    TIKA – Impressionen (noch mehr Bilder gibt’s hier):

    Alle Bilder: Copyright Maja Hürst / TIKA

    Und als Dreingabe hat uns Maja noch dieses Wandgemälde an die bis dato doch sehr schäbige Garagen-Wand gezaubert:

    https://www.facebook.com/tika.thek/photos/a.171379443021084.1073741829.115991175226578/516485088510516/?type=3&theater

     

  • Meet Antoanetta Marinov / Air de Temps

    AntoanettaMarinovAntoanetta Marinov ist eine der beiden Gewinnerinnen der Künstlerzimmer-Ausschreibung 2015. Sie hat im April und Juni an ihrem Konzept gearbeitet und ein im wahrsten Sinn des Wortes „bewegtes Zimmer“ hinterlassen (siehe Fotos des fertigen Zimmers). Die gebürtige Italienerin studierte zuerst in Rom, Reading und Freiburg Literaturwissenschaft, bevor sie die Kunstakademie Karlsruhe besuchte. Die Mutter eines fünfjährigen Sohnes lebt derzeit in Berlin und arbeitet künstlerisch ortsbezogen, mit dem Schwerpunkt öffentlicher Raum. Ihre Arbeiten waren in zahlreichen Ausstellungen zu sehen (u.a. Galerie Stella A. in Berlin, Kunsthaus Baselland in Basel, Hippolyte Gallery in Helsinki). Zudem organisiert und kuratiert sie Ausstellungsprojekte: Als nächstes „Basically“ im Kunstraum L6, Freiburg.

    Antoanetta, wie kam es überhaupt zu Deiner Projekteingabe für das Zimmer „Air de Temps“?

    Die Ausschreibung des Wettbewerbs kam mir zugeflogen … Ein überzeugender und einladender Text. Begeistert von der Beschreibung Fougerettes wollte ich mit meiner Arbeit zum Ganzen beitragen und Teil dieses beeindruckenden Projekts sein. Das Zimmer „Air de Temps“ als Sinnbild des Zeitgeistes hat mich angesprochen und die Idee für den Raum kam ziemlich schnell, ja fast schon beim Lesen der Ausschreibung. Also habe ich mich mit meinem Konzept „Hier & Jetzt“ beworben, bin für die Präsentation extra von Berlin nach Zürich gefahren – und jubelte nach dem Entscheid der Vereinsmitglieder.

    Du bezeichnest Dich selbst als „Konzept-Künstlerin“…

    Ja, damit beziehe ich mich auf einen bestimmten Moment der Kunstgeschichte. Auf die ersten Konzept-KünstlerInnen. Unter denen befinden sich Haltungen und Positionen, zu denen ich Affinitäten feststelle. Gewiss, ich lebe woanders und meine Kunst stammt aus der heutigen Zeit und Gesellschaft, nur möchte ich aufzeigen, welche Fäden in meiner Hand zusammen laufen. Vermutlich ist dies eine Prägung aus meiner Biographie, denn in meiner Heimatstadt Latina war es ziemlich wesentlich, sich stets eindeutig zu positionieren: Rechts oder links? Links oder rechts? Vom kunsthistorischen Moment abgesehen, mag ich es, vom Konzept auszugehen bzw. vom Denken bzw. vom denkenden ICH. Ständig lebendig, in der Interaktion, ständig am assimilieren, reflektieren, sich produzieren. Kunst ist für mich évidemment auch etwas Räumliches, hat mit Zeit und Bewegung zu tun, daher die für mich relevante Frage „Wo befindet sie sich?“. Im Kunstobjekt, in seiner Aufladung durch den Kontext, in meinen Kopf, in der Behauptung, in der Betrachtung? Ich bin auf der Suche…

    Welche Vorbilder oder auch Einflüsse prägen Dich?

    Oh, da gibt es einige… (lacht)! Allen voran der subtile Humor bei Ernst Caramelle, die Creation permanente bei Robert Filliou, die monumentale Flüchtigkeit der Stimme bei Jenny Holzer und die Revolution bei Richard Serra. Meine Medizin für immer und immer wieder: das Schreiben (das ganze Schreiben) von Jimmie Durham.

    Du hast im Schloss den Workshop „situative und raumbezogene Kunst“ angeboten. Worum ging es dabei?

    Es ging darum, die Teilnehmenden für das zu begeistern, was mich begeistert. Wachsam sich an die Wirklichkeit herantasten, offen und mutig die eigene Antwort formulieren. Die Beschreibung fällt mir schwer, einfach ausprobieren beim nächsten Workshop!

    Abschliessend gefragt, welche Arbeiten bieten einen repräsentativen Einblick in Dein Schaffen?

    Im Moment arbeite ich an „Give & Take“ als Ort und Form für eine wesentliche Handlung. Das fing 2005 mit dem Vorschlag an die Stadt Freiburg an, ein plastisches Objekt als Monument für den Tausch im Stadtraum zu installieren („Der Geschenker“, Siegervorschlag des „Kunst am Bau“-Wettbewerbs, Rieselfeld Projekte, Freiburg). Die Idee kam im Zuge der Reflexion über einen Aspekt der Kunstproduktion. Ich sehe mich als Künstlerin in einem Zwischen-Ort, am Schaukeln zwischen der Assimilation der Wirklichkeit und der Wiedergabe der Wirklichkeit. Aus der ursprünglichen Idee hat sich ein Tausch-Schrank entwickelt, den ich mir am liebsten überall installiert vorstelle – meine aktuelle fixe Idee!

    Weitere Werke umfassen zum Beispiel:

    * „Magic Wands for sale“. 2008, zufällig (?) im gleichen Jahr der globalen Finanzkrise, habe ich Zauberstäbe auf einem öffentlichen Platz verkauft. Seitdem sammle, nummeriere und verteile ich Äste, die ich als zauberhaft deklariere. U.a. werden dabei Wert und Wertladung eines (Kunst)objektes thematisiert.

    * „Mamma, che ore sono?“ sind zwei Arbeiten in einer. Einerseits der Titel: die Befragung oder Vergewisserung der eigenen Positionierung in der Linearität der Zeit. Und andererseits die Intervention an sich, die ich für meinen Ansatz als typisch erkenne: Ich weiss nicht genau, was das ist, es will da sein und bedient sich hauptsächlich der Materialien des umgebenden Raums.

    * In „To Dice- Resonanzen des Suchens“ entstehen theoretisch endlose Kompositionen durch das Würfeln von verschiedenen Fundobjekten. Das Video dauert um die 5 Minuten, es wird im Loop gezeigt; abgesehen von leichten Variationen des Würfeltempos bleibt sich die Suche treu.

    * „Joining“ ist eine Arbeit, die ich im öffentlichen Raum realisiere. Dabei laufe ich mit Passanten mit, bis sie es merken.

    http://www.antomarinov.de

    Abbildungen:

    – „Give & Take“, Holz, Lack. Bocholt, 2015

    – „Zauberstab, # 223“. Berlin 2015

    – „Mamma che ore sono“, Wand, Zement, Kunststoff, Metall. Karlsuruhe, 2006

    – „To dice – Resonanzen des Suchens“, Video, Karlsruhe, 2005 (link: https://vimeo.com/69795642)

    – „Joining“, laufende Fotoserie, abgebildet: Paris, 2011