Kategorie: Dies & das

Kunterbunte Sammlung von Themen, LInks und Ideen…

  • Zeugs & so

    Wer die Zürcher Bahnhofstrasse entlang flaniert, sieht Läden über Läden – und überall in den Schaufenstern türmen sich die neusten Produkte, verlocken zum Kauf. Doch woher zum Gugger kommt das ganze Zeugs überhaupt?

    The Story of Stuff.

    Genau dieser Frage ging die Amerikanerin Annie Leonard nach. Leonard wollte mehr über die Herstellung von Produkten erfahren und begab sich auf eine zehnjährige Entdeckungsreise (wir begegneten der Reizüberflutung vor dem Verkaufsregal bisher pragmatisch mit der Idee einer 1:12 Initiative für Waschmittel…) Anschliessend startete sie das Filmprojekt The Story of Stuff. Ihr Video wurde zu einem Riesenerfolg, mittlerweile ist daraus ist eine weltweite Bürgerbewegung entstanden und das Story of Stuff-Project fordert uns auf, neue Wege einzuschlagen.

    Für dumm verkauft?

    Wenn ein Latte Macchiato in Zürich stolze CHF 7.50 kostet und ein T-Shirt bereits ab CHF 9.90 zu haben ist, was sagt uns das? Vielleicht, dass das T-Shirt auch nicht viel länger als 15 Minuten was taugt? Wie kommt es, dass Konsumgüter wie Möbel, die früher fürs ganze Leben gekauft wurden, heute ebenso starken saisonalen Trends unterworfen sind wie die Mode? Müssen Teebeutel einzeln abgepackt sein? Ist eine Kartoffel, die von A nach B transportiert wurde, wirklich mehr wert? Und ist es tatsächlich „günstiger“, wenn das für CHF 79.90 erstandene Zelt nach dem Open Air liegen gelassen wird anstatt es nach Hause zu schleppen – und wenn ja, für wen eigentlich?

    Es ist höchst fragwürdig, ob diese Rechnung aufgeht. Tatsächlich scheint das System total aus den Fugen geraten, die Glaubwürdigkeit dahin. Rational ist die Preisgestaltung oft nicht  nachvollziehbar und manchmal befällt einen gar die dumpfe Befürchtung, dass auch die erfreulich zahlreichen „Bio/Fairtrade/Öko“-Labels  unter dem Strich nichts anderes als nett verhüllte Varianten des Spiels „Wie hoch kann ich meine Marge treiben?“ sind…

    Unsere Welt ist rund

    Bereits in den 1970er Jahren ging der Biochemiker, Umweltexperte und Vater des „vernetzten Denkens“, Dr. Frederic Vester, der Frage nach, was passiert, wenn lineare Ansätze auf geschlossene Systeme prallen, die eigentlich nach Kreisläufen verlangen. Leider ist das vorherrschende Wirtschaftsmodell noch immer linear und allein darauf ausgerichtet, immer schneller immer mehr zu verkaufen. Annie Leonard erklärt die Zusammenhänge so:

     

    Um zu erfahren, welche Glaubenssätze Dein persönliches Handeln bestimmen, beantworte nachstehend unser wissenschaftlich in keinster Weise fundiertes Persönlichkeitsquiz:

    Wer entscheidet in Sachen Zeugs, was läuft?

        1. Glasklarer Fall: I’ve got the power! (Gruss an den gleichnamigen Refrain von Snap)
        2. Die Grosskonzerne haben zu viel Macht, da kann man nichts machen, ich bin halt nur ein… (Gruss an die tollen WWF-Plakate von Spinas Civil Voices)
        3. We are the world! Gemeinsam können wir unglaublich viel bewegen. (Gruss an die gleichnamige Charity Single von Michael Jackson und Lionel Richie)
    • Antwort 1. Du bist kompromisslos, subversiv und bereit zu radikalen Veränderungen. Wenn Du über Dein aktuelles politisches Steckenpferd referierst, glimmt ein irrer Funke in Deinen Augen. Höchstwahrscheinlich wird Dein Handy seit Jahren abgehört und Du bewegst Dich mit Deinen Nacht- & Nebel-Aktionen staatsbürgerlich auf dünnem Eis. Dennoch: Du bist ein Macher-Typ, wenn auch mit leicht diktatorischen Zügen.
    • Antwort 2. Du leidest seit Deiner Kindheit am David gegen Goliath-Syndrom und trägst das gefürchtete Waschlappen-Gen in Dir. Zwar findest Du überall ein Haar in der Suppe und zerreisst Dir innerlich gerne das Maul über die Misstände in der Welt, doch Dein Mut verlässt Dich spätestens dann, wenn Dich jemand nach Deiner Meinung fragt.
    • Antwort 3. Du sehnst Dich nach globaler Harmonie, glaubst an das Gute im Menschen und bemühst Dich, mit Deinen wohldurchdachten Handlungen möglichst wenig Schaden anzurichten. Ganz abgesehen davon, dass Dir soziale Ungerechtigkeit ein Dorn im Auge ist, bist Du der geborene Networker und weisst, wie Du Dinge ins Rollen bringst. Aber Obacht: Wenn Du Deine Anliegen nicht in konkrete Handlungen transformierst, besteht die Gefahr dass Du zum Typus des „ewigen Kongress-Gängers“ mutierst…

    Hä, Capannori?

    Ausgerechnet eine italienisches Kaff tritt den Beweis an, dass die Bürgerinnen und Bürger die Zügel in die Hand nehmen und nachhaltige Veränderungen bewirken können: Capannori in der Toscana ist heute ein Zero Waste Champion und betreibt seit 2010 das europaweit erste Forschungslabor für Zero Waste.

    Wäre doch toll, wenn man auch in Zürich (oder in Etang sur Arroux!) im Laden eigene Behälter nachfüllen könnte, anstatt ökologisch unsinnigen Verpackungswahnsinn mitzufinanzieren!

    Wer ist dabei? Oder gibt’s schon sowas?

    P.S.:
    Über Konsumfluch(t) nachdenken und mit Gleichgesinnten diskutieren kannst Du übrigens während der Ferienspass-Woche auf Foguerette vom 18.-26. Juli!

     

    Weiterführende Links

    • http://storyofstuff.org/
    • http://www.zerowasteeurope.eu/
    • http://www.c2ccertified.org/products/registry: Liste zertifizierte Cradle2Cradle Podukte, die in geschlossenen Kreisläufen hergestellt werden.
    • http://en.wikipedia.org/wiki/Short_food_supply_chains
    • http://reset.org/knowledge/plastic-ocean-plastikinseln-im-meer
    • http://www.fairphone.com/

    … und natürlich noch unzählige mehr. Input willkommen!

  • Gruss von Tante Rosa

    Ein Thema, mit dem man sich nach wie vor eigentlich nur in die Nesseln setzen kann: Die Menstruation. Dieser so alltägliche körperliche Vorgang findet meist im Verborgenen statt und bleibt tabu-behaftet, obwohl gerade jetzt in diesem Moment weltweit geschätzte 330 Millionen Frauen menstruieren.

     

    Pink Tax – wenn Monatshygiene eine Frage der Finanzen ist

    Kannst Du Dir Dein Frauenleben ohne Menstruationstasse, Tampons, Binden oder frisches Wasser zum Waschen vorstellen? Für unzählige Frauen rund um die Welt ist genau dies bittere Realität. Erstens weil Wasser sowieso knapp ist. Und zweitens, weil die Hygieneartikel für sie schlicht zu teuer sind. In diesem Zusammenhang wird deshalb von der sogenannte „Pink Tax“ gesprochen, einer Steuer, die nur Frauen entrichten müssen.

     

    Menstrual Man – wenn Monatshygiene zur Männersache wird

    „Padman“ Arunachalam Muruganantham an der von ihm erfundenen Maschine

    Der Inder Arunachalam Muruganantham ging bereits mit 14 von der Schule ab und wurde Feldarbeiter. Trotzdem hat er ein ebenso beeindruckendes Projekt wie das Barefoot College ins Leben gerufen und eine simple Maschine entwickelt, mit der sich kostengünstig Damenbinden herstellen lassen. Entsetzt stellte er nämlich fest, dass sich seine Ehefrau, seine Mutter – wie viele andere Inderinnen auch – keine Hygieneartikel leisten konnten und beschloss, etwas dagegen zu tun. Im BBC-Artikel The Indian sanitary pad revolution erzählt Muruganantham davon, wie ihm dies unter grossen persönlichen Opfern gelang.

    Anstatt im Anschluss an seine Erfindung der Proftigier und dem Grössenwahn anheim zu fallen – immerhin wurde er 2014 von „Time“ zu den 100 einflussreichsten Menschen gewählt – bleibt Muruganantham genau wie der „schwarze Leonardo“ George W. Carver ein bescheidener Mensch, der sich mit dem Wissen begnügt, dass seine Erfindung für die betroffenen Frauen ein unglaubliches Plus an Lebensqualität bedeutet.

    Hier der Link zum Trailer des Dokumentarfilms Menstrual Man – eindeutig sehenswert!

     

    Frau werden – liebevolle Vorbereitung auf die erste Menstruation

    Abschliessend noch ein persönlicher Tipp an alle Eltern, Grosis, Gottis, Tanten & Co.: Unsere beiden Patentöcher haben kürzlich den wunderbaren Workshop „Die Zyklus-Show“ des MFM-Projekts besucht, in dem der weibliche Zyklus auf anschauliche und liebevolle Weise vermittelt wird. Sehr empfehlenswert für Mädchen im Alter von 10-12 Jahren!

    Für Jungs der gleichen Altersstufe gibt es den Workshop „Agenten auf dem Weg„.

    Die deutsche Ärztin und Gründerin Dr. med. Elisabeth Raith-Paula wurde für ihr Projekt zum Ashoka-Follow nominiert; die Organisation Ashoka unterstützt weltweit Menschen, die richtungsweisende, soziale Projekte initiiert haben.

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    Weiterführende Links

  • Beeindruckend barfuss

    Wer sich die absolute Hoffnungslosigkeit, die in vielen ländlichen Gegenden auf dieser Erde herrscht, vor Augen führt, kann an einem trüben Tag durchaus zum Schluss kommen, dass auf diesem Planeten Hopfen und Malz verloren sind… Umso beeindruckender ist es, wenn dann irgendjemand von einem Projekt wie dem Barefoot College erzählt, das ohne (Pl-)Attitüden einen Weg aus der Armut aufzeigt. In solchen Momenten kann man nur ehrfürchtig staunen, wie viel eine einzige Idee bewegen kann!

    Grossmütter als Solar-Ingenieurinnen

    Wie bitte?! Ja, Du hast richtig gelesen. Das 1972 von Bunker Roy gegründete Barefoot College in Indien ist die „Universität der Armen“. Es hat hunderte von Frauen aus armen ländlichen Gegenden, die kaum oder gar nicht lesen und schreiben können beigebracht, wie sie Solarzellen und -batterien installieren, wie sie diese warten und reparieren und damit das Leben in ihren abgelegenen Dörfern auf immer verändern können. Diese Frauen haben sogar weitere Frauen aus umliegenden Dörfern ausgebildet! Der Grundgedanke hinter diesem unglaublichen Projekt: Empowering Women as agents of sustainable change d.h. Frauen dazu befähigen, nachhaltige Veränderungen zu bewirken.

    Interesse am Gemeinwohl als Erfolgsgarant

    Das Barefoot College bildet Frauen und Männer aus. Die Kurse für Solar-Ingenieure wurden in den 1990ern gestartet und die Studierenden kamen aus ganz Indien; Sprachbarrieren waren kein Problem, denn die Ausbildung orientierte sich an Form und Farbe der Komponenten und der Unterricht wurde mimisch-nachahmend konzipiert. Etwas überrascht stellte man dabei fest, dass die besten Kandidatinnen für eine Ausbildung Frauen im mittleren Alter sind, von denen die meisten bereits Grossmütter waren. Warum? „Weil ungebildete Grossmütter bescheiden sind und weil es einfach ist, sie zu unterrichten. Grossmütter haben ein ausgeprägtes Interesse an ihrem Dorf und verspüren nicht den Wunsch, an einen anderen Ort zu ziehen. Gib‘ einem Jugendlichen eine Ausbildung und er macht sich auf den Weg in die Stadt, um einen besseren Job zu finden.“, formuliert Gründer Bunker Roy seine Erkenntnis.

    Technologie gehört in die Hände der Gemeinschaft, die sie nutzt

    Am Barefoot College ist man davon überzeugt, dass die Dorfgemeinschaft dahingegend sensibilisiert werden muss, dass sie Technologie aktiv managt, kontrolliert und in Besitz nimmt („take ownership“). Auch ärmste Dorfgemeinschaften können ihre eigene Solar-Ausrüstung betreiben, wenn sie wissen, wie sie das Material im Dorf selbst bereitstellen und warten/reparieren können.

    Die Zahlen sprechen für sich

    Bis Ende 2007 installierten indische Barfuss-IngenieurInnen – ganz ohne Hilfe städtischer Fachkräfte – 8,700 Solar-Einheiten, welche täglich 500 kilowatts (kW) generieren, und stellten 4,100 Solarlampen her. 574 Weiler und Dörfer (um die 100,000 Menschen) sowie 870 Schulen verfügen nun über Solarstrom. Im abgelegenen Himalaya installierten 270 Absolventen der Barefoot College, darunter 57 ungebildete Landfrauen, 16 Solarkraftwerke mit einer Leistung von je 2.5 kW. Die Frauen stellten 40 Parabol-Solarkocher und 71 solarbetriebene Boiler her, und riefen gemeinsam mit anderen 23 Elektro-Werkstätten ins Leben.

    Aber genug der Schwärmerei, wir lassen hiermit diese schlicht geniale Idee gleich vom Gründer selbst erklären (und falls Du Lust hast, darüber nachzudenken, wie Dein Beitrag aussehen könnte, dann empfehlen wir Dir den Workshop „Konsumfluch(t)“ während unserer Ferienspass-Woche!):

     

    Einen ausführlichen Artikel zum Projekt findest Du zudem hier (auf Englisch): http://www.wipo.int/wipo_magazine/en/2009/03/article_0002.html

  • Happy Mother’s Day

    Schon ein Jahr alt, aber trotzdem einfach eine sehr gelungene (Werbe-)Aktion, deshalb hier der Link für all the big mamas out there: http://www.youtube.com/watch?v=HB3xM93rXbY.

    http://www.youtube.com/watch?v=HB3xM93rXbY

    In Frankreich wird übrigens der Muttertag erst am 25. Mai gefeiert!

  • The Age of Testosteron

    Ja, es klingt etwas provokant, die Ära des Testosterons auszurufen. Doch wem klar ist, in welche Schieflage das Geschlechterverhältnis in Asien und anderswo geraten ist, kann sich in etwa ausmalen, wie die Welt 2030 aussehen könnte. Das Bild einer von Testosteron triefenden Welt ist kein erfreuliches.

    Bereits 1990 warnte der spätere Nobelpreistäger Amartya Sen in seinem Artikel „More than 100 Million women are missing“ vor einem Missverhältnis und dessen gesellschaftspolitischen Folgen. Die in Shanghai lebende US-Journalistin Mara Hvistendahl doppelte 2011 mit ihrem Buch „Unnatural Selection“ nach (das Buch ist 2013 unter dem Titel „Das Verschwinden der Frauen“ auf Deutsch erschienen).

    Das natürliche Geschlechterverhältnis liegt normalerweise bei 105:100 Lebendgeburtend.h. auf 100 neugeborene Mädchen kommen 105 bis 106 Jungen. Mit der leicht erhöhten Zahl männlicher Neugeborener trägt die Natur der Tatsache Rechnung, dass diese durch ihre erhöhte Risikobereitschaft eher Gefahr laufen, vor der Geschlechtsreife aus dem Leben zu scheiden.

    Die drei tödlichsten Worte? „It’s a girl“.

    Allerdings wird der Natur aufgrund der Ultraschalltechnik bzw. der vorgeburtlichen Geschlechterselektion mittlerweile gehörig ins Handwerk gepfuscht. Hinzu kommen in vielen Ländern die vorsätzliche Tötung neugeborener Mädchen sowie die bewusste Vernachlässigung weiblicher Nachkommen, welche letztlich ebenfalls zum Tode führt. Dies hat den Begriff „Gendercide“ als finsteren Zwilling des ethnisch motivierten „Genozids“ geprägt.

    In weiten Teilen Asiens, in Indien, im Kaukasus und auf dem Balkan sowie innerhalb bestimmter Bevölkerungsgruppen in den USA hat die vorgeburtliche Geschlechterselektion das Geschlechterverhältnis zu Ungunsten der Mädchen verschoben. Gemäss Hvistendahl erhöht sich  die Wahrscheinlichkeit einer vorgeburtlichen Geschlechterselektion trotz gesetzlicher Verbote mit jedem weiteren Kind, so dass das Geschlechterverhältnis bei Drittgeborenen zum Teil schwindelerregende Dimensionen à la 800:100 erreicht, wie der Mitgründer des „Invisible Girl Project„, Brad McEliya, in Südindien feststellen musste. In Indien sind Abtreibungen für Fachärzte offenbar eine wichtige Einnahmequelle, entsprechend hoch ist die Motivation für eine Umgehung des offiziellen Verbots.

    Abgesehen von dem grossen Leid, das viele der betroffenen werdenden Mütter erfahren, liegen auch die persönlichen Folgen für die junge Männer auf der Hand: Viele von ihnen werden bei der Brautschau leer ausgehen. Dies wird spätestens dann zu einem Problem, wenn die erste Welle der im Rahmen flächendeckender vorgeburtlicher Geschlechterselektion geborenen Jungs sexuell aktiv wird. Dies dürfte zwischen 2020 bis 2030 der Fall sein. Bereits heute nehmen in Asien nicht nur Heiratsvermittlung mit Frauen aus umliegenden ärmeren Ländern, sondern auch Frauenhandel und Zwangsprostitution zu.

    Machen wir Druck!

    Kann uns hier in Europa egal sein? Ganz und gar nicht, denn es sind vor allem die gesellschaftspolitischen Folgen, die sich aus der persönlichen Situation der jungen Männer ergeben, welche unsere Alarmglocken schrillen lassen sollten: Wenn die  Demografie aus dem Gleichgewicht gerät, ist politische Instabilität vorprogrammiert. Und Heerscharen frustierter „Junghengste“ (man verzeihe den saloppen Ausdruck) werden den öffentliche Raum für junge Frauen ganz gewiss nicht sicherer machen.

    Würden irgendwo auf diesem Planeten 160 Millionen lebende Menschen niedergemetzelt, dann hätte dies garantiert einen weltweiten Aufschrei und ein koordiniertes, rasches Eingreifen der Staatengemeinschaft zur Folge. Leider geht es beim Phänomen „Vorgeburtliche Geschlechterselektion“ um Menschen, die ihr Leben verlieren, bevor es überhaupt begonnen hat. Hinzu kommt, das diese Menschen Frauen sind – Menschen zweiter Klasse also, jedenfalls in vielen Gebieten wo die vorgeburtliche Selektion gang und gäbe ist.

    Bisher ist es den politischen Akteuren nicht gelungen, diesem weltumspannenden demografischen Problem genügend Dringlichkeit zu verleihen, geschweige denn Ansätze für eine überzeugende Lösung zu formulieren. Wie so oft bleibt es Privaten überlassen, die Initative zu ergreifen – und Du kannst Sie gleich hier unterstützen!

     

    Weiterführende Links:

  • Besuch vom Hinterwäldler

    http://bizarro.com/

    Die Aufklärung liegt längst hinter uns. Wir wissen, dass es universell gültige Menschenrechte gibt, wir denken liberal, finden kulturelle Unterschiede bereichernd und halten uns für fähig, neutral und unbestechlich zu urteilen. Schöne neue Welt ohne Vorurteile? Fehlanzeige, denn in uns allen schlummert unerkannt ein Hinterwäldler! Was Dein persönlicher „Mitbewohner“ zu Themen wie Religion, Gleichstellung von Männern und Frauen, Übergewicht, Homosexualität oder Alter meint, deckt die interessante Website zum „Project Implicit“ auf, welches Gedanken und Gefühle erforscht, die ausserhalb unseres Bewusstseins existieren und sich damit einer bewussten Kontrolle entziehen. Also wohlan, gut anschnallen und einen Test machen – so aufs Jahresende hin ist etwas Selbstreflexion ja durchaus angebracht : )

  • Der „schwarze Leonardo“: George W. Carver

    georgewcarver
    George W. Carver in seinem Labor

    Persönlichkeiten wie  George W. Carver bringen uns zum Nachdenken. Darüber, wer wir sind, wie wir unsere Zeit nutzen, welche Erfolge wirklich erstrebenswert sind – und was unsere Aufgabe auf diesem Planeten ist. Genau wie Leonardo da Vinci war der Agrarchemiker ein Multitalent und genialer Kopf. Carver war Koch, Pianist, Künstler, Biologe mit Schwerpunkt Mykologie, Erfinder und Gartenbau-Experte. Er revolutionierte die Landwirtschaft in den Südstaaten quasi im Alleingang, indem er den Anbau von Erdnüssen, Sojabohnen und Süsskartoffeln als Alternativen zu den Baumwoll- und Tabak-Plantagen propagierte, welche die Böden ausgelaugt und unfruchtbar gemacht hatten. Weil jedoch für diese landwirtschaftlichen Erzeugnisse die Absatzmärkte fehlten, erfand er gleich auch noch rund 300 Produkte auf Basis von Erdnüssen dazu, die Kautschuk überflüssig machten. Carver ist unter anderem als „Vater der Erdnussbutter“ bekannt, entwickelte Chilli-Sauce, Tinte, Schuhcrème, Shampoos, Linoleum, synthetischen Kautschuk sowie Klebstoffe auf Basis von Erdnüssen, Sojabohnen, Süsskartoffeln oder Pekannüssen.

    Carvers Lebensgeschichte ist mindestens so beeindruckend wie seine akademischen Erfolge, denn er wurde in Missouri um 1864 als Sklave geboren und musste sich seine Schulbildung hart erkämpfen: Der Zugang zu einer universitären Ausbildung blieb ihm bis zum Alter von 30 Jahren verwehrt. 1891 war Carver der erste Schwarze, welcher die heutige Iowa State University besuchte. Aller Erfolge zum Trotz blieb der Agrarchemiker zeitlebens ein äusserst bescheidener, tief gläubiger Mensch, dem das Gemeinwohl wesentlich wichtiger war als sein persönlicher Erfolg. Patente meldete genau drei Erfindungen zum Patent an. Weitere wird man vergeblich suchen, denn er teilte seine Erfindungen mit jedem – und zwar für den Preis einer Briefmarke.

    How far you go in life depends on your being tender with the young, compassionate with the aged, sympathetic with the striving and tolerant of the weak and strong. Because someday in your life you will have been all of these.“ George W. Carver, 1964-1943

    There is no short cut to achievement. Life requires thorough preparation – veneer isn’t worth anything.“ George W. Carver, 1964-1943

    * * *

    Dokumentarfilm über Carver (DVD)

    Biographie: „Der Mann, der überlebte“

    Quellen:

    http://en.wikipedia.org/wiki/George_Washington_Carver
    http://nationalpeanutboard.org/the-facts/george-washington-carver/

    George Washington Carver Did Not Invent Peanut Butter

     

  • Le glaçon rond

    eiskeller
    Eiskeller der klinischen Universitätsanstalten zu Kiel (um 1884). Quelle: www.eiskeller-brandenburg.de

    Wie es wohl zu früheren Zeiten war, damals, als es noch keine Kühlschränke und Tiefkühltruhen gab und ein simpler Eiswürfel Sinnbild für sündigen Luxus war? Bestimmt ziemlich anders, denn so einiges ist ja eben ohne Kühlung nur sehr beschränkt haltbar bzw. ohne Eis gar nicht herstellbar. Doch schon bevor Carl von Linde 1876 den ersten Kühlschrank erfand, wussten sich unsere Altvorderen zu helfen: Sie bauten Eiskeller, in denen Eisblöcke im Winter verstaut und in der warmen Jahreszeit kühl gelagert werden konnte. Genau so ein Dings haben wir bei uns im Park gefunden – zu unserem Leidwesen plein de déchets, denn es war für den Vorbesitzer offenbar eine bequeme Müllhalde (ganz nach dem Motto „Aus den Augen, aus dem Sinn“…). Erst nach rund zwei Wochen emsigen Schaufelns und Entsorgens erreichten wir den Grund, schwindelerregende 4m tief mussten wir graben… All den ausdauernden MitstreiterInnen der schlosseigenen Müllabfuhr sei hiermit nochmals ein grosser virtueller Applaus gespendet (Fotos der Aktion findest Du am Ende dieses Posts).

    Eiskeller – Privileg der Gutbetuchten

    Architektonisch sind Eiskeller ziemlich interessante und vor allem anspruchsvolle Konstruktionen. Nachfolgend ein Auszug aus einem Artikel von Norbert Heintze zum Thema „Eiskeller und Eiswerke in Berlin und Brandenburg„:

    „Die Lagerung von Eis zu Kühlzwecken war (…) bis zum frühen 19. Jahrhundert ein Privileg des Adels und der wohlhabenden Grundbesitzer. Später entwickelte man Zweckbauten für die Nahrungs- industrie, die von kleinen Gewerbebetrieben wie Fleischer oder Gastronomen genutzt wurden. Es gab verschiedene Bauarten: vom unterirdischen Eiskeller bis zum hölzernen Eishaus. Nach dem Ersten Weltkrieg wurden kaum noch neue Eiskeller errichtet.

    Vollständig unterirdische Eiskeller wie der von Fougerette waren sehr aufwendig im Bau. Vor allem das Ausschachten der Baugrube und die stabilere Ausführung der Wände verteuerten den Bau erheblich. Für die richtige Dimensionierung der Wand- und Deckenstärken war bautechnisches Fachwissen erforderlich. Weiterhin musste das Bauwerk gut gegen aufsteigendes Grundwasser oder versickerndes Oberflächenwasser abgedichtet sein. Der Eiskeller sollte eine kühle, geschützte und trockene Lage in nicht zu weiter Entfernung von der Verbrauchsstelle erhalten. Der Eisbehälter musste gegen die Bodenwärme sowie die warme Außenluft isoliert werden. Es eigneten sich hierzu etwa ein Meter starke Ziegelmauern mit mehreren Luftschichten von acht Zentimeter Stärke. Die Luftschichten konnten auch mit Torfmull, porösen Schlacken oder Schlackenwolle ausgefüllt werden. Der Eisraum sollte möglichst in Zylinderform oder besser in Halbkugelform konstruiert werden, da hier ein besseres V erhältnis von Oberfläche zum Inhalt bestand als bei einem rechteckigen Raum. Gleichzeitig bot der runde Grundriss gegenüber dem seitlichen Erddruck einen besseren Widerstand. Der Eingang sollte nach Norden liegen und möglichst klein sein, damit beim Betreten wenig Wärme in das Bauwerk eindringen konnte. Der Zugang erfolgte über eine Eingangsschleuse mit zwei oder besser drei hintereinander liegenden dicht schließenden Türen. Die Südseite des Eiskellers musste vor der Sonneneinstrahlung geschützt werden, entweder durch den Schatten eines benachbarten Gebäudes oder durch die Anpflanzung schattenspendender, schnell wachsender Bäume und Sträucher. Fenster sollten nicht vorhanden sein oder nur in Form kleiner, nach Norden gerichteter Oberlichter, die durch mehrfache Glasscheiben gegen die Außenwärme isoliert waren. Im Gegensatz zur Eisgrube gab es häufig neben dem Eisraum auch getrennte Kühlräume, die über Lüftungsöffnungen mit dem Eisbehälter verbunden waren uns so gekühlt werden konnten. Das Betreten der Kühlräume war durch eine separate Tür möglich, um den Eisbehälter nicht unnötig zu öffnen.

    Um die hohen Baukosten zu senken, wurden viele übererdete Eiskeller oberhalb des Erdbodens und damit auch des Grundwasserspiegels errichtet, die mit einem kleinen künstlichen Hügel abgedeckt wurden. Da der Hügel sich wegen des Eiskellers an einem kühlen und schattigen Platz befand, wurde er in Gärten auch gerne als Fundament für eine kleine Terrasse oder für einen Pavillon genutzt und so in die Gartenarchitektur einbezogen. Er diente als idyllischer Ruheplatz, Aussichtspunkt oder als Element einer Sichtachse. Am Hügel konnte gleichzeitig ein kleiner künstlich angelegter Wasserfall angelegt werden. (…)

    Eishäuser aus Stein werden in der Literatur erst ab den 1870er Jahren aufgeführt. Obwohl ihr Bau wesentlich teurer war, hatten sie gegenüber den Holzkonstruktionen neben der längeren Haltbarkeit einen erheblichen V orteil, weil innerhalb geschlossener Baugebiete die Errichtung größerer Holzhäuser wegen der Feuergefahr bedenklich war. Die Isolierung erfolgte im 19.Jahrhundert durch Hohlmauern, in denen nach Möglichkeit zwei bis drei Hohlräume eingebaut waren. Ab der Jahrhundertwende wurden Korkstein und Kieselgur als neuartiger Isolierstoff eingesetzt. Die Eishäuser enthielten teilweise Kühlräume für Lebensmittel. Dabei war der Eisraum vom Volumen bis zu viermal so groß wie der Kühlraum und deutlich höher. Dadurch sollte eine gute Belüftung erzielt werden, da die kalte Luft nach unten sank und die erwärmte Luft aus dem Lagerraum durch Abluftschächte in der Decke verdrängen konnte. Größere Eishäuser stellten neue statische Anforderungen an die Bauweise der Mauern. Das Eis übt auf den Boden einen erheblichen Druck aus.

    Bei einer Eishöhe von zehn Meter lasten fast acht Tonnen Gewicht auf jeden Quadratmeter Bodenfläche! Dazu kommt auch eine mögliche Belastung der Seitenwände, da das Eis auch hier eine Kraft ausüben kann, wenn es sich während des Schmelzvorganges verschiebt. (…)

    Eine Sonderform waren runde Eishäuser. Sie hatten bessere Isoliereigenschaften, da hier eine geringere Oberfläche vorhanden war. Nachteilig war die runde Form allerdings dadurch, dass sie nicht in geschlossener Bauweise möglich war, sondern freistehend errichtet werden musste. Mehrere Berliner Krankenhäuser, die zum Ende des 19. Jahrhunderts in parkähnlichen Grundstücken errichtet wurden, hatten hierfür ausreichend Platz.“

    Quelle: Eiskeller und Eiswerke in Berlin und Brandenburg von Norbert Heintze

  • Die Zukunft des Lernens

    sugatammitraSugatam Mitra – dieser Name wird wohl den wenigsten etwas sagen. Dabei ist der studierte Physiker einer der pfiffigsten und revolutionärsten Erziehungswissenschaftler der heutigen Zeit. Sein Experiment „Hole in the Wall“ ist nicht nur bahnbrechend, es hat auch das Leben vieler hundertausend Kinder grundlegend verändert (ganz nebenbei war es auch Inspirationsquelle für den Film „Slumdog Millionaire„). Mitra rief das Experiment 1999 ins Leben, als er die Rückwand seines Büros herausbrechen und dort einen Computer mit Internet-Zugang installieren liess, welcher er den Kindern, die im Slum auf der gegenüberliegenden Seite lebten, kommentarlos zur freien Verfügung stellte. Was dann geschah, liest sich wie eine Geschichte aus 1001 Nacht, denn die Kinder (welche kein Englisch konnten) lernten nicht nur ganz ohne Anleitung eines Erwachsenen das Internet zu nutzen, sie begannen auch innerhalb kürzester Zeit damit, sich selbständig neues Wissen anzueignen und einander Dinge beizubringen.

    Nach dem gleichen Prinzip stellte er südindischen Kindern einen Computer mit „Sprache-zu-Text“-Interface zur Verfügung. Der Clou: Der Computer war auf „British English“ eingestellt“. Da die Kinder mit einem starken indischen Akzent sprachen, zeigte der Bildschirm anfänglich totales Kauderwelsch an… Nach nur zwei Monaten sprachen die Kinder allerdings ein astreines Englisch!

    soleMitra forscht im Bereich „self-organised learning environments (SOLE)“ und ist ein Verfechter des kind-zentrierten Lernens. Er definiert Ausbildung wie folgt: „Education is a self-organised system, where learning is an emergent phenomenon.“. Lernen ist für ihn das Ergebnis der Interaktion im System, ist aufgrund des Austauschs, des Miteinanders viel mehr als nur die Summe der Einzelteile. Lernen passiert von ganz alleine – wenn wir Erwachsenen es zulassen. Ein ziemlich revolutionärer Gedanke, nicht? Falls Du dich näher mit SOLE beschäftigen möchtest: Hier kannst Du Mitras SOLE-Toolkit herunterladen.

    2013 gewann der Inder den mit 1 Million US-Dollar dotierten TED-Prize, welcher jährlich an einen aussergewöhnlichen Menschen verliehen wird, der mit seiner Idee die Welt verändern will – inspirierend, amüsant und absolut sehenswert!

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  • Spinner, Visionäre & Co.

    Wie es zum Schlosskauf in Frankreich kam, kannst Du ab sofort auf der Seite „Wie alles kam“ nachlesen. Dass wir unsere einstigen Luft-Schlösser mittlerweile in die Tat umsetzen, hat mich zu einem Exkurs über Visionäre, Pioniere, Spinner und deren Erfindungen angeregt. Ganz gross bei der Erfindung sogenannt un-unnützer Dinge d.h. von Gadgets, die auf den ersten Blick nützlich erscheinen mögen, im Praxistest aber total versagen, sind die Japaner. Diese Art von Erfindung wird übrigens unter dem Fachbegriff Chindōgu (珍道具) zusammengefasst. Vielleicht kennt jemand das Buch „101 unuseless Japanese inventions„? Ist als vergnügliches Lastminute-Geschenk zu Weihnachten definitiv ein sicherer Wert.

    Auch die Schweiz verfügt über ein gerütteltes Mass an verkannten Visionären. 2011 publizierte der NZZ-Verlag ein gleichnamiges „Libro“ von Helmut Stadler. In den 24 Lebensgeschichten kannst Du online schmökern, wenn Du diesem Link folgst. Weibliche Pionierinnen bzw. Wegbereiterinnen der modernen Schweiz feiert derzeit Avenir Suisse in ihrem Adventskalender; wenn Du Dich beeilst, darfst Du bestimmt noch ein Törli öffnen ; -)

    „Best of“ Listen, die mich erstaunt und amüsiert haben, und die vielleicht auch Dir mehr als nur ein müdes Lächeln abringen:

    Damit Du Dir ein eigenes Bild machen kannst, abschliessend eine kurze Fotostrecke:

     

    P.S.: Damit das klar gestellt ist: wir betrachten uns in keinster Weise als verkannte Visionäre. Ausgangspunkt zu diesem Post war der Begriff „Spinner“ : )